Mittwoch, 23. Mai 2012


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August 2008 | Artikel

Visuelles Adrenalin

(Link zum Artikel: http://www.entwickler.de/cod//001889)

Interview mit Rebekka Guðleifsdóttir

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(for english version, click here)

Obwohl erst 30 Jahre alt, muss sich die isländische Fotografin Rebekka Guðleifsdóttir über mangelnde Bekanntheit nicht beklagen. Insbesondere ihre auf Flickr veröffentlichten Selbstportäts brachten der Fotokünstlerin eine rasch wachsende Schar von Fans aus aller Welt ein. Im Interview mit CREATE OR DIE gibt sich Rebekka überrascht von ihrem Erfolg, tut ihre Meinung kund, dass Photoshop nicht alles in Ordnung bringt und rät allen Newcomern: "Glaube an erster Stelle an dich selbst".

CREATE OR DIE: Rebekka, als ich deine Bilder auf Flickr entdeckte, war mir nicht klar, dass du dir mit deinen Fotos schon längst einen Namen gemacht hattest (5.000.181 Abrufe!). Bitte stelle dich doch kurz mal selbst vor.
Rebekka: Mein Name ist Rebekka Guðleifsdóttir, ich bin 30 Jahre alt, Fotografin, Visual Artist sowie Mutter zweier Jungen. Ich fotografiere, zeichne, stricke (dazu später mehr) und jogge.

Zu meiner eigenen Überraschung erlangte meine Flickr-Seite in den vergangenen drei Jahren eine zunehmenden Bekanntheit, was mich eher zufällig dazu brachte, meine Laufbahn in Richtung Photographic Art auszurichten. Das war so eigentlich nicht geplant (auch wenn ich schon immer in Richtung Kunst gehen wollte), aber wo es jetzt schon mal so ist, kann ich es mir anders auch nicht mehr vorstellen.

CREATE OR DIE: Wie hast du dir deine Techniken und Fähigkeiten angeeignet, wie hast Du angefangen?
Rebekka: Das erste Mal kam ich im Jahr 2000 mit Fotografie in Berührung, als ich einen Kurs an der Schule besuchte. Bilder zu entwickeln faszinierte mich, auch wenn die Qualität meiner Fotos zu der Zeit eher schlecht war. Aber ich lernte die Grundlagen von Spiegelreflexkameras, Blendeneinstellungen, Belichtungszeiten u.v.m. Mein Interesse wurde wieder geweckt, als ich mir 2004 eine wirklich einfache Digitalkamera (Canon Ixus) kaufte.

Ich begann, fast annehmbare Bilder zu schießen, ganz besessen davon, interessante Bilder und Kulissen um mich herum zu entdecken. Ich stellte diese Bilder auf Flickr ein und die Leute fanden Gefallen an ihnen. Bald darauf besorgte ich mir eine digitale Spiegelreflexkamera (Canon 350D) und begann zu lernen, wie man manuell fotografiert. Ich verbrachte buchstäblich meine gesamte Freizeit mit Fotografieren und brachte mir selbst die Nachbearbeitung der Bilder in Photoshop bei.

Mit dieser "echten" Kamera habe ich dann meine ersten wirklich bekannten Flickr-Fotos geschossen. Während ich im Sommer 2006 eigentlich noch immer mit dieser Kamera experimentierte, wurde ich mit einer Werbekampagne für den Toyota Prius in Island beauftragt. Ab diesem Zeitpunkt konnte ich mir eine professionelle Kamera (Canon 5D) kaufen, die ich bis heute benutze.

CREATE OR DIE: Deine Arbeit ist sehr facettenreich, von atemberaubenden Landschaftsaufnahmen bis hin zu Portraits und Selbstportraits. Wenn du dich nur für eine Richtung entscheiden müsstest, welche wäre das dann?
Rebekka: Ich würde kreative Selbstportraits favorisieren. Ich mag den gesamten Prozess, angefangen vom Einfall, dann aufbrechen und sich selbst oftmals in sehr unkomfortable Situationen begeben, um die Idee aus meinen Gedanken in ein Foto zu transportieren, das dann wiederum andere betrachten können.

Ich liebe es, mit meinen Fotos kleine Geschichten zu erzählen... ohne die Notwendigkeit eines Anfangs oder Endes – eher wie Einzelbilder eines Films, an denen sich der Betrachter, von dem was gerade passiert, seine eigenen Schlüsse, Meinungen und Annahmen bilden kann (Rebekka's Bilder sind auch als Prints erhältlich: (http://rebekka.myshopify.com).

CREATE OR DIE: Worauf konzentrierst du dich, wenn du eine Idee umsetzt? Auf die Vorbereitungen, auf den Moment des Fotografierens, die Nachbearbeitung, oder ist es ein wenig von alledem?
Rebekka: Es ist wirklich ein Mix daraus. Auch wenn ich einen großen Teil der Zeit für die Nachbearbeitung aufwende, lege ich Wert darauf, mit gutem Ausgangsmaterial zu starten. Das heißt, ich gebe natürlich mein Bestes, um vorab ein möglichst perfektes Bild zu schießen und vertraue nicht blind darauf, dass Photoshop später alles in Ordnung bringt. Sicher, manchmal mache ich das auch so, wenn etwas beim Shooting schief gelaufen ist, aber ich will mich nicht zu sehr darauf verlassen müssen.

Ich bin schon der Meinung, dass Fotografen eine fundierte Basis haben sollten, d.h., sie sollten wissen, wie ihre Kamera arbeitet, warum ein Bild aussieht wie es aussieht, und möglichst auch noch ein wenig Erfahrung in Sachen Film und Entwicklungstechniken mitbringen. Ich kenne mich da aus, dementsprechend habe ich die künstlerische Freiheit zu wählen, ob ich direkt das geschossene Bild nehme oder es mit Photoshop weiter verfeinere. Ich gehe an ein Foto, als ob ich zeichnen würde und liebe es, kleine Veränderungen in Farbe und Beschaffenheit vorzunehmen, bis daraus das Bild entsteht, das mir gefällt.

Ehrlich gesagt denke ich, dass sich zu viele Nachwuchsfotografen "einfach" auf die Digitalfotografie stürzen, sich eine teure digitale Spiegelreflexkamera (DSLR) kaufen, die sie nicht beherrschen und drauf los knipsen, ohne einen Plan zu haben, was sie überhaupt umsetzen wollen. Ich kenne Leute, die eine "5D" besitzen und diese niemals manuell bedient haben... immer nur mit automatisch gesetzten Einstellungen fotografieren und trotzdem der Meinung sind, sie würden fotografieren. Doch eigentlich trifft die Kamera alle Entscheidungen selbst. Das ist nicht in Ordnung.

CREATE OR DIE: Erzähl' uns ein wenig mehr über deinen Kreativprozess. Wie lange trägst du eine Idee mit Dir herum, bevor du sie umsetzt?
Rebekka: Das variiert zwischen ein paar Stunden bis hin zu einigen Monaten. Manche Ideen entstehen eher zufällig. Einfälle, die ich vorab in meinen Gedanken ausarbeite, können letztlich komplett anders enden. Anders, aber eben auch interessanter als ich es vorab geplant hatte. Mein Foto "Af jörðu ertu komin" ("From the earth you were born") z.B., welches eine nackte Frau (mich selbst) zeigt, geht nicht auf eine zuvor geplante Idee zurück. Mehr eine Kombination aus perfekter Umgebung und dem Versuch, diese sowie mich selbst so zu nutzen, dass ein kreatives Resultat dabei herauskommt. Das Foto ist vermutlich für immer eines meiner Favoriten. Auch der Bildtitel kam dann erst später dazu, als ich das Foto nachbearbeitete.

Andere Bildideen entstehen schon komplett samt Titel in meinen Gedanken und wirken schlussendlich auch genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Zwei gute Beispiele dafür sind "an exercise in futility" und "once in a blue moon". Beide Ideen trug ich schon eine Weile mit mir herum und ich hatte reichlich Zeit für die Planung, bevor ich sie umsetzte.

  1. http://www.rebekkagudleifs.com/

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