Mittwoch, 23. Mai 2012


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März 2008 | Artikel

TOCA ME. TOCA ME. TOCA ME. Fortsetzung, Teil 2

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Beeindruckend ging es weiter, mit Erik Natzke. Der Interactive Designer, der mit seinen Arbeiten fortwährend die Grenzen zwischen Design und Technologie aufhebt, wurde vor kurzem vom "how magazine" zu einem der zehn wichtigsten jungen Designer gewählt. Passend zur Gestaltung der Location hat Natzke eine Arbeit mit dem Titel Black & White gezeigt. Weiße Linien, schwarze Linien, werden zu Quadraten, zu Dreiecken, verwandeln sich wieder und wieder. Schneller, schneller. Kreise. Quadrate. Linien. Plötzlich Flugzeuge. Schneller, noch schneller. Wieder Quadrate. Ende.

Wie kommt man auf solche Ideen, wie macht man so etwas. "Pioneering my own way", steckt hinter den Ideen von Natzke. Die Tools, die er nutzt, sind nur Mittel zum Zweck und werden zweckentfremdet. Es geht ihm nicht darum was das Tool kann, sondern was er mit dem Tool machen kann. Flash ist sein Sketchbook und Director sein Werkzeug. Natzke hat einen Blick in seine Arbeits-, in seine Gedankenwelt gestattet. Gezeigt, wie er arbeitet und dass seine Freundin kein "Arschloch" zum Freund hat. Ein wenig zerstreut, hat der gute Natzke vergessen, am Valentinstag zumindest eine Rose oder Schokolade zu kaufen. Während die Mehrheit sich wohl eine Ausrede dümmer als die andere ausdenken würde oder Andere auf dem Weg nach Hause schnell noch die nächste Tanke ansteuern würden, setzt sich Natzke hin und bastelt aus einem einfachen Foto seiner Freundin eine Valentinskarte, die sich aus tausenden von Farbsplittern zusammensetzt. Was Natzke damit der Männerwelt antut, darüber schweigen wir lieber an dieser Stelle.

CREATE OR DIE > Toca Me > Natzke
Der kreative Prozess beginnt mit einem leeren Blatt Papier

Rufus Deuchler was next. Der Adobe Senior Creative Solutions Evangelist hat die schwierige Aufgabe, den Hauptsponsor der Veranstaltung zu vertreten. Es gilt einen Spagat zu schaffen zwischen Kunst auf der einen und Marketing auf der anderen Seite. Ein Wagnis, das ihm vielleicht nicht ganz gelingt, sein Vortrag hat dennoch Charme. Rufus erinnert alle daran, was am Anfang eines kreativen Prozesses steht: das leere Blatt Papier. Was lässt sich alles damit machen? Beispielsweise ein PDF voll mit interaktiven Inhalten: Bilder, Buttons und Movieclips. Das Ganze in den schillerndsten Farben.

CREATE OR DIE > Toca Me > Deuchler

Anschließend betritt der Lokalmatador die Bühne: Mario Klingemann, der dauergrinsende "Glöckner von Notre-Dame" ohne Buckel, dafür mit dicker schwarzer Hornbrille ausgestattet. Ein Künstler, wie man sich ihn vorstellt. Obwohl Künstler an sich ein Begriff ist, der Mario nicht wirklich behagt, er bezeichnet sich selbst vielmehr als Computational Artisan, der eine Schwäche für Pixel hat.

Gezeigt hat er gleich eine ganze Reihe seiner Arbeiten, Creative Visuals zum Beispiel. Bilder, die dem Rechner entstammen und nicht mit Pinsel und Farbe auf eine Leinwand aufgetragen wurden. Obwohl, ganz so stimmt das nicht. Mario hat ein Programm geschrieben, mit dem sein PC lernt, was Kunst ist. Aus den Werken alter Meister entstehen so ganz neue Bilder. Marios Geschmack entsprechend ziemlich abstrakt. Und hier kommt jetzt doch der Pinsel ins Spiel. Shenzhen, auch bekannt als Stadt der Meisterkopierer, bietet Kunstverliebten einen besonderen Service. "Schicke deine Vorlage und du bekommst eine perfekte Kopie". Auftraggeber aus der ganzen Welt sind willkommen, auch Mario. Anders als Eric hat sich Mario jedoch nicht getraut, seine auf Holzkeilrahmen gespannten Werke ins Publikum zu werfen. Man muss ihm jedoch zugute halten, Eric hatte "lediglich" T-Shirts und Ausdrucke seiner Arbeiten dabei.

CREATE OR DIE > Toca Me > Klingemann
Interaktivität in seiner reinsten Form

Nachdem das Publikum verarbeitet hat, dass es bei diesem Vortrag leer ausgehen wird, hat Andy Cameron von Fabrica die Bühne in Beschlag genommen. Sein Vortrag läuft unter dem Titel "A new category of beauty", ein Zitat, das sich Andy bei Myron Krueger geliehen hat. Thema: Interaktivität. Nach einem kleinen verbalen Exkurs hat Andy unter anderem Dare – 100 Prozent Hardcore Interactivity gezeigt. Ein eMac, aufgestellt im American Museum of the Moving Image in New York, dessen Kamera über einen Touchscreen für einige Sekunden eingeschaltet wurde. Die teilweise doch ziemlich privaten Szenen, zu denen sich vorbeilaufende Besucher hinreißen ließen, wurden allesamt gespeichert. Am Ende stand ein Film basierend einzig auf der Interaktion seiner Akteure, der Besucher. Mit Dare als Grundlage, hat Fabrica verschiedenste Aktionen aus dem Projekt erstellt, auch für Benetton.

Fabrica ist die – man könnte sagen – Ideenschmiede für Benettons ungewöhnliche Werbekampagnen. Untergebracht in einem modernen Gebäude aus Glas und Beton ist es die Aufgabe von Andy, junge Kreativtalente zu finden und sie einzuladen, ein Jahr in Italien bei Fabrica zu arbeiten – gegen Bezahlung, kein Praktikum. Bei den Voraussetzungen würde ich genau wie Andy täglich irgendjemandem danken, dass ich in einem von einem Stararchitekten entworfenen Gebäude arbeiten und den Tag damit verbringen kann, mich in der Spaßabteilung eines weltbekannten Modelabels meinen kreativen Ergüssen hinzugeben.

Weitere Beispiele für die Arbeiten von Fabrica gibt es hier und hier. Was am Ende dieses Vortrags bleibt, ist die Quintessenz all der Kreativität: We are the time. We are famous.

CREATE OR DIE > Toca Me > Cameron
  1. http://www.toca-me.com/

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