Spielerisch lehren und lernen
Momentan werden die Möglichkeiten der Virtual Reality für Konferenzen, Meetings, Kongresse oder Lehrveranstaltungen noch unterschätzt. Dabei bieten virtuelle Umgebungen gerade für Konferenzen eine ideale Plattform. Die Vorteile liegen auf der Hand: keine Reisekosten für Teilnehmer und Referenten, keine teure Saalmiete für den Veranstalter und trotzdem ein annähernd reales Konferenzerlebnis.
Dass es funktioniert, hat beispielsweise die Metaverse 07 gezeigt, die im November 2007 als rein virtuelle Konferenz abgehalten wurde. Dank Streaming Audio und Voice Chat war es möglich, die Vorträge akustisch zu präsentieren und damit dem realen Erlebnis möglichst nahe zu kommen. Diese Möglichkeiten werden inzwischen aber nicht nur von IT-nahen Unternehmen und Einrichtungen genutzt, so setzt beispielsweise auch die Volkshochschule Goslar inzwischen auf Second Life als Lernumgebung und wurde dafür als Best Practice in E-Learning mit dem eureleA Award 2008 prämiert.
Auch für Meetings kann Virtual Reality eine nützliche Plattform bieten. In Zeiten steigender Kraftstoffpreise und zunehmenden Umweltbewusstseins sparen Firmen gern an Dienstreisen. Alternativ zu Telefonkonferenzen könnten hier VR-Konferenzen mit Voice Chat zum Einsatz kommen.
Bisher hat sich das noch nicht durchgesetzt. Ein Grund mag sein, dass in konventionellen Firmen, die nicht im Multimediabereich tätig sind, Vorbehalte gegen die Installation einer 3D-Chatumgebung auf den Arbeitsplatzrechnern bestehen. Aus Gründen der Datensicherheit, aber auch weil unter Umständen nicht kontrolliert werden könnte, ob die Mitarbeiter sich auf rein geschäftliche Anwendungen beschränken. Hier müssten Filtermöglichkeiten implementiert werden, die es ermöglichen, die VR-Aktivitäten auf firmeneigene virtuelle Räume zu beschränken.
Dazu kommt, dass die Avatarsteuerung immer noch relativ umständlich ist und die natürliche Gestik oder Mimik, wie sie beispielsweise in einer Videokonferenz zu sehen ist, bei Verwendung eines Avatars nicht angeboten werden kann. Zwar beherrschen Avatare verschiedene Gesten, diese sind aber standardisiert und müssen durch Befehle gesteuert werden. Oder sie werden als fortlaufende Animation z. B. während eines Vortrags abgespielt, was den Avatar wie eine Marionette erscheinen lässt, aber nicht wie ein täuschend echtes Abbild realer Personen. Die Akzeptanz ist bereits jetzt hoch bei Menschen, die sich beruflich ohnehin viel mit dem Netz und seinen Möglichkeiten beschäftigen und die Konferenz in der virtuellen Welt als Alternative zu textbasiertem Chat oder Telefon bzw. Audiochat sehen.
Produktpräsentation, Visualisierung
Eine weitere Anwendungsmöglichkeit ist die Produktpräsentation bzw. Visualisierung. Hier eignet sich natürlich nicht jedes Produkt: So ist es eher schwierig, einen Turnschuh via VR zu präsentieren. Dagegen ist es beispielsweise durchaus sinnvoll ein Hotel virtuell zu präsentieren, wie es Starwood Hotels machte, die in Second Life den Prototyp eines neuen Hotelkomplexes präsentierten und das Feedback der Nutzer in die Gestaltung des Hotels einfließen ließen. Vor allem im Bereich Architektur und Innenarchitektur bieten sich hier Möglichkeiten, aber auch bei der Visualisierung von Autos, Flugzeugen, Telefonen oder der Demonstration von Maschinen. Es gibt sogar virtuelle Lehrkrankenhäuser mit Operationssälen, in denen mit grundlegenden Abläufen des Klinikalltags geprobt werden können. Das Ann Myers Medical Center beispielsweise hat in Second Life eine liebevoll bis ins Detail gestaltete und funktionale 3D-Präsenz und informiert via Weblog (http://ammc.wordpress.com) über aktuelle und vergangene Veranstaltungen.
Der virtuelle Berater
Ein weiteres kommerzielles Anwendungsgebiet ist die Beratung: statt einer Telefonhotline lässt sich ein virtuelles Support Center einrichten, mit Berateravataren. Teilweise wird das jetzt schon praktiziert, nicht nur in 3D, sondern auch in 2D. Gegenüber einer rein telefonischen oder schriftlichen Kommunikation ist es hier einfacher, auf spielerischem Weg eine Beziehung zum Kunden aufzubauen.




