Mittwoch, 23. Mai 2012


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Juni 2009 | Artikel

IPTV – The Future, Mr. Gittes, the Future

(Link zum Artikel: http://www.entwickler.de/cod//002380)

Stand heute

Text: Patrick Jacobshagen
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Dem Kino und Fernsehsendern geht es schlecht, die Filmfinanzierung ist tot. Trübe Tage für Filmemacher. IPTV könnte eine Lösung sein, vielleicht.

Noch heute lässt das Zitat aus "Chinatown" Filmkenner erzittern. Die einzige Antwort die Noha Cross seinem Kontrahenten Jake Gittes entgegnen kann. Mr. Jake Gittes, gespielt von Jack Nicholson, fragt, was der böse alte Mann mit seinem Inzestkind will. Das Schlussbild zeigt das entsetzte Kind, das nach Chinatown verschleppt wird, in den Teil von Los Angeles, in dem die US-Gesetzte keinen Bestand haben. Wie sieht die kreative Landschaft heute aus?

Die TV-Sender bestellen nichts mehr, schon gar keine Fiction. ProSiebenSat.1 ist ausschließlich mit der eigenen Krise beschäftigt. Selbst ARD und ZDF, die einen stetigen Gebührenzufluss von mehr als sieben Milliarden Euro im Jahr haben, sind auf wundersame Weise in Finanznöte geraten und wiederholen lieber. Dazu kommt der inhaltliche Exitus: Jede deutsche Serie floppt, nicht mal mehr der "Tatort" kommt gegen eine lässliche Navy-Ermittlerserie an.

Dem Kino geht es nicht besser. Mit dem 15. September 2008 und dem Lehman-Brothers-Gau war von einem Tag auf den anderen die Filmfinanzierung tot. Neben den Förderungen werden dringend weitere Gelder benötigt, um einem Film ein halbwegs passables Budget geben zu können. In den Jahren 2006 bis Mitte 2008 ließen diese sich auch noch recht passabel auftreiben. Damit war nach 9/15 Schluss.

Schlechte Aussichten für Filmemacher

Aber auch hier gibt es ein inhaltliches Problem. Missmutig merken die Förderer an, dass 90 Prozent der deutschen Kinofilme nicht einmal 10.000 zahlende Zuschauer erreichen. Wer sich die Produktionsunternehmen ansieht, die noch Förderungen erhalten, bemerkt die Konzentration auf einige wenige, die Zuschauer versprechen.

Trübe Tage für den Filmemacher also. Und die Web-Creators? Es erscheint diese seltsame Chimäre IPTV am Horizont. Rettung? Zukunft? Der deutsche IPTV-Verband zählt schon 900 IPTV-Sender. Die Definition geht weit: Jeder Sender, der ein Programm über das Internet Protocol anbietet (die Definition ist im ständigen Wandel).

"Die haben doch gar kein Geld" ist der erste Satz der Meisten. Nun ja, es muss einem wohl erst einmal auffallen, dass die IPTV-Welt in zwei Hälften zerfällt. Die Reichen und die Anarchisten. IPTV ist nach der Definition auch die deutsche Telekom mit ihrem T-Home VoD-Produkt. IPTV ist auch Audi-TV und Bahn-TV. Und zumindest die beiden letzten vergeben auch Auftragsproduktionen. Auch die TV-Sender bieten ihr eigenes IPTV und Axel Springer hat sich ebenfalls eingeschaltet. Bild.de entwickelt sich in diese Richtung und Spiegel Online sowieso.

Heil bietet das Internet

Die anderen sind oft Individualisten, die unter Selbstausbeutung ein mehr oder weniger kreatives, oft liebenswert skurriles Programm anbieten. Was soll man von denen als Producer schon wollen? Vielleicht ein Argument – die ersten Stars gibt es schon: Katrin Bauernfeind ist die erste Moderatorin, die es ins TV und weiter schaffte, "Tiger – Die Kralle von Kreuzberg" findet sich sogar in der Werbung und in einem Kinofilm (Detlev Bucks Sommermärchen 2008, der zugegeben nicht auf das zahlende Publikum losgelassen wurde).

Es gibt erste Erfolge. Die erste Internet-Daily "Candygirls" – noch etwas verlacht – wurde von MySpace eingekauft, die zweite "Dear Lucy" wurde von einem werbetreibenden Kunden gekauft und auf Bild.de gezeigt. Wer sieht das? Bild.de hat 1,1 Milliarden Visits zu verzeichnen.

Auch andere Player werden aktiv: VoD-Anbieter jammern bereits: "Schön, dass wir das gesamte Programm haben. Aber wir haben ja gar nichts Eigenes, das man nur bei uns sehen kann." Andererseits sind selbst die großen VoD’s noch in den Kinderschuhen. Die Telekom als Platzhirsch redet lieber darüber, welche Zuschauerzahlen sie in Zukunft erreichen will, als die tatsächlichen zu nennen. Der zweitgrößte VoD-Anbieter "Alice", erreicht gerade mal ein Publikum, das der Bevölkerung einer deutschen Kleinstadt entspricht. Es wird also viel Zeit vergehen, bevor von dieser Stelle lukrative Aufträge zu erwarten sind.

Web 2.0 = Internet goes Bewegtbild

Trotzdem beginnen Portale und Communities zu bestellen. Es wird auch bereits bezahlt. Doch noch ist die Mentalität weit verbreitet, alles umsonst haben zu wollen. Doch der Produzent der Internet-Dailys Georg Ramme sagte schon auf dem IPTV-Symposium im Dezember 2008, dass es keinen Grund gibt, weniger Geld zu verlangen als für TV-Produktionen. Der Aufwand bleibe schließlich der Gleiche. Ein Schritt in die richtige Richtung. Web 2.0 ist letztlich aus der Sicht der Kreativen nichts anderes als Internet goes Bewegtbild. Natürlich entsteht hier ein Markt. Die richtigen Preise festzusetzen wird Aufgabe der Produzenten sein. Die Werbewirtschaft ebenfalls zu den kostendeckenden Preisen zu bringen, wird schwieriger, aber nicht unlösbar sein.

Was ist positiv? Es existieren mehr potentielle Abnehmer als in der alten "Sender"-Welt. Die strenge Formatierung 45 Minuten, 90 Minuten ist aufgehoben. Platz um kreativ zu sein.

Ob die Zukunft so unheilvoll wird, wie Mr. J. Gittes sie fürchten musste oder golden, wird sich auch daran entscheiden, ob sich Webkreatvie und Producer finden, die nicht den Untergang der alten Ordnung beklagen, sondern kreativ genug sind, die Herausforderung anzunehmen. Klein zu beginnen, die Aufmerksamkeit ihres Publikums zu erregen, sich neuen Geschäftsmodellen zu öffnen und Erfolge zu produzieren, die andere zur Nachahmung reizen.

Kreativität ist gefragt

Für den Web-Creator ist es die große Chance Filmemacher zu werden. Für mich als Filmmensch ist Web 2.0 ohnehin nichts anderes als "Internet goes Bewegtbild". Die Kreativität im Netz ist so groß, dass es eigentlich nur eine Bereicherung sein kann, Web- und Filmkreative zu verbinden.

Patrick Jacobshagen (Filmrecht.com) ist Rechtsanwalt und beigeordneter Vorstand des deutschen IPTV-Verbandes, Autor des Buchs "Filmbusiness" und "Filmrecht – Alles was Filmemacher wissen müssen".

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