Portal [„Vorhalle“] das; -s, -e: 1. [prunkvolles] Tor, Pforte, großer Eingang.
2. ... (aus „Der Duden in 10 Bänden: 5. Das Fremdwörterbuch“)
von Stefan Zörner
In der IT-Landschaft existiert keine einheitliche Definition für den Begriff „Portal“. Mal wird ein Webauftritt bzw. eine Webapplikation besonderer Form, mal eine Softwarelösung zur Realisierung einer eben solchen als Portal(-server) bezeichnet. In der Portlet-Spezifikation ist das nicht so. Konzeptionelle Dinge werden in der Spezifikation ausgeblendet (Technik pur).
Was ist ein Portal?
Gerade im deutschsprachigen Raum führen viele Internet-Auftritte den Begriff„Portal“ im Namen, wenn Inhalte und Funktionalität von verschiedenen Anbietern oder Quellen zusammengeführt werden, um als Einstiegspunkt („Tor zum Web“) zu dienen (Beispiele: „Theaterportal“, „Handwerksportal“, …). Das hat auch damit zu tun, dass der Begriff in der Deutschen Sprache positiv belegt ist (siehe Definition aus dem Duden). Rein optisch teilen sich in einem Portal in der Regel unterschiedliche Inhalte und Anwendungen den Raum einer Webseite; Abbildung 1 zeigt als Beispiel die Startseite des Internetportals Yahoo.
Im Folgenden soll unter einem Portal eine Webapplikation verstanden werden,
die Anwendern als Einstiegspunkt für etwas dient und zu diesem Zweck verschiedene
Inhalte und (Funktions-)Bausteine zusammenfasst (aggregiert). Dieses „etwas“ kann z.B. das eigene Unternehmen sein (Stichwort Mitarbeiterportal),
ein bestimmtes Thema (z.B. eine Stadt, exemplarisch seien die
Internetauftritte von Großstädten wie Hamburg oder München genannt) oder
auch der eigene Arbeitsplatz.
In Portalprojekten wird in der Regel großes Augenmerk auf die Anforderungsanalyse und konzeptionelle Dinge gelegt. Zu Recht – gerade Portalvorhaben sind oft daran gescheitert, dass die Erwartungen des Auftraggebers nicht verstanden und entsprechend enttäuscht wurden. Da es hier aber um die Entwicklung von Portalkomponenten geht, wird auf die verschiedenen Spielarten von Portalen und die Konzeption derselben nicht im Detail eingegangen. Auf Folien von Beratern haben Sie vielleicht schon raffinierte Abkürzungen wie B2E (Business to Employee), B2C (… Customer) u.Ä. gesehen. Anforderungen aus bestimmten Themenfeldern muss jedoch jedes Portal abdecken – zumindest zu einem gewissen Grad. Die Realisierung von Funktionalität aus diesen Bereichen kommt daher sicherlich auf Sie zu, und Portalsoftware und auch die Portlet-Spezifikation unterstützen Sie dabei. Abbildung 2 stellt diese zentralen Themen in Form einer Mindmap dar, die im Folgenden erläutert werden sollen.
Ein Portal kümmert sich insbesondere um die Präsentation der eingebetteten Inhalte. Portalprojekte sind häufig ein Mittel, einheitliche Standards für webbasierte Applikationen innerhalb eines Unternehmens zu etablieren. Entsprechend spielen Frontendthemen eine große Rolle. Manchmal sind unterschiedliche Endgeräte (neben dem Webbrowser z.B. Mobiltelefone) für den Zugriff zu unterstützen. Anforderungen aus dem Bereich Internationalisierung sind dagegen die Regel. Gerade im öffentlichen Bereich, aber nicht nur dort, nimmt zusätzlich die Bedeutung der Barrierefreiheit zu. Barrierefreiheit beschäftigt sich mit dem Zugang für Anwender mit Einschränkungen, z.B. sehbehinderten Menschen. Gerade hier verdichten sich Anforderungen aus den Bereichen Personalisierung und Präsentation zu dem generellen Wunsch, ein auf den Benutzer optimal zugeschnittenes Angebot zu schaffen.
Zu einem komfortablen Portalerlebnis gehört auch die für Anwender oft selbstverständliche Anforderung, sich nur einmal an der Portalanwendung anmelden zu müssen. Anschließend sollen alle eingebetteten Anwendungen, auf die der Benutzer Zugriff hat, ohne weitere Authentifizierung zur Verfügung stehen („Single Sign-on“). Bestehende Verzeichnisse sollen als Benutzerdatenbasis herangezogen und verschiedene Legacy-Anwendungen unter einer einheitlichen Sicherheitsarchitektur integriert werden. Kurz: In den allermeisten Portalprojekten ist dem Thema Sicherheit besondere Aufmerksamkeit zu schenken.
Portalkomponenten in Java
Grundsätzlich ist es möglich, ein Portal mit recht rudimentären Mitteln aufzubauen. In der Java-Welt wären dies etwa Servlets und JSP-Seiten, etwas komfortabler ginge es mit Webapplikations-Frameworks wie JavaServer Faces oder Struts. Damit nicht für jedes Portal das Rad neu erfunden werden muss, sind jedoch speziellere Lösungen entstanden, die bei der Portalimplementierung weitaus mehr unterstützen als allgemein verwendbare Frameworks.Bereitgestellt werden diese im Java-Umfeld z.B. als Java EE-konforme (Web-)applikationen, die dann auf entsprechenden Applikationsservern betrieben werden können. Alternativ treten Serverprodukte auf, die an einen bestimmten Applikationsserver gebunden sind. In jedem Fall steht nach einer Basisinstallation bereits ein mehr oder weniger vollständiges Portal zur Verfügung. Es muss in der Regel noch an die eigenen Wünsche und Bedürfnisse angepasst werden, z.B. bezüglich des Designs („Corporate Identity“). Dies kann über Administrationswerkzeuge des Portals erfolgen, deklarativ über Konfigurationsdateien, oder ggf. auch programmatisch durch Individualentwicklung.
Ein wesentlicher Aspekt einer solchen Anpassung ist die Integration von Inhalten und Anwendungen. Portale müssen daher stets einen Rahmen bieten, um neue Funktionsbausteine entwickeln zu können, und um diese (oder bestehende Bausteine von Drittanbietern) innerhalb des Portals in Betrieb nehmen zu können. Portlets sind derartige Softwarekomponenten. Sie stellen ihre Funktionalität dadurch bereit, dass sie in Portallösungen eingebunden werden. Entsprechend ist ihre Oberfläche keine vollständige Webseite, sondern sie wird als (Markup-)Fragment geliefert. Der Begriff „Portlet“ ist lange vor der Java Portlet Specification entstanden. Trotz der offensichtlichen Anlehnung an andere Javatechnologien (Applet, Servlet, …) wird er auch von Anbietern von Portalsoftware verwendet, die nicht auf Java setzen.
Aus Oberflächensicht werden Portlets auf Portalseiten platziert, oft initial durch einen Administrator. Das Portal erzeugt bei einer Seitenanfrage aus den Fragmenten der einzelnen Portlets den Markup-Quelltext für die Gesamtseite (Aggregation). Das Portal dekoriert die Fragmente oft mit Rahmen und Bedienelementen (siehe Abbildung 3) und reagiert auf Ereignisse, die diese Bedienelemente betreffen. In der Regel erlaubt es ein Portal dem Benutzer, zwischen verschiedenen Portalseiten zu navigieren, beliebt sind dabei Karteireiter als Visualisierung. Wenn eine Seite für alle Benutzer angelegt wurde, und diese sich auch nicht anmelden brauchen, so werden sich die Inhalte für jeden Benutzer gleich darstellen. Denkbar ist dies zum Beispiel für die Startseite eines Portals. Hat der Benutzer sich authentifiziert, kann er oftmals einzelne Portlets an seine individuellen Wünsche anpassen und die Inhalte auf diese Weise personalisieren. Unter Umständen kann er auch weitere Portlets auf einer Seite hinzufügen oder sich individuelle Seiten komplett neu zusammenstellen. Denkbar sind auch Seiten, die für eine bestimmte Gruppe von Benutzern zusammengestellt werden, etwa für Mitarbeiter in einer bestimmten Rolle. Die Auswahl der Funktionsbausteine orientiert sich dann an einer konkreten Aufgabe, die von diesen Personen erledigt werden soll.
Unter Umständen muss eine Portalkomponente auch vom Administrator konfiguriert werden, bevor sie von Benutzern auf ihren Seiten verwendet werden kann. Falls ein Portlet beispielsweise für seine Funktionalität die Anbindung an ein Hintergrundsystem benötigt, stellt der Administrator die Verbindungsdaten bereit. Ebenso wie individuelle Konfigurationen sind derartige globale Einstellungen vom Portal in irgendeiner Weise zu verwalten und auch zu persistieren.
Ein Portal ist also im Grunde nichts anderes als ein Lebensraum für Portlets. Die Attraktivität des Portals hängt neben dem eigenen Bedienkomfort vorrangig davon ab, ob es interessante Inhalte und Applikationen bereitstellt.










