Mittwoch, 23. Mai 2012


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Januar 2009 | Artikel

Social Prototyping Fortsetzung, Teil 3

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Das Gründerteam durchlief dazu einen iterativen Innovationsprozess. Dabei wurden Interviews und Beobachtungen durchgeführt, mit PowerPoint erste Mockups erstellt, auf Papier Skizzen angefertigt, mit Silverlight Designprototypen ausgearbeitet und schließlich ein funktionaler Prototyp für Facebook produziert.

Mit dieser Vielzahl unterschiedlicher Modelle und Prototypen wurden zudem Tests mit potenziellen Kunden durchgeführt. Die Modelle und Prototypen dienten dem Team dabei nicht nur dazu, die eigene Geschäftsidee weiter zu entwickeln. Sie waren auch eine wichtige Hilfestellung für das Team, individuelle Vorstellungen der eigenen Geschäftsidee im Team abzugleichen, Kunden und potenzielle Geldgeber von sich und ihrer Geschäftsidee zu überzeugen und damit das Teamgefühl durch die bessere Abschätzung persönlicher Unsicherheiten zu stärken.

Was ist zu tun?

Die Ergebnisse der Untersuchung lassen einige Handlungsempfehlungen zu, wie Gründerteams durch den Einsatz von Modellen und Prototypen die Qualität ihrer Teamarbeit und damit ihre Leistungsfähigkeit positiv beeinflussen können.
Um die gewünschte Wirkung zu erzielen, ist es notwendig, dass Gründerteams die Entwicklung und Erprobung von Modellen als wichtige Bestandteile ihrer Arbeits- und Innovationskultur und als wesentliches Instrument bei der Bearbeitung innovativer Aufgabenstellungen ansehen. Dabei kann diese Vorgehensweise in ganz unterschiedlichen Anwendungsfeldern zum Einsatz kommen, etwa um innovative Strategie-, Produkt-, Marketing- und Verkaufskonzepte zu testen und dabei zu lernen, was funktioniert und was nicht.

Modelle und Prototypen können dabei in Abhängigkeit einer bestimmten Fragestellung und speziellen Situation im Gründungsprozess in ganz unterschiedlichen Form- und Funktionskombinationen entwickelt und getestet werden. Dazu ist es notwendig, dass das Gründerteam auf eine umfassende Prototyping-Infrastruktur zugreifen kann, um sowohl sehr einfache Modelle (z. B. Zeichnungen, Wireframes, Storyboards, Papierprototypen, LEGO©-Modelle) als auch komplexe Abbildungen (z. B. computerbasierte Simulationen, Serviceerprobungen, Funktionsprototypen) entwickeln zu können.

Darüber hinaus ist entscheidend, dass die Entwicklung und Erprobung von Modellen und Prototypen auch tatsächlich innerhalb des Gründerteams erfolgt und nicht an externe Dienstleister ausgelagert wird. Denn dadurch würden wertvolle Erkenntnisse und Erfahrungen für das Gründerteam verloren gehen, die die Wirkung von Modellen und Prototypen auf die Qualität der Teamarbeit maßgeblich bestimmen.

Das Prinzip "learning by doing" durch die Entwicklung und Erprobung von Modellen und Prototypen ist jedoch kein Plädoyer gegen Planung im Gründungsprozess. Planung ist wichtig und die Erstellung eines Businessplans ein zentraler Baustein jedes Gründungsvorhabens. Denn nur wer plant, kann Zielabweichungen erkennen. Man sollte jedoch nicht einen Plan mit der Realität verwechseln und dem Glauben verfallen, dass Gründungsprozesse vollständig planbar seien. Vielen Gründerteams ist das, wenn nicht explizit dann zumindest implizit, bewusst, weshalb ständiges Ausprobieren von neuartigen Ideen und Konzepten mithilfe der Prototypenentwicklung ein effektives Instrument darstellt, um nicht nur innovative Produkte und Dienstleistungen, sondern auch innovative Gründerteams zu entwickeln.

Weiterführende Literatur:

Doll, Bernhard (2008): Prototyping zur Unterstützung sozialer Interaktionsprozesse bei Gründerteams, Dissertation, Technische Universität München.
Neyer, Anne-Katrin / Doll, Bernhard / Möslein, Kathrin (2008): Prototyping als Instrument der Innovationskommunikation, Zeitschrift Führung + Organisation, 77 (4), S. 210-216.
Neyer, Anne-Katrin (2008): Service Prototyping bei der UnternehmerTUM, in: Reichwald, Ralf / Möslein, Kathrin / Kölling, Marcus / Neyer, Anne-Katrin (Hrsg.): Service-Innovation, CLIC Executive Briefing No. 01, Leipzig, S. 12-13.
Sarasvathy, Saras D. (2001): Causation and effectuation: Toward a theoretical shift from economic inevitability to entrepreneurial contingency, Academy of Management Review, 26 (2), S. 243-263.
Schrage, Michael (1999): Serious Play – How the world’s best companies simulate to innovate, Boston: Harvard Business School Press.

Zu den Autoren

Bernhard Doll, Dipl.-Inf. (FH), M.Sc. (TUM) ist Leiter des Bereichs "Innovation & Business Creation" der UnternehmerTUM GmbH,
Christian Schüller, Dipl.-Inf. (TUM) ist Betreuer für Gründungsprojekte bei der UnternehmerTUM GmbH; Kontakt: schueller@unternehmertum.de
Manuel Götzendörfer, Dipl.Ing. (FH), MBA (TUM) ist Betreuer für Innovationsprojekte bei der UnternehmerTUM GmbH, Kontakt: goetzendoerfer@unternehmertum.de

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Kommentare

Gravatar peterm 29.01.2009
um 16:27 Uhr
das ist ja mal ein neuer ansatz. sehr coo!! ist mir so noch gar nicht bewusst geworden, dass das so ist. klingt aber logisch und habe ich bei meiner letzten gründung auch so ähnlich erlebt. wir haben auch sehr früh screenshots von unserer software gebaut und diese genutzt, um die idee zu präsentieren. am ende bestand unsere präsentation nur noch aus screenshots und einem interaktiven demo. das hat super funktioniert und uns selbst geholfen, die idee zu verstehen und zu verkaufen.

freu mich auf weitere ideen in dieser richtung!!

peter m
#zitieren
Gravatar blümchen 29.01.2009
um 23:54 Uhr
OK, das habe ich verstanden. Klingt erstmal gut, aber wie unterscheiden sich nun Prototypen für "social prototyping" und Prototypen im traditionellen Sinn?? Wie ich es verstehe, erstmal nicht. Euch geht es vermutlich darum zu zeigen, dass Prototypen eben "sozial" wirken können und nicht nur aus technischen Gründen entwickelt werden sollten, oder? #zitieren
Gravatar bernhard (autor) 30.01.2009
um 18:59 Uhr
Hallo Blümchen, genau so ist es gemeint. Die Entwicklung von Modellen, Prototypen und Simulationen hat eine enorme Wirkung auf die individuelle Sicht- und Denkweise und letztlich das Verhalten der Gründer im Team. Um dies für die eigene Teamentwicklung positiv auszunützen, empfehlen wir Gründern, möglichst früh im Gründungsprozess die eigene Geschäftsidee auf geeignete Weise visuell abzubilden. Dabei ist es aber wichtig sich bewusst zumachen, welche Teile der Geschäftsidee, zu welchem Zweck, wann und für wen abgebildet werden sollen, um die gewünschte (soziale) Wirkung zu erzielen. Prototypen werden also nicht nur aus technischen Beweggründen geplant und entwickelt, sondern auch aus sozialen. Deswegen: Social Prototyping. #zitieren
Gravatar blümchen 30.01.2009
um 19:31 Uhr
hey, danke für die schnelle antwort. was ich mich die ganze zeit frage: wie kommt darauf, das zu untersuchen? klingt für mich zwar alles irgendwie logisch und ist überhaupt kein hokuspokus, aber so richtig naheliegend ist es für mich auch nicht. na ja, wie auch immer. das wird bestimmt vielen gründern helfen. danke nochmal. #zitieren
Gravatar B E N N Y 05.02.2009
um 23:09 Uhr
cool stuff!! bisschen mehr konkrete informationen wie ich das nun praktisch anwenden kann wären aber schön gewesen... #zitieren
Gravatar Karl O 02.03.2009
um 13:52 Uhr
Kann mich meinen Vorgängern nur anschließen. Da sind ganz gute Ideen drin.... In den USA ist einiges davon in vielen Firma gängige Praxis. In Deutschland hingegen wird Prototyping immer noch sehr technisch verstanden. Das muss sich aus meiner Sicht dringend ändern. #zitieren
Gravatar charlie** 20.03.2009
um 08:32 Uhr
Sagt mal, ihr hyped das Thema ja ganz schön. Werdet ihr von einer PR-Agentur beraten?? #zitieren
Gravatar bernhard (autor) 27.03.2009
um 11:04 Uhr
Na ja, wir schreiben halt von Zeit zu Zeit über das Thema in einigen Foren. Und so lange ihr Kommentare darunter schreibt und damit Interesse zeigt, hören wir damit auch nicht auf ;-) Versprochen... #zitieren
Gravatar Oskar Krüger 21.04.2009
um 18:20 Uhr
Hi Bernhard, hab an deinem Workshop in Berlin auf dem BMBF Zukunftsforum teilgenommen. War echt gut. Und jetzt habe ich auch verstanden, was du in dem Artikel meinst. Auch wenn der Workshop etwas kurz war. Hätte noch Lust auf "mehr" gehabt... Vielen Dank, dafür! - Oskar #zitieren
Gravatar bernhard (autor) 03.05.2009
um 19:22 Uhr
Schön, dass du dabei warst. Nächster Vortrag mit ähnlichem Thema gibt es übrigens auf der R&D Management Konferenz in Wien (21.-24.6.2009) #zitieren
Gravatar ralf 28.05.2009
um 21:46 Uhr
Hey ihr, sagt mal, habe mal so ne frage: Kann man eigentlich das was ihr da beschreibt auch nutzen, um statt Produkte oder services auch z.b. eine Strategie für ein Unternehmen oder eine start-up zu entwickeln? Das müsste doch fast genauso gehen, oder? Habt ihr da schon Erfahrungen gemacht?? #zitieren
Gravatar bernhard (autor) 03.07.2009
um 22:36 Uhr
Na klar,
schau doch mal auf

http://www.skmf.net/fileadmin/redaktion/aktiver_content/06_Download/6KB003.pdf
oder
http://isss.uni-leipzig.de/index.php/Download-document/94-ISSS-2009-Doll.html
#zitieren
Gravatar ralf 14.09.2009
um 09:02 Uhr
Merci. Kann man irgendwie zu dem Projekt mit Siemens mehr Infos haben? #zitieren
Gravatar bernhard (autor) 13.01.2010
um 23:32 Uhr
Leider nicht hier im Forum. Aber gerne auf direktem Weg - nach Rücksprache mit Siemens. #zitieren
Gravatar CLaudio Sepro 09.08.2010
um 23:03 Uhr
Super Artikel! Endlich mal jemand der versteht, wie es Gründern wirklich geht... Wir nutzen auch viel Prototypen und haben verstanden, wie diese uns als Team stärken können. Danke, für Eure Gedanken! #zitieren
Gravatar Peter 05.05.2011
um 00:02 Uhr
Danke für das tolle Seminar in Salzburg. Die Idee hinter Social Prototyping ist genial und hat mich als Gründer richtig weiter gebracht. #zitieren
Gravatar carL 26.11.2011
um 00:21 Uhr
Social Prototyping, a fascinating aspect of creating visuals, models and prototypes. Have you guys time to meet? I have some ideas I would like to share with you... #zitieren