Potsdam liegt so nah an Berlin, dass es im Schlagschatten der Hauptstadt oft übersehen wird. Erst nachdem einige Prominente wie Günther Jauch ihren Wohnort hierher verlegt haben, ist die Aufmerksamkeit für Brandenburgs Hauptstadt etwas gestiegen. Dabei ist Potsdam eine der wenigen Städte in den Neuen Bundesländern, mit steigenden Einwohnerzahlen. "Bald haben wir 150.000 Menschen in Potsdam" berichtet mein Taxifahrer mit lokalpatriotischem Stolz. Eine Zahl, die man im Rathaus, das hier auch Stadthaus genannt wird, bestätigt.
Stadtschloss in neuem Glanz ...
Stolz ist man hier auch auf die Geschichte der Stadt und auf ihre steingewordenen Zeugnisse. Das Brandenburger Tor in Potsdam ist zwar kleiner als der Berliner Namensvetter, aber dafür steht es schon länger – wie mein Taxifahrer augenzwinkernd erzählt. Wie in Berlin gab es auch in Potsdam ein Stadtschloss. Und wie beim großen Nachbarn haben der Krieg und die Abrissbirnen der Nachkriegszeit das Gebäude verschwinden lassen. Jetzt soll es wieder aufgebaut werden – 2009 ist Baubeginn. "Das wird ein richtig großes Projekt", erläutert Stefan Frerichs von der Wirtschaftsförderung der Stadt. "Genau da, wo das Gebäude früher stand, verläuft jetzt eine mehrspurige Straße. Die muss komplett umgebaut werden."
... außen historisch – innen funktional
So richtig wiederaufgebaut wird das alte Schloss allerdings nicht – nur die Fassade wird historisch. Im Inneren wird moderne Zweckmäßigkeit beheimatet sein. Dass die nicht auch das Äußere bestimmt, hat die Stadt Hasso Plattner zu verdanken. 20 Millionen Euro Zuschuss spendete er für das Projekt – unter der Bedingung, dass eine historisch anmutende Fassade realisiert wird. Überhaupt kommt man um den Namen Plattner nicht herum, wenn man über das moderne Potsdam spricht. Der SAP-Mitgründer tut viel für die Stadt. Sein an die Universität angegliedertes Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik hat sich in den zurückliegenden 10 Jahren kontinuierlich als national wie international anerkannte Adresse etabliert. Nach den gut ausgebildeten Fachkräften herrscht rege Nachfrage. Um Absolventen und ihre Ideen an den Standort zu binden, hat er den Business Incubator "Hasso Plattner Ventures" initiiert. Hier erhalten junge und vielversprechende IT-Spezialisten die Chance, den Traum vom eigenen Unternehmen zu realisieren. Neben Räumen, Coaching und internationalen Kontakten erhalten die Start-up-Unternehmen hier auch gleich eine Finanzierung über Risikokapital.
Und das nächste Projekt steht schon in den Startlöchern. So will Plattner den sogenannten "Campus am Jungfernsee" im Norden der Stadt realisieren, um Fachleute, die in seinem oder anderen Instituten der Stadt ausgebildet wurden, vor Ort zu halten. Die Idee dahinter: Wohnen und Arbeiten auf höchstem Niveau, in bester Lage direkt am Wasser. Wasser ist überhaupt sehr prägend für Potsdam, die Stadt liegt eigentlich auf einer Insel inmitten der Havel und der angrenzenden Seen. Kein Wunder also, dass es hier Deutschlands einzigen Aldi mit eigener Bootsanlegestelle gibt.
Früher zog sich sogar noch ein Kanal durch die Stadt, ähnlich wie in Amsterdam. Das hat den Bürgern der Stadt so gut gefallen, dass man diesen Zustand wieder herstellen möchte. Erste Teilstücke sind schon fertig. In wenigen Jahren könnte also das Stadtbild Potsdams noch attraktiver werden. Um die Pfosten für die Geländer entlang des Kanals zu finanzieren, hat man diese zum Verkauf angeboten, wer genau hinsieht, entdeckt auf jedem Pfosten eine kleine Plakete mit dem Namen der Person oder Firma, die ihn gestiftet hat. Zur Zeit sorgt der überall spürbare Tatendrang natürlich dafür, dass allerorten Baustellen zu finden sind. Aufs Feinste restaurierte Gebäude stehen gelegentlich neben einsturzgefährdeten Ruinen. Frerichs weißt darauf hin, wie schnell sich das ändern kann "diese schmucken Häuser da drüben mussten früher noch abgestützt werden, damit sie nicht umfallen."









