Gmunk – ein echtes Erlebnis
Mütze auf dem Kopf, ein bisschen im Bart kraulen, und erstmal vor sich hin nuscheln: Gmunk steht nicht vor den Leuten, er verkriecht sich hinter seinem Laptop. Und fängt an, sich für seine eigenen Arbeiten zu begeistern – und das zu Recht.
Funkin' fuck: Gmunk hat's nicht so mit der Sprache, eher hat er's mit visuellen Orgasmen. In seiner verdammten Session gibt es einen Rundumschlag seiner Arbeiten und seine Entwicklung vom Webdesigner zum Animation Designer – Gmunk hat in den Jahren die Entwicklung vom Tabellenbastler zum Maya-Enthusiasten vollzogen. In seinen frühen Arbeiten, die eher illustrativ daherkommen, zeigte sich schon seine Pixelverliebtheit, sein Hang zur Detailtreue, die sich auch in seinen komplexen Filmspots wiederfindet. Shit, das ist schon sehr geil.
Aber nicht alles ist ästhetisch schön, sondern teilweise auch zum Kotzen eklig. Gmunk ist einfach anders – da muss man sich nur seine kreierten Monster mit Sonnenbrille anschauen (dass Gmunk für die Erstellung seine eigenen Zähne verwendet, macht das Ganze gleich sympathischer). Oder man wirft einen Blick auf seine Kombination von biologischem Material mit Technologie, bevor man sich in die Tüte beugt.
Gmunk rauscht durch seine Kreationen – ein Bild folgt dem nächsten. Unter anderem gibt es einen aufwändigen Spot für eine Anti-Raucher-Kampagne zu sehen, in der sich aus dem Zigarettenrauch beispielsweise schwarze Raben in die Lunge eines kleinen Kindes graben. In der nächsten Sequenz fährt der Crossroad-Wagen Hummer hochgradig animiert durch verschiedenste Zeitzonen. "That kind of shit" halt.
Zum Abschluss findet man sich endlich in der Wrestler-Welt wieder, den Skizzen folgen modellierte Figuren für ein Print-Erzeugnis. Sehr beeindruckend, sehr detailverliebt, sehr inspirierend. Insgesamt ein echtes Erlebnis: Gmunk, you rock!
Joshua Davis – nette Geschichten vom coolen Daddy
Von völlig anderem Schlag ist Joshua Davis – ganz durch seine Tattoos gebrandet, versucht er zu später Stunde in der letzten Session Gas zu geben. Mit unterschiedlichem Erfolg. Es mag an der späten Stunde liegen, vielleicht auch an seinen Arbeiten – Joshua Davis kippen manchmal die Leute in den Schlummer weg. Und wenn er es merkt, hebt er professionell seine Stimme, wird lauter, gestikuliert mehr, um seine Zuschauer zu wecken.
Erstmal gibt es Bilder von ihm und nette Geschichtchen, wie er als 37-jähriger noch Skateboard fährt und kleinen Kindern erzählt, dass er cooler als ihre Daddys ist. Oder wie er seiner kleinen Tochter eine Geschichte erzählen soll: Von "Tell me a story" über "Tell me a story about a pink panda" bis hin zu "Tell me a story about 100 flamingos, which fly to africa to see 100 crocodiles and only find 50." Die Message, so widersprüchlich sie sein mag: Mehr Vorgaben machen das Leben eines Kreativen leichter.
Bei seinen Arbeiten handelt es sich um computergenerierte Bilder und Animation, dafür hat er sich eigens eine Software geschrieben. Die Ergebnisse sind abstrakte Welten und Formen – und finden sich unter anderem ausgedruckt in Museen oder projiziert auf Hochhäusern wieder. Manchmal werden in Installationen die Besucher aufgefordert, Teil seiner Projekte zu werden und seine Arbeiten zu vollenden, indem sie beispielsweise Flächen mit Farben ausfüllen.
Orbits, Kaleidoskope, Bézier-Kurven: Mit diesen Mitteln erzeugt er sehenswerte Hingucker, die immer wieder neu variiert vor einem stehen: der Zufall macht's – technische Kreation per Mausklick. Davis Session ist ebenfalls wie die der anderen von vielen Bildern geprägt, die jedoch länger stehen bleiben als beispielsweise bei Gmunk. Der Rausch ist vorbei, da hilft auch kein wildes Agieren auf hohem Niveau.
Nichtsdestotrotz bekommt er am Ende begeisterten Beifall, der zu uns durch den Vorhang dringt, während wir, in der wenig gefüllten Lounge, unser drittes Bier köpfen.
Der Tag war lang, zu viel Inspiration macht müde!









