Neben der TU Kaiserslautern beteiligen sich noch fünf weitere deutsche Hochschulen an dem Projekt: die Technischen Universitäten Darmstadt, Berlin und München sowie die Universitäten Karlsruhe und Würzburg. Als Geldgeber fungiert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) – ein großzügiger Spender: Das ursprüngliche Budget von elf Millionen Euro wurde kurz vor dem Start noch um eine Million Euro aufgestockt.
Einigen Akteuren kommt beim deutschen Beitrag für das Internet der Zukunft eine bedeutsame Rolle zu, die wichtigsten werden im Folgenden kurz vorgestellt.
Das Projekt
Die eigentliche Geburtstunde des G-Lab ist auf den 30. Oktober 2008 zu datieren, als das BMBF für die Ausarbeitung einer "nationalen Forschungsplattform" die ersten 3,8 Millionen Euro bereitstellte. Die Ziele, die die Verantwortlichen – Wissenschaftler wie Politiker – mit dem Vorhaben seitdem verfolgen, sind keine geringen: Einer Jahrzehnte alten, den ständig steigenden Anforderungen kaum noch gewachsenen Internetinfrastruktur soll auf die Sprünge geholfen werden. Schneller, sicherer und effizienter soll das Internet der Zukunft dank G-Lab werden. Vielleicht auch endlich kommerzialisierbar, denn die genannten Vorzüge wird es wohl nicht zum Nulltarif geben. In den zahlreichen Reden, die am Freitagnachmittag gehalten werden, wird daraus kein Hehl gemacht.
Die Rechenkapazität, die G-Lab den experimentellen Projekten zur Verfügung stellt, speist sich aus diverser, zum Teil drahtloser Hardware, die durch insgesamt 170 Netzwerkknoten mit den beteiligten Computernetzwerken verbunden ist. Koordiniert wird G-Lab von Kaiserslautern aus – hier hat das "Central Management" seinen Sitz. Alleine 59 Netzwerknoten sind an diesem beschaulichen, aber an Kompetenz reichem Standort vorhanden. Die praktische Forschung wird zudem durch theoretische Studien begleitet – die Kombination aus Theorie und Praxis soll Brauchbarkeit und Effizienz der verschiedenen Forschungsbemühungen sicherstellen.
Die Politik
Insbesondere in Zeiten knapper Kassen unterliegen Wissenschaft und Forschung dem Zwang, Politikern wie Medienvertretern gegenüber die Verwendung staatlicher Mittel zu rechtfertigen. Das Vorhaben G-Lab macht da keine Ausnahme. Der richtige Mann für diese spezielle Aufgabe ist der Koordinator des Projekts Professor Phuoc Tran-Gia, der an der Universität Würzburg einen Lehrstuhl für Informatik innehat. Professor Tran-Gia redet oft und gerne vom möglichen Zusammenbruch des Internets, den man mit vereintem Forschungsbemühen verhindern müsse.
Auch für Zweifler, die nachfragen, warum das ausgerechnet im nationalen Kontext geschehen soll, hat der Professor ein gewichtiges Argument parat: Tun wir’s nicht selbst, wird China uns in wenigen Jahren die Standards diktieren. Böse Blicke erntet gar, wer die Forschungsbemühungen in den Dunstkreis politischer Regulierungswünsche stellt – G-Lab als Instrument der Zensur? Nein, die Kontrolle des Internets spielt überhaupt keine Rolle! Blöd nur, dass in diesem Punkt ein vorwitziger Beamter aus dem BMBF dem Professor später noch einen Strich durch die Rechnung macht. In warmen Worten lobt dieser vom Podium herunter die Anstrengungen der Wissenschaftler und ist sich dabei ganz sicher, dass auch Familienministerin Ursula von der Leyen das Projekt aus einschlägigem Interesse wohlwollend beobachtet.
Das Grenzübergreifende
Trotz der "Gelben Gefahr" aus Fernost – nationale Internetforschung ist zum Scheitern verurteilt, wird sie nicht mit ähnlichen Projekten anderer Länder oder Staatengemeinschaften verknüpft. Dass G-Lab hier auf dem richtigen Weg ist, wird durch die Teilnahme von Professor Peter A. Freeman aus den USA am Kickoff-Meeting bezeugt. Professor Freeman ist seit vielen Jahrzehnten mit der Internetforschung beschäftigt. Als Experte berät er etwa das nordamerikanische Gegenstück zu G-Lab: GENI (The Global Environment for Network Innovations). Aber ebenso G-Lab darf sich seiner Expertise sicher sein, der Professor ist schließlich auch hier Mitglied im Advisory Board.
"Sie alle haben die große Chance an dem Zustandekommen einer internationalen, gemeinschaftlichen Netzwerkforschung führend mitzuwirken", ruft Freeman den befreundeten Forschern zu. Und hat auch noch wichtige Ratschläge parat: Zum einen müssten die Zweifler des Projekts mit innovativen und herausragenden Ergebnissen überzeugt werden. Zum anderen aber gelte es, mit den vorhandenen Ressourcen gut auszukommen und den Wert der Forschung nach außen zu tragen.
Die Jungforscher
Vor dem Hörsaal, in dem die diversen Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft das Kickoff-Meeting mit ihren Reden würdigen, stellen einige Jungforscher bereits gestartete Projekte vor. Der heutige Tag habe eher politische Bedeutung, gibt ein junger Doktorand unumwunden zu. Er ist aus Darmstadt angereist, wo Videostreaming in Peer-to-Peer-Netzwerken untersucht wird. Wie lässt sich der Datenverkehr effizienter abwickeln bzw. die unterschiedliche Ausgabequalität der beteiligten Endgeräte bei der Übertragung berücksichtigen? Letztlich geht es bei diesen Bemühungen um eine intelligentere Ausnutzung der vorhandenen Infrastruktur. Projekte anderer Hochschulen setzen dagegen auf Tabula rasa: ein völlig neuartiges Internet muss her! Die Anhänger beider Ansätze sind sich aber in einem einig: G-Lab ist wichtig, weil es den Forschern hierzulande die Möglichkeit bietet, eine kontrollierbare Arbeitsumgebung zu nutzen, die sich für spezifische Anforderungen konfigurieren lässt.
So sind denn auch alle beteiligten Akteure zufrieden, als am Ende gemeinsam der Rote Knopf heruntergedrückt wird. Bleibt zu hoffen, dass dem symbolischen Akt bald positive Erkenntnisse zum Wohle aller Internetnutzer folgen werden.




