Desktop II Bunt, elegant und laut ist zwar schön und gut, reicht aber allein nicht für einen leistungsfähigen Desktop aus. Wie sieht es also auf beiden Systemen eigentlich mit einer effizienten Textverarbeitung aus? Hier liegt wieder Linux vorn: An erster Stelle ist natürlich das Flaggschiff OpenOffice (OO) zu nennen. Außerdem stehen auf den mitgelieferten Medien einer modernen Linux-Distribution weitaus mehr Programme zur Verfügung (abiword, koffice wordprocessing etc.). Auch die PDF-Erzeugung funktioniert mit OO ganz wunderbar, obwohl Apple in diesem Bereich – mit einem Programm namens Vorschau – gut mithält.
Unter Mac OS X findet man standardmäßig lediglich MS Word. Wer das nicht möchte, steht mehr oder weniger im Regen. Zwar gibt es mit TextEdit, das ist ein einfacher Editor, eine bescheidene Alternative, aber er kann keinesfalls mit OpenOffice konkurrieren. Falls Sie also eine Apple-eigene Textverarbeitung wünschen, müssen Sie abermals in die Tasche greifen und in ein Programm namens Pages ca. 90 Euro investieren. Abschließend ein Wort zum Thema AppleScript. Es handelt sich um eine einfach zu erlernende Sprache aus dem Hause Apple; die Skripting-Technologie wird übrigens seit 1992 konsequent weiterentwickelt. Somit entfällt jeglicher Installationsaufwand, da die Sprache bereits an Bord ist (nebst fertigen Skripten zum Probieren). Für Neugierige ein simples Codefragment:
repeat 2 timessay "Hi AppleScript"end repeat
Zur Erklärung: Die Sprache liest sich wie normales Englisch und das oben stehende Fragment zeigt dem erfahrenen Entwickler, dass die Lernkurve nicht steil ist. Im Beispiel wird die Zeichenkette („Hi AppleScript“) zweimal akustisch ausgegeben. Solch eine integrierte Sprache gibt es unter Linux nicht. Wobei man mit Perl oder Python meistens zu gleichen Resultaten kommt (eventuell unter Einsatz von Tk/Tkinter).
Shell & Sicherheit
Ganz lässt sich das Thema Konsole nicht umschiffen, da man als angehender Power-User früher oder später selbst unter Mac OS X damit in Berührung kommt. Und das ist gut so, schließlich wird der Aktionsradius des Systems erheblich aufgebohrt! Genau hier hat Linux seine großen Stärken: Es besticht vor allem durch die reichhaltige Auswahl an effektiven Werkzeugen für Programmierer (Editoren, Sprachen, Compiler, Datenbanken etc.). Zwar gibt es beispielsweise eine Mac-Version des Emacs, aber dieser Ableger läuft nicht in jedem Fall stabil. Genauso sieht es beispielsweise mit praktischen Tools wie mc (GNU Midnight Commander) aus. Das Fink-Projekt schafft zwar Abhilfe und die wichtigsten Linux-Tools werden nach und nach portiert. Dennoch, häufig sind die Resultate dieser Bemühungen dürftig und einige Programme befinden sich – unübersehbar – in der Entwicklungsphase.Auch das Schlachtschiff unter den Mac-IDEs, Xcode 2, kann diese Lücke nicht vollständig schließen. Es folgt eine Übersicht über die wichtigsten Editoren für Linux:
- kdevelop3
- Kwrite
- Emacs/XEmacs
- vim
- pico
- Xcode 2
- vim
- TextEdit
- Emacs
- pico
Auf beiden Plattformen findet man zudem die wichtigsten Programmiersprachen unserer Tage:
- Perl
- Ruby
- Python
- C/C++
- Java
- PHP
- Objective C (vornehmlich für Mac)
Kurz ein Wort zur allgemeinen Sicherheit. Bisher war die Virengefahr für Macs gering, obwohl der Entwickler Angelo Laub beim 21. Kongress des CCC (Chaos Computer Club) in Berlin demonstriert hat, dass es möglich ist, Macs erfolgreich auszuhebeln. Allerdings hat Laub das Unternehmen Apple über die Sicherheitslücke informiert. Wie gesagt, glücklicherweise hat sich bisher auf diesem Gebiet nicht viel Schlimmes ereignet. Gleiches gilt im Prinzip für Linux, obwohl der Verwaltungsaufwand (zum Beispiel für Netzwerke) deutlich höher einzustufen ist.
Übrigens gibt es einen wichtigen Unterschied: Beim Mac ist der User root standardmäßig deaktiviert, ein interessantes Konzept, welches eindeutig für mehr Sicherheit sorgt. Bei Bedarf kann der Anwender diesen User aber jederzeit angelegen.
Für Netzwerker
Linux als auch Mac OS X bieten hervorragenden Support für Netzwerke. Hier ähneln sie sich am meisten, die Leistungsmerkmale sind nahezu gleich und die Unterschiede fallen dem normalen Anwender kaum auf. Ob man nun ein analoges Modem oder DSL verwendet, spielt keine Rolle, da auf beiden Systemen für die Netzwerk-Administration grafische Dialoge bereitstehen, die in der Tat leicht zu bedienen sind. Überdies findet man die meisten gängigen Unix-Kommandozeilen-Tools selbstredend auf beiden Betriebssystemen – als da wären netstat, ping, ftp/ssh, traceroute, ifconfig etc.Zuletzt eine Auflistung der wichtigsten Dienste/Programme unter Mac OS X, um den Netzwerkverkehr erfolgreich zu meistern (die meisten der unten genannten Features sind längst Bestandteil von Linux):
- NTLMv2, SMB-Authentifizierung: Damit gehören Verbindungsprobleme mit SMB-Dateiservern der Vergangenheit an.
- Airport: eine Schnittstelle für die Konfiguration drahtloser Netzwerke
- Kerberos-VPN-Support: ermöglicht die bessere Authentifizierung für Einzelverbindungen im VPN-Netz
- VPN: Es ist jetzt möglich, mit dem Server verbunden zu bleiben, auch wenn ein Benutzerwechsel vorgenommen wird.
- WebDAV: Der Zugriff erfolgt hier über Kerberos und https.
Zu den Browsern: Unter Linux finden Sie von Hause aus eine stattliche Auswahl an Web-Browsern (Firefox, Mozilla, Konqueror etc.), welche sich allesamt bewährt haben. Unter Mac OS X kann man hingegen mit dem ausgereiften Standard-Browser Safari (mit RSS) arbeiten, wobei es eine Mac-Portierung von Firefox gibt (gilt auch für den Mail-Client Thunderbird).
Abschließend kommen die integrierten Firewalls an die Reihe: Auf beiden Systemen stehen grafische Dialoge für die Einrichtung und Verwaltung der Firewalls bereit. Die Bedienung ist quasi – von feinen Unterschieden abgesehen – fast identisch. So erreichen Sie die SuSE-Firewall über YaST; im Falle der SuSE-Firewall handelt es sich übrigens um einen zustandsorientierten Paketfilter mit iptables/netfilter.
Die Mac-OS-X-Firewall wurde indes um einen UDP-Filter und einen wirksamen Tarnmodus ergänzt (sie reagiert dann nicht auf ping-Anfragen). Natürlich lässt sich die Mac-Firewall auch auf der Kommandozeile konfigurieren: Dort wird das Programm mit ipfw aufgerufen. Aufgepasst: Wenn man auf der Konsole die Einstellungen ändert, werden die alten Einstellungen, die über die grafische Schnittstelle vorgenommen wurden, hinfällig.
Fazit
Die Wahl der „richtigen“ Plattform hängt gewiss von den Wünschen des Anwenders ab. Ein Mac ist beispielsweise ideal für Computer-Einsteiger, denn der Desktop ist intuitiv aufgebaut, schön anzusehen und obendrein leicht bedienbar. Wichtig ist vor allem: In der Regel kommt man als Ottonormalverbraucher mit der Konsole kaum in Berührung. Und für Multimedia ist der Mac sowieso erste Wahl (obwohl die Unterschiede zu anderen Plattformen nicht mehr so gravierend sind). Wer also ein robustes und vor allem ein sicheres System – Stichwort Viren & Co. – für die Erledigung typischer Aufgaben wie E-Mail, Textverarbeitung und Multimedia (Grafik, Video etc.) sucht, ist mit einer Apple-Maschine insgesamt gut bedient.Aus Sicht des Autors eignet sich wiederum Linux besser für Entwickler und Administratoren, da von Hause aus mehr Werkzeuge zur Verfügung stehen. Auch wenn der Mac über viele leistungsfähige Bordmittel verfügt, unter Linux findet man als Entwickler einfach mehr (mehr IDEs, mehr Editoren, mehr Tools). Zudem bietet Linux mit OpenOffice eine leistungsstarke Textverarbeitung.









