Dienstag, 22. Mai 2012


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Dezember 2006 | Artikel

Linux versus Mac OS X: eine Gegenüberstellung

(Link zum Artikel: http://www.entwickler.de/cod//001031)

Ungleiche Verwandte

Text: von Thomas Kaufmann
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Spätestens seit Apple bekannt gegeben hat, Macs zukünftig mit Intel-Prozessoren zu bestücken, hegen viele Anwender „da draußen“ ernsthafte Kaufabsichten. Zumal Sicherheitsaspekte, man bedenke die aktuelle Situation im Internet, bei diesen Überlegungen eine wichtige Rolle spielen dürften. Und: Diese Rechner basieren zwar auf Unix, dennoch muss man sich als Normalanwender im Prinzip nie mit der Kommandozeile herumschlagen. Gerade deshalb dürften Apple-Rechner in erster Linie für (Windows-)Umsteiger ein Thema sein. Dennoch kann auch das freie Linux mit den kultigen Maschinen aus Cupertino konkurrieren und es bietet – man höre und staune – in manchen Bereichen sogar mehr Komfort. Der Beitrag vergleicht Linux mit Mac OS X und erhellt die wichtigsten Unterschiede.
Teil 1   Teil 2   

Computer der Firma Apple genießen seit langem aus den verschiedensten Gründen Kultstatus. Überdies gilt die Gemeinde der Mac-Fans als elitär: Berühmt geworden ist das Klischee vom Grafik-Designer mit Zopf und Nickelbrille. Des Weiteren ist es heutzutage schick und angesagt, mit einem Powerbook in einem Szenecafé abzuhängen und dort seine E-Mails zu lesen.

Ungeachtet dessen gab es aber immer auch handfeste Gründe für den Einsatz von Macs, da diese Maschinen technisch oft die Nase vorn hatten: Beispielsweise wussten die oben erwähnten Grafik-Designer – und Multimedia-Freaks aller Schattierungen – um die unschlagbaren Vorzüge dieser Rechner. Zudem war die mitgelieferte Software meistens besser (siehe Photoshop sowie bestimmte Layout- und Musik-Programme). Last but not least war und ist der Mac zu Recht für seine intuitiv zu bedienende Oberfläche berühmt (obwohl Linux enorm aufgeholt hat).

Ein Nachteil: Potenzielle Käufer wurden in der Vergangenheit oft durch hohe Anschaffungskosten abgeschreckt. Mit der Einführung des Mac mini hat sich diese Situation jedoch eindeutig zum Positiven verändert. Ungeachtet all dieser Fakten ist trotzdem nicht alles Gold, was glänzt und selbst Apple-Rechner weisen bei näherem Hinsehen hier und da Mängel beziehungsweise Lücken auf. Insbesondere im Vergleich mit modernen Linux-Plattformen schneiden dieselben längst nicht auf allen Gebieten so vorteilhaft ab, wie man meinen sollte. Doch dazu später mehr.

Historisches
Zum Werdegang von Linux muss im Prinzip nichts mehr gesagt werden, während viele Leser die Mac-Story eventuell nur bruchstückhaft kennen (ganz zu schweigen vom Aufbau). Die Mac-Architektur – die Aussage gilt für Mac OS X – besteht grundsätzlich aus vier Schichten:

  • Aqua (Desktop)
  • Carbon, Cocoa, Java (verschiedene Frameworks)
  • Quartz, OpenGL, QuickTime (Grafik-Subsystem)
  • Darwin (Kernel)

Des Weiteren basiert Mac OS X unter anderem auf dem seinerzeit von Apple aufgekauften NeXTStep. Um daraus nun das hauseigene Betriebssystem – eben Mac OS X – schneller entwickeln zu können, wurde es seinerzeit unter eine quelloffene Lizenz gestellt. Doch selbst die Veröffentlichung unter dieser Lizenz bereitete damals etliche Probleme. Deshalb musste der Kernel schlussendlich sogar vom proprietären Unix-Code gereinigt werden, da die Inhaber sämtlicher Rechte (AT&T) sonst keine Veröffentlichung des Quellcodes gestattet hätten.

Was sich im Großen und Ganzen wie eine einzige Erfolgsgeschichte liest, war bei weitem nicht so einfach zu bewerkstelligen, denn in den Neunzigerjahren hatte man bei Apple erhebliche technische Probleme mit Mac OS 9, dem Vorgänger. Erst nachdem der legendäre Steve Jobs wieder zum Unternehmen zurückkehrte – mit einer neuen Plattform im Gepäck (NeXTStep) – konnten die technischen Mängel endgültig behoben werden und das US-Unternehmen erlebte nach langer Flaute einen zweiten geschäftlichen Frühling (nicht zuletzt dank des iPod). So weit, so gut.

Die aktuelle Mac-Version – kurz Tiger genannt – ist übrigens mit 10.4.7. beziffert. Ebenfalls wichtig: Bis vor kurzem liefen Macs noch mit PowerPC-Prozessoren, mittlerweile wurden schon Maschinen mit Intel-Prozessoren ausgeliefert. Ein handelsübliches Betriebssystem von Apple kostet ca. 129 Euro – also vergleichbar mit einer professionellen Linux-Distribution.

Desktop I
Zuerst fällt nach dem Start logischerweise der Desktop ins Auge. Und die Tatsache, dass man neue Shortcuts für den Mac erlernen muss, soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden. Weiterhin ist die Tastaturbelegung bei Apple-Maschinen anders (falls man eine Tastatur von Apple erwirbt; das Problem kann leicht behoben werden). Dafür bietet der Mac wiederum ein schönes Schmankerl namens Expose: Mithilfe der Funktionstasten F9, F10 und F11 verschafft man sich auf dem Desktop ruckzuck eine Übersicht (Abb.1). Ein vergleichbarer Mechanismus existiert unter Linux bisher nicht.

Doch zurück zum Thema. Sicher ist es Geschmackssache, aber in Sachen Desktop-Gestaltung liegt der Mac ganz weit vorn; dasselbe gilt übrigens für den Vergleich mit Windows XP. Und diese Aussage bezieht sich sowohl auf die Anwenderfreundlichkeit, die Übersichtlichkeit sowie auf das schmucke Design.

Unter Linux beeindruckt wiederum die große – wenngleich teilweise chaotisch angeordnete – Auswahl an Programmen und Fenstermanagern (Gnome, KDE etc.). Doch genau das ist der springende Punkt, weshalb Einsteiger sich häufig von Linux abgeschreckt fühlen: Oft existieren nämlich mehrere Programme für die gleiche Aufgabe und als Anwender ist man nicht selten nach wenigen Klicks verunsichert. Erschwerend kommt hinzu, dass nach wie vor nicht jedes Programm stabil läuft.

Glücklicherweise gibt es im Linux-Lager kluge Leute, die diese Problematik klar erkannt haben. Als besonders vorbildlich muss vor diesem Hintergrund Ubuntu hervorgehoben werden. Ubuntu stellt nämlich nach dem Booten nur die wichtigsten stabilen Programme bereit und verhilft somit zu mehr Durchblick und Übersicht. Des Weiteren steht Linux im Ruf, ein typisches Hackersystem zu sein (bitte nicht mit Cracker verwechseln, denn das sind die wahren Bösewichte). Eben weil es sich herum gesprochen hat, dass unter der Oberfläche die Tücken lauern; und darunter verstehen Linux-Kritiker nun mal die Arbeit mit der Konsole. Das heißt mit anderen Worten, der Anwender kommt früher oder später um den Gebrauch der Konsole nicht herum, was ebenfalls viele Interessenten abschrecken dürfte. All diese Fehler hat man bei Apple erkannt und dem Anwender deshalb ein funktionierendes und einfach zu überschauendes System an die Hand gegeben, das mehr oder weniger „idiotensicher“ (im besten Sinne des Wortes) zu bedienen ist. Und genau aus diesem Grunde ist man mit der schicken Aqua-Oberfläche bestens bedient. Zumal einem auf Anhieb so effiziente Werkzeuge wie Spotlight, Dashboard und Automator das Leben ungemein erleichtern. Es folgt eine kurze Erklärung:

  • Dashboard:
    Es handelt sich um eine Sammlung von Schreibtischprogrammen (Rechner, Kalender, Wetter etc). Diese kann man per Tastendruck auf einmal aufrufen (mit F12; es handelt sich nebenbei um eine hübsche Animation). Unter Linux existieren solche Programme natürlich ebenfalls, allerdings sind sie nicht so übersichtlich angeordnet.
  • Spotlight:
    Damit sucht man bequem nach Inhalten und Metadaten. Über die Indexierung braucht man nicht nachzudenken, das wird hinter den Kulissen automatisch geregelt. Ein Beispiel: Immer wenn eine neue Datei erstellt wird, registriert Spotlight diesen Vorgang und die neue Datei würde sofort in einer Suche berücksichtigt werden. Praktisch! Unter Linux gibt es eine integrierte Suchfunktion; sie ist aber nicht so effektiv.
  • Automator:
    Es handelt sich um eine Art Stapelverarbeitung. Der Vorteil besteht darin, dass man die Konfiguration über komfortable grafische Dialoge vornimmt. Genauer gesagt werden damit stets wiederkehrende Arbeitsabläufe automatisiert. Der Arbeitsablauf, bestehend aus mehreren Teilaufgaben, ist dann per Mausklick jederzeit verfügbar. Etwas Vergleichbares gibt es in dieser Art unter Linux nicht. Mit Perl, Shell oder Python kann man ähnliche Effekte erzielen (allerdings auf der Kommandozeile und mit Programmiererfahrung!).

Fazit: Auch unter Linux existieren teilweise die beschriebenen Mechanismen beziehungsweise Tools in der einen oder anderen Form: Oft ist es jedoch im direkten Vergleich aufwändiger, dieselben zu finden, oder es existieren – wie erwähnt – mehrere Programme für ein- und dieselbe Aufgabe (ein Nachteil des Open-Source-Ansatzes).

Last but not least kommen schließlich die Multimedia-Freaks noch kurz zu ihrem Recht, denn diese haben an einem Mac garantiert ihre helle Freude: Es ist egal, welches Medium (DVD, CD etc.) man in das Laufwerk schiebt: Alles funktioniert auf Anhieb. Das lässt sich so leider von vergleichbaren Linux-Anwendungen nicht sagen, obwohl sich im Laufe der Jahre vieles zum Besseren verändert hat. Insbesondere die zwei Mac-Programme Quicktime und iTunes (ein Musikprogramm, das mittlerweile jeder kennen wird; gibt es auch für Windows) sind stellvertretend hervorzuheben. Und auf Quicktime kann Apple in der Tat stolz sein: Die Anwendung bietet auf einem G5 die Möglichkeit zur HD-Video-Wiedergabe (d.h. Vollbild, 1920x1080 Pixel, 24 Bilder pro Sekunde). Des Weiteren bietet Quicktime 24-Kanal-Surround-Audio sowie transparente Bedienelemente, die den Content überlagern. Überdies wird MPEG-4 vollständig unterstützt.

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Kommentare

Gravatar Name 04.01.2011
um 15:26 Uhr
Es gibt viele Office Programme für den Mac auch schon im Jahre 2006. Es gibt auch Open Office ehem. Star Office heute Libre Office.

Eine neuere Version des Artikels wäre toll ;) Endlich mal objektiv

PS: bei den IDEs fehlt Eclipse welches auf allen Systmen läuft.
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Gravatar Multiuser 08.04.2011
um 13:42 Uhr
Beim Griff zu Linux auf dem Mac besteht u.a. das Problem der Hardwareunterstützung, besonders die der Grafikkarten von ATI und Nvidia. Auch wenn es Treiber von Xorg für die jeweiligen Distributionen gibt, sind sie oft langsam und kommen an die Orginale vom Hersteller nicht ran. Das merkt man spätestens beim Abspielen von Videos.

Da aber Apple seinen Support für die PPC mit 10.5.8 eingestellt hat und der Benutzer zukünftig keine Updates und Patches bekommt, wird sich der Trend Richtung freier OS (Linux, BSDs) verschieben.

Für die Intel-Macs ist das jedoch nicht entscheidend.
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