Welchen Rat würden sie Stundenten heute geben, worauf sollten sie sich konzentrieren?
Colony: Ich würde ihnen raten, auf eine Business School zu gehen. Das ist das beste was man heute machen kann. Sich auf der einen Seite ein großes Technologieverständnis aneignen, aber zugleich auch eine Business School besuchen. Ein reiner Techniker wird in der Zukunft nicht mehr viel verdienen, den bekommt man in Indien oder China. Aber wenn man beides kann, wird man in Europa oder den USA hervorragende Möglichkeiten haben. Ich habe mit einer Frau gesprochen, die Senior Innovation Officer in einer Bank geworden ist – das wird in Zukunft ein wichtiger Job sein. Sie verbindet das Wissen über die Kunden der Bank, das Geschäft und die IT. Damit macht sie tatsächliche BT. Diese Mischung zu erreichen, würde ich Studenten raten. Das ist eine starke Kombination, die gut bezahlt werden wird. Damit haben junge Leute in Europa und den USA eine Zukunft. Aber nicht für die reinen Java-Programmierer und so weiter, die meisten dieser Jobs werden nach China, Brasilien oder Russland gehen.Wie sehen Sie die europäische Softwareindustrie im Vergleich zu den USA?
Colony: SAP hat einen hervorragenden Job gemacht. Software AG hat einen guten Job gemacht. Aber ich würde sagen – und das ist die hässliche amerikanische Redeweise – da gibt es das Element der Langsamkeit in diesen Unternehmen. Wir hatten vor 20 Jahren einige große Unternehmen wie Nextor, aber sie konnte nicht Schritt halten. Heute gibt es eine riesige Herausforderung für Softwarehersteller, weil sie sich auf das Lizenzmodell verlassen. Aber dieses Modell wird bald unter Beschuss stehen. Ich glaube, es ist nicht unwahrscheinlich, dass es große Buchhaltungssysteme geben wird, die über Werbung finanziert werden. Das wird sicherlich eine Herausforderung für SAP und Oracle.
In den nächsten fünf Jahren wird die wichtige Frage sein, wie schnell die Softwarehersteller, vor allem in Europa, mitlaufen können. Können sie sich anpassen? In den nächsten fünf Jahren wird es im Softwaregeschäft größere Veränderungen geben, als in den letzten zehn Jahren. Darüber gibt es keinerlei Zweifel.
Glauben Sie, die amerikanischen Firmen werden schneller laufen?
Colony: Bisher war das immer der Fall. Dennoch sagte ich, SAP hat einen guten Job gemacht. Sie waren wirklich sehr beständig. Aber jetzt stehen sie vor ihrer eigentlichen Prüfung. Allerdings wird es auch für Oracle und Microsoft nicht einfach. Die Frage ist, wie schnell kannst du dich wandeln. Sie kennen Charles Darwin? Viele zitieren ihn falsch, wenn sie behaupten, er hätte gesagt, der Stärkste wird überleben. Nicht der Stärkste überlebt, sondern der, der sich am besten anpassen kann.Wie sehen Sie Open Source in diesem Zusammenhang, vor allem wenn man das Element der Zusammenarbeit bedenkt?
Colony: Das ist auch Anpassung. Das ist fast Schnellevolution. Die Art wie man in einem Open-Source-Umfeld zusammenarbeitet, ist für die Y-Generation etwas völlig natürliches. Da gibt es eine große Differenz, verglichen mit dem Verhalten der Generation X oder der Generation davor. Zusammenarbeit ist alles, worum es bei Facebook oder MySpace geht – die Y-Generation lebt und atmet das einfach. Und sie hat die Werkzeuge dafür. Da gibt es das möglicherweise dumme Wort „Co-opetition“, aber es zeigt, dass in Zukunft der Unterschied in der Wettbewerbsfähigkeit wohl sehr gering sein wird. Er wird sich vielleicht darauf reduzieren, wie gut man seine Kunden versteht. Schauen sie sich Apple an, was ist Apples größte Stärke? Apple macht keine Marktforschung. Sie dienen einem einzigen Kunden: Steve Jobs. Aber das ist keine Lehre für jeden, weil er einmalig ist, eine Laune der Natur. Und es wird vielleicht nie wieder vorkommen.




