Eines gleich vorne weg, ich bin total voreingenommen. Was Sie hier zu lesen bekommen, ist weit davon entfernt, objektiv zu sein. Ja, ok, Objektivität gibt es sowieso nicht, aber lassen wir mal diese philosophischen Spielchen beiseite.
Die Toca Me ist, vor einigen Jahren hätte man gesagt "todgeil" oder "endgeil", mein Vater hätte in seiner Jugend gesagt "stark" und mein Chef – heute noch – "knorke". Es muss einfach mal raus: "Chef, das geht gar nicht!" Was würde man heute sagen? "Fett" oder was ist der Superlativ von fett? Wer es weiß, bitte hier melden.
Weiß + Schwarz = Toca Me
Zurück zum Geschehen. Toca Me in der Münchner Reithalle. 1894 wurde die Exerzierhalle des Königlich-Bayerischen Regiments "Kronprinz" erbaut, 1994 renoviert und dient seitdem als Veranstaltungsort. Für die Toca Me wurde die Halle in mehrere Abschnitte eingeteilt: Registrierung, Lounge und Auditorium. Alles voneinander getrennt mittels riesiger schwarzer Stoffbahnen. Darauf abgestimmt, Sitzmöbel oder vielmehr Designklassiker von Ron Arad und Philippe Starck in strahlendem Weiß. An der Holzdecke Stahlgestänge, die die Technik tragen. Backstein meets Holz meets Stahl meets PVC.
Mein Art Director, der mich auf die Veranstaltung begleitet hat, meinte gerade, heute sagt man "Geiler Scheiß". Damit kommentiert er den Trailer, den Dvein für die Konferenz gestaltet haben. Im Prinzip steht das Fazit der Veranstaltung somit schon vor der ersten Session fest. Die Erwartungen sind hoch, mal sehen, ob die Vorträge halten, was der Opener verspricht. Ziemlich schnell geht es zur Sache, nach einem kurzen Willkommensgruß der Veranstalter Nina Schmid, Thorsten und Ronald Iberl legt Dvein, drei junge Spanier, vielleicht Anfang 20, mit der ersten Session los.
Ovationen für den Opener
Carlos Pardo Ros, Fernando Dominguez und Timoteo Guillem wollten für ihre Arbeit am Konferenz-Trailer weg vom Rechner. Experimentiert wurde mit allerlei Materialien. Entschieden haben sie sich letztendlich für einen styroporartigen Werkstoff. Daraus wurden die Initialen der Veranstaltung sowie der Speaker geschnitzt und anschließend die verschnörkelten Gebilde weiß und schwarz lackiert. Um sie dann abzufackeln, zu schmelzen oder auf sonst irgendeine Art zu erhitzen. Der Effekt: Plastik verzieht sich beim Erhitzen, krümmt sich zusammen, wehrt sich, bildet groteske Formen, die Farben tropfen herunter, fließen, vermischen sich. Lässt man das Ganze dann rückwärts ablaufen, entsteht aus einer schwarz-weißen Farblache auf beeindruckend merkwürdige Weise ein wunderschönes Gebilde.
Den Opener fanden nicht nur die spanischen Nachwuchsdesigner gelungen – stolz auf die Arbeit können sie zu Recht sein – auch das Publikum hat den Spot gefeiert. Insgesamt dreimal läuft das Ding im Rahmen der Veranstaltung und jedes Mal gibt es eine Menge Applaus.
Was hatte Dvein noch zu bieten? Ihre Arbeit für eine Modenschau von Diesel. Die Models sollten nicht nur real über den Laufsteg laufen, sie sollten auch über dem Laufsteg schweben – eine Art Time Travel under Waterworld Space Odessy. Einige Models wurden vor der Show in voller Montur in ein Schwimmbecken geworfen und ihre Bewegungen unter Wasser gefilmt. Die Aufnahmen wurden dann über dem Laufsteg projiziert. "Fun, it was fun", so der lapidare Kommentar eines Spaniers zu der beeindruckenden Arbeit.




