JAXenter: Was musstet Ihr tun, um am Eclipse-Galileo-Release-Train teilzunehmen?
Eike Stepper: Im Grunde geht es beim Release-Train um Kommunikation. Es ist ein beachtlicher Aufwand mit dem Ziel ein wohlkoordiniertes System aus aufeinander abgestimmten Werkzeugen und Technologien zu entwickeln und zu releasen.
Dabei verpflichtet sich jedes teilnehmende Projekt zur Einhaltung einer ganzen Reihe von Regeln sowohl bezüglich des Lieferprodukts als auch hinsichtlich der Entwicklungsprozesse. Das reicht von Vorschriften bezüglich der Internationalisierung über die Kooperation auf der gemeinsamen Update Site bis hin zur detaillierten IP Clearance.
Die Teilnahme am Release-Train verursacht dabei enorme Zusatzaufwende. Aber einerseits bietet die Foundation stets hervorragende Unterstützung und andererseits ist es gerade diese rege Kommunikation, die uns ein gutes Gefühl der Sicherheit verleiht, dass wir und der "Zug" auf dem richtigen Gleis sind.
JAXenter: Wie wird CDO perspektivisch weiterentwickelt? Wohin führt der Weg zu e4?
Eike Stepper: Ein immer wieder angefragtes Feature ist der sogenannte Offline-Mode, also die Fähigkeit, bestimmte Anteile des Model Repositories auszuchecken, darauf trotz getrennter Verbindung lokal zu operieren und später eine Resynchronisierung durchzuführen. Diese Funktion steht ganz oben auf der Liste der Dinge, die wir nach Galileo einbauen wollen, zumal der Resynchronisierungsmechanismus bereits im Rahmen eines anderen Features bereitgestellt wurde.
Dem generischen Query-Framework von CDO wollen wir außerdem eine Backend-unabhängige Query-Sprache spendieren und haben dazu bereits erste Versuche mit OCL und einer Java-ähnlichen Syntax gemacht.
Darüber hinaus werden wir wieder unser Bestes geben, um das Back-Log von über 120 Feature-Requests zu reduzieren und ich bin sicher, dass CDO am Ende des nächsten Release-Trains ("Helios") wieder mit Quantensprüngen aufwarten kann.
Im Bereich Marketing wollen wir neben dem allgemeinen Ausbau der Community vor allem versuchen, weiter über den speziellen Bereich des Eclipse-Toolings hinauszuwachsen und mehr Aufmerksamkeit darauf zu lenken, dass EMF und CDO auch hervorragend außerhalb von OSGi-Umgebungen funktionieren.
Was e4 betrifft, sehe ich derzeit noch keinen allzu großen Einfluss auf die CDO-Funktionalitäten. Aber die Tatsache, dass die e4 Workbench aus einem EMF-Modell bestehen wird, eröffnet natürlich gerade im Zusammenhang mit einem Model Repository eine ganze Fülle neuer Anwendungsmöglichkeiten. Um die Interoperabilität mit CDO in diesem Bereich sicherzustellen, bin ich inzwischen e4 Committer geworden und freue mich, auch zu dieser großartigen Anstrengung beitragen zu dürfen.
JAXenter: Vielen Dank für dieses Gespräch!
Eike Stepper ist der ursprüngliche Autor von CDO und Net4j und leitet das inzwischen achtköpfige, internationale Committer Team. Mit seiner 1991 gegründeten Firma ES-Computersysteme konnte er in vielen Projekten Erfahrungen als Entwickler und Berater sammeln. Themen um Modeling, OSGi Softwaredesign und "gutes Entwickeln" faszinieren ihn immer wieder.




