Zuerst fällt die neue Oberfläche ins Auge. Die Funktionen der Werkzeugleiste belegen platzsparend nur noch eine Spalte, sie lassen sich jedoch wahlweise auch wieder auf zwei Spalten verteilen. Palettengruppen fasst Photoshop in Bereichen zusammen, die automatisch am rechten oder linken Programmrand andocken. Wird eine Palette vergrößert, verkleinert sich automatisch die oben oder unten angrenzende Palette – das begrenzt den typischen Verhau, der sonst schnell bei Photoshop entsteht. Die Paletten lassen sich bis auf Icons zusammenklappen. Wer will, verteilt jedoch weiterhin jede Palette einzeln über den Schirm.
Zwei Verbesserungen wirken besonders interessant. Wie üblich verschwinden die Paletten per Tabulatur-Taste. Sobald man jedoch die Maus über den Rand des Programmfensters hält, tauchen die Paletten wieder auf – solange, bis man wieder im Bild selbst arbeitet. Und: Photoshop ordnet die Bilddatei jetzt automatisch passend zur Ausdehnung der Paletten an. Das häufige Umarrangieren des Photoshop-Fensters gehört damit endlich der Vergangenheit an. Für den Mac gilt zudem: Wer auf die Photoshop-Arbeitsfläche klickt, landet nicht mehr im Finder, der Fokus bleibt vielmehr auf Photoshop CS3.
Auch sonst geht es flotter zu, der umgebaute Druckdialog zeigt mehr Optionen und verlangt so weniger Klicks als zuvor. Die Zahl der Kopien lässt sich steuern, außerdem meldet das Programm die Druckaufl ösung passend zur gewählten Druckgröße.
Zerstörungsfreie Filter
Darauf haben die Anwender lange gewartet: Scharfzeichner, Weichzeichner und beliebige andere Filter lassen sich jetzt als Smart Filter auf ein Bild anwenden, ohne dass es sich dadurch dauerhaft verändert. Für diese Funktion musste man bisher auf Corel PhotoPaint oder Adobe After Effects ausweichen.Bei Photoshop CS3 verwandelt der Gestalter sein Bild zunächst in ein Smart Objekt. Diese Technik aus Photoshop CS2 sichert im Hintergrund eine Kopie des Originalfotos, auf die man auch nach vielen Verfremdungen noch zurückgreifen kann. Danach werden alle Filter automatisch zu korrigierbaren Smart Filtern. Man kann die Filterwirkung jederzeit ändern, abstellen, per Deckkraft dämpfen oder mit Füllmethoden variieren. Die Reihenfolge der Smart Filter lässt sich in der Ebenenpalette verschieben, wie es schon aus der Filtergalerie bekannt ist.
Alle Filter gemeinsam erhalten eine Ebenenmaske, die Filterwirkung lässt sich damit auf einzelne Bildregionen beschränken. Die Technik eignet sich für sämtliche Befehle aus dem Filtermenü und für die Befehle Schatten/Lichter und Variationen zur Kontrast- und Farbkorrektur. Letztlich unterscheiden sich die Smart Filter in der Anwendung kaum von den bekannten Einstellungsebenen.
Neue Auswahltechnik
Eine gute Figur macht auch das neue Schnellauswahlwerkzeug. Man malt grob über die gewünschten Bildbereiche, Photoshop CS3 umgibt sie dann mit einer verblüffend präzisen Auswahllinie. Eine "Toleranz" lässt sich hier gar nicht erst steuern, es gibt nur einen Regler für den Werkzeugdurchmesser – wer in engsten Bildzonen arbeitet, senkt die auf 30 Pixel voreingestellte Größe deutlich ab. Für glattere Kanten wählt man gleich die automatische Verbesserung mit an, auch wenn das mehr Rechenzeit kostet. Eventuell ist immer noch eine Nacharbeit mit Zauberstab, Lasso oder per Maskenretusche nötig.Willkommen ist auch das neue Dialogfeld zum Verfeinern von Auswahlkanten. Es steht mit beliebigen Auswahlwerkzeugen zur Verfügung. Hier lassen sich Auswahlumrisse glätten, aufweichen, nachhärten, verkleinern und vergrößern. Die Live-Vorschau im Originalbild zeigt den ausgewählten Bildbereich dabei nach Wunsch vor schwarzem oder weißem Hintergrund, die Befehle aus dem Auswahl-Menü haben damit ausgedient. Nach dem Klick auf OK produziert Photoshop CS3 eine übliche Auswahllinie. Allerdings: Eine weiche Auswahlkante als abschaltbare Ebeneneigenschaft gibt es immer noch nicht.
Automatisch überblenden
Oft sollen Teile von zwei Ebenen wirklich exakt deckungsgleich erscheinen. Das gilt zum Beispiel, wenn unterschiedlich belichtete Fotos zu einem HDR-Gesamtbild gemischt werden. Auch Portraitfotografen nutzen die Montagetechnik, wenn mehrere Leute vor identischem Hintergrund aufgenommen wurden und kombiniert werden sollen. Doch bei Fotos aus der Hand oder wenn Wind im Spiel ist, werden die Einzelbilder nicht perfekt deckungsgleich. Dann muss man aufwändig mit Klonwerkzeugen oder Masken nacharbeiten.Diese Zeiten sind vorbei. In Photoshop CS3 legt man zwei oder mehr Bilder als Ebenen übereinander. Der Befehl Automatisch ausrichten dehnt und staucht dann alle Ebenen, bis sie perfekt deckungsgleich wirken. Ein zweiter Befehl passt unterschiedliche Farbstimmungen und Helligkeiten an – auch das mit exzellenten Ergebnissen.
Diese Talente flossen auch in den völlig umgekrempelten Panorama-Dialog ein. Photoshop CS3 biegt sich nun selbst Bilder zurecht, deren Konturen und Helligkeiten zunächst kaum harmonieren. Das Programm produziert anschließend eine Panorama-Montage, bei der jedes Segment eine Ebenenmaske enthält – Fehler bei der Überblendung lassen sich also in den Masken immer noch korrigieren.
Mehr Tonwertkontrolle
Auch bei der Kontrastkorrektur sattelte Adobe auf. Die Gradationskurve präsentiert erstmals ein Histogramm direkt im Dialogfeld, dazu kommen die aus der Tonwertkorrektur bekannten Dreiecksregler zur Ausdehnung des Tonwertumfangs. Zudem zeigt das Diagramm die Graphen für Masterkanal und drei oder vier Grundfarben gleichzeitig an. Allerdings kann man nur an jeweils einer Kurve arbeiten, ohne das Kanal-Klappmenü umzustellen.Ein neuer Befehl unterstützt beim Abmischen starker Graustufenbilder. Die Funktion ähnelt zunächst dem Kanalmixer. Sie bietet jedoch nicht nur Regler für Rot, Grün und Blau, sondern berücksichtigt auch Cyan, Magenta und Gelb und wirkt insgesamt eingängiger. Zusätzlich lassen sich Bilder hier tonen. Diesen Schwarzweißbefehl gibt es auch als abschaltbare Einstellungsebene, er lässt sich also verlustfrei über ein Farbbild legen und speichern.
Dem meist zu aggressiven Befehl Helligkeit/Kontrast haben die Programmierer die Zähne gezogen. Die Funktion verändert jetzt nur noch die Mitteltöne, sorgt also nicht mehr so schnell für ausgefressene Lichter und abgesumpfte Schatten. Nur mit der Option alte Funktionsweise verändert Helligkeit/Kontrast das Bild noch so drastisch wie bisher.
Das Speichern von Voreinstellungen erleichterte Adobe auch: Zumindest einige Korrekturbefehle bieten in der Betaversion beliebige eigene Vorgaben direkt über ein Klappmenü an. Das umständliche "Laden" und Suchen in Unterverzeichnissen hat damit ein Ende.
Vielseitiges Klonen
Erstmals erscheint beim Klonen eine blasse Vorschau noch vor der endgültigen Anwendung. Die neue Klonpalette wertet alle Klonfunktionen wie Reparaturpinsel oder Stempel deutlich auf. Hier lassen sich mehrere Klonquellen definieren, außerdem kann man die Klonquellen vergrößern, verkleinern und drehen.Außerdem berücksichtigt Photoshop Einstellungsebenen beim Klonen jetzt besser: Bisher hat das Klonergebnis immer die Pixel so gezeigt, wie sie samt Einwirkung einer Einstellungsebene ausgesehen haben. Damit dupliziert das Werkzeug jedoch nicht die Originaltonwerte – eine vorhandene Einstellungsebene zeigt folglich Original- und überdeckten Bereich unterschiedlich an. Um den Effekt zu vermeiden, musste man die Einstellungsebene vorübergehend abschalten.
Einstellungsebenen lassen sich nun beim Klonen wahlweise ignorieren. Dann übertragen Stempel und Co. tatsächlich die Originalpixel, wie sie ohne darüberliegende Einstellungsebene aussehen – die Einstellungsebene kann dabei aktiv bleiben. Und während Stempel und Co. schon immer entweder nur eine oder alle Ebenen berücksichtigten, bietet Photoshop jetzt auch exakt nur die aktuelle und die darunterliegende Ebene als Kopierursprung an.
Ebenfalls vielseitiger zeigt sich der Fluchtpunkt-Filter. Diese Funktion projiziert Grafiken auf perspektivisch verzerrte Hintergründe, zum Beispiel auf schräg fotografierte Wände oder Produkte. In CS3 blendet der Fluchtpunkt-Filter die neue Grafik erstmals auf mehrere Flächen gleichzeitig – zum Beispiel auf zwei Wände einer Wohnung oder auf die verschiedenen Seiten eines Kartons. Die verschiedenen Ebenen müssen dabei nicht im 90-Grad-Winkeln aneinanderstoßen: Auch die beliebig aufgeklappten Deckel einer DVDHülle überzieht der Fluchtpunktfilter mit neuen Pixeln.
Schnellere Bildverwaltung
Die Bilddatenbank Bridge CS3 gehört mit zu Photoshop, sie erschien kurz vor Redaktionsschluss in einer öffentlichen Beta 2. Der Bilddatenbank Bridge haben die Programmierer Beine gemacht – das Programm liest Miniaturen viel schneller ein. Bridge kommt zudem im neuen, schwarzen Look daher, der stark an die separat verkaufte Bilddatenbank Lightroom erinnert. Die Farben lassen sich jedoch umstellen. Die Paletten kann man jetzt frei auf beide Ränder des Programmfensters verteilen. Bei Bedarf tauchen die Paletten nur auf, wenn man den Mauszeiger an den linken oder rechten Programmrand bewegt.Wichtigste Neuheit: die Filter-Palette. Sie sorgt dafür, dass nur Bilder mit bestimmten Kriterien auf der Arbeitsfläche erscheinen: Zum Beispiel nur Raw-Dateien oder nur Fotos mit bestimmten Stichwörtern oder Wertungen. Die Vorgaben lassen sich auch kombinieren. So zeigt Bridge etwa nur Querformate an, die nach 2007 entstanden. Mit der Filter-Palette hat man zudem schnelleren Zugriff auf die Sortierkriterien, aktuelle Vorgaben wie nach Datum oder nach Dateiname lassen sich auf einen Blick ablesen.
Auch bei der Einzelbildansicht hat sich etwas getan: Man kann mehrere Bilder zum Vergleich nebeneinander stellen und auch in Gruppen zusammenfassen. Dann erscheint nur noch ein Einzelbild als Platzhalter für die komplette Serie. Einen durchlaufenden Vergleich wie Photoshop Elements bietet Bridge indes nicht.
Bridge blendet auf Wunsch eine neue 100-Prozent-Lupe ein, mit der sich die Bildqualität in Einzelzonen detailliert prüfen lässt. Allerdings springt die Lupe nicht automatisch zu Hochkontrastregionen, man muss sie von Hand in eine aussagekräftige Bildzone bewegen.
Die Präsentation aus Bridge heraus wurde zudem lebendiger: In der Bilderschau kann man zoomen, sodass sich der Vorführmodus auch besser zum Sichten neuer Aufnahmen eignet. Erstmals bietet Bridge auch ein paar Überblendeffekte an, das Überblendtempo lässt sich steuern.
Zu Bridge CS3 gehört auch ein automatischer Photo-Downloader. Sobald eine Kamera oder Speicherkarte angeschlossen wird, springt das Dialogfeld an. Der Service lässt sich aber auch bequem abstellen. Der Photo-Downloader sorgt wahlweise für Umbenennung und Unterordner. Außerdem wendet die Funktion Metadatensätze an und wandelt Raw-Dateien ins universelle DNG-Format um.
Raw-Umwandlung mit Komfort
Der Dialog für Raw-Dateien (ACR 4.0) wandelt sich immer mehr zum Programm im Programm. Wichtigstes Indiz: Der Raw-Dialog verarbeitet jetzt auch JPEGund TIFF-Dateien, sodass verschiedene Dateitypen durch eine einheitliche Stapelverarbeitung laufen. Viele Funktionen erinnern zunächst an Photoshop, setzen dann aber doch eigene Akzente.Die Tonwertkorrekturen wurden mit zusätzlichen Registern weit ausgebaut. So gibt es neue Regler zum Aufhellen starker Unterbelichtungen wie auch zum leichten Abdunkeln von Spitzlichtern. Sie erinnern zunächst deutlich an den Schatten/Lichter-Befehl, erzeugen aber in der Praxis weniger Störungen. Besonders übersichtlich testet man die Funktion, wenn man gleichzeitig die Alarmfarben für ausgefressene oder auf Schwarz abgesackte Bildpartien zuschaltet.
Interessant auch ein modifizierter Sättigungsbefehl: Er bearbeitet nicht den gesamten Farbkreis, sondern nur die Farben, die zuvor wenig Sättigung gezeigt haben. So vermeidet man krasse Überzeichnungen, ohne erst einen Farbbereich auszuwählen.
Die Gradationskurve lässt sich jetzt auch über vier Schieberegler steuern. Eine Tonwerterweiterung samt Histogrammanzeige haben die Programmierer gleich mit eingebaut. Farbton, Sättigung und Helligkeit lassen sich für acht getrennte Farbbereiche steuern. Interessant dabei: Die Farben sind nicht gleichmäßig über das Spektrum verteilt. Stattdessen gibt es mit Rot, Orange und Gelb einen Schwerpunkt von Farben, die für Portraits entscheidend sind. Grün, Aqua und Blau fallen bei Landschaftsaufnahmen ins Gewicht. Wahlweise gibt man hier auch gleich eine Graustufenumwandlung vor, die sich mit den acht Farbreglern sauber steuern lässt, alternativ schlägt Photoshop sogar automatisch eine Graustufenversion vor. Das Farbraum-Menü bietet dann die neuen Farbmodelle Gray Gamma 2.2 und Gray Gamma 1.8 an.
Aus Lightroom kennt man bereits das Split-Toning, im Raw-Dialog lässt es sich jedoch besser nutzen: Helle und dunkle Bildpartien werden mit unterschiedlichen Vorgaben für Farbton und Sättigung eingefärbt, um Duoton-Effekte zu erzielen.
Wichtig bei so viel Einstellmöglichkeiten: In einem weiteren neuen Register speichert der Raw-Dialog erstmals eigene Voreinstellungen. Dabei werden nach Wunsch einzelne Reglerstellungen nicht mit erfasst – diese Auswahlmöglichkeit kennt man schon von der Weitergabe einer Korrektureinstellung in der Stapelverarbeitung.
Online-Design
Relativ wenig hat sich für Online-Designer getan, und das aufs Web spezialisierte, separate Programm ImageReady taucht in der öffentlichen Betaversion gar nicht auf. Das mag damit zusammenhängen, dass Adobe nach der Übernahme von Macromedia nun zahlreiche spezialisierte Programme für Online-Gestaltung anbieten kann, darunter Fireworks, Flash und Dreamweaver.Neu für die WWW-Community ist jedoch der Zoomify-Befehl: Er bereitet größere Fotodateien so auf, dass sie auf Internetseiten zunächst klein erscheinen – innerhalb eines feststehenden Fensters kann sich der Betrachter dann in Details hineinzoomen, die jederzeit scharf erscheinen. Die Darstellung erscheint wahlweise mit oder ohne Steuerleiste, auf Wunsch sieht man zusätzlich eine kleine Gesamtansicht des Bildes. Der Betrachter muss Flash zulassen, bekommt aber je nach Browsereinstellung immer noch Sicherheitswarnungen. Die Zoomify-Funktion gibt es in ähnlicher Ausführung seit Jahren auch als kostenloses Einzelprogramm unter zoomify.com.
Die neue Gerätezentrale basiert auf Profi len von Handys und Handheld-Geräten, die per Internet aktuell gehalten werden sollen. Die Profile speichern unter anderem Pixelmaße und Farbtiefe des Monitors oder die Flashtauglichkeit des Geräts. Hier lassen sich Hintergrundbilder, Filme und Bildschirmschoner entwickeln und simulieren. Die Vorschau blendet wahlweise sogar Reflektionen vom Umgebungslicht ein.
Der Verlust von ImageReady – sofern das Programm tatsächlich verschwindet – scheint zunächst keinen großen Verlust zu bedeuten. Schließlich hatte Photoshop viele Funktionen von Bridge übernommen. Allerdings hatte auch ImageReady ein paar exklusive Talente, die zumindest in der öffentlichen Beta unter den Tisch fallen: Dazu gehört die Vierfach-Live-Vorschau für geänderte Bilder in verschiedenen Qualitätsstufen bei laufender Arbeit.




