Mittwoch, 23. Mai 2012


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Dezember 2002 | Artikel

Facelifting?

(Link zum Artikel: http://www.entwickler.de///000270)

Die Distributoren locken mit neuen Desktop-Angeboten

Text: von Nadja Rosmann
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Linux auf dem Desktop war lange Zeit kein Thema. Zwar haben Gnome mit Version 2.0 und KDE seit dem 3.0er Release deutlich an Attraktivität gewonnen, doch bietet eine am Desktop orientierte Strategie für Distributoren bisher kaum größere Geschäftsaussichten. Seine Stärken hat Linux - zumindest bisher - zu deutlich im Server-Bereich, als dass sich bei dem relativ geringen Marktanteil auf Desktops hieraus gewinnträchtige Strategien ableiten ließen.

Dennoch hat beispielsweise Red Hat das Thema mit seiner aktuellen Distribution aufgegriffen, und die Arbeitsfläche aufpoliert beziehungsweise versucht, durch einen Ansatz der Integration von KDE und Gnome für mehr Übersicht zu sorgen - ein Vorgehen, das in der Entwickler-Community bereits auf deutliche Kritik stieß. Auf der anderen Seite zeigt beispielsweise Apple mit seinem Mac OS X, das mit dem Release 10.2 auch bei Unix-Entwicklern auf immer größere Resonanz stößt, was auf einem Desktop möglich ist - unter dem ein im Kern Open Source-basiertes System seinen Dienst verrichtet. Diese aktuellen Entwicklungen sowie die Frage, welche Veränderungen die UnitedLinux-Initiative für die bisherige Distributions-Landschaft mit sich bringt, werfen die Frage auf, welche Möglichkeiten es für Linux auf dem Desktop in Zukunft geben kann.

Enterprise versus Desktop
UnitedLinux, die Kooperation von SuSE, Conectiva, Turbolinux und SCO (vormals Caldera), wirft beispielsweise die Frage auf, wie es um die Zukunft von Linux für Desktops bestellt sein wird. Das Konzept der gemeinsamen Basis-Distribution beinhaltet den Linux-Kernel, die notwendigen Bibliotheken, das Dateisystem, einen Installer und eine grafische Oberfläche. Im Kern wird das erste Release hauptsächlich aus Elementen des SuSE Linux Enterprise Servers bestehen und Zielgruppe ist auch die Enterprise-Klientel.
Alle Partner werden von der zu diesem Zweck gegründeten UnitedLinux LLC diesen Kern lizenzieren, um diese Basis-Distribution dann mit eigenen Add-Ons anzureichern und als eigene Distribution mit dem Zusatz powered by UnitedLinux zu vertreiben. Das Pricing für das Basis-System wird sich am Zielmarkt orientieren, also entsprechend hoch sein. Betrachtet man nun die Preisdifferenz zwischen dem jetzigen SuSE Linux Enterprise Server und den Personal und Professional Distributionen, stellt sich die Frage, welches Engagement die einzelnen Distributoren in Sachen Desktop noch aufbieten können.
Bisher waren die so genannten Boxen aus Entwicklungssicht eher ein Abfallprodukt. Für die Enterprise-Produkte musste - zumindest seit der entsprechende Markt vorhanden ist - ohnehin ein Basissystem gepflegt werden. Dieses wurde für den Enterprise-Markt mit entsprechenden Business-Features angereichert, für den Desktop-Markt konnten Pakete wie GIMP, Multimedia-Programme und Spiele beigelegt werden. Da die einzelnen Unternehmen ihre Entwickler ohnehin vollständig auf ihrer Gehaltsliste hatten, dürfte der Mehraufwand für die Desktop-Editionen relativ gering gewesen sein. Für Unternehmen wie SuSE spielt der Verkauf dieser Boxen nach wie vor eine große Rolle, denn hier lässt sich Umsatz generieren - der, solange das Geschäft mit den Business-Produkten noch nicht wirklich etabliert ist, durchaus bedeutsam ist.
Was wird aus der Boxen-Kundschaft?
UnitedLinux nun hat für die beteiligten Partner deutliche Synergie-Effekte im Entwicklungs-Sektor mit sich gebracht, da nun nicht mehr vier Unternehmen sehr ähnliche Basis-Systeme pflegen müssen, sondern dies unter dem Dach von UnitedLinux geschieht. Damit werden zunächst Entwicklungskosten gesenkt, auf der anderen Seite fällt für jedes verkaufte Produkt eine Lizenz-Gebühr an. Unter diesen Vorzeichen müssen die Kosten, die ein Desktop-Linux verursacht, natürlich neu kalkuliert werden. Wie die UnitedLinux-Initiatoren mit dieser Frage umgehen, wird sich zeigen. Für SCO dürfte diese Frage nicht so drängend sein, da das Unternehmen sich bisher schon nur auf Enterprise-Produkte konzentrierte. Was Turbolinux angeht, lässt sich nicht absehen, welche Strategien hier zum Tragen kommen, denn zum einen war das Unternehmen bisher im Bereich Hochverfügbarkeitslösungen aktiv, zum anderen wurde kurz nach der UnitedLinux-Gründung das Linux-Geschäft an ein japanisches Unternehmen verkauft.
SuSE wiederum stellte auf der LinuxWorld in Frankfurt einen neuen Office-Desktop vor, der für den Unternehmenseinsatz gedacht ist. Dieser wird auf der normalen SuSE-Distribution basieren, die anscheinend zunächst parallel zum UnitedLinux-Engagement weitergepflegt werden soll (wobei man natürlich fragen könnte, ob dann eine Beteiligung an UnitedLinux für SuSE in Sachen Kosteneinsparungen überhaupt etwas bringt).
MandrakeSoft ist auf dem Desktop seit jeher sehr stark, sodass die Franzosen, wenn von UnitedLinux kein Engagement auf dem Desktop kommt, hier ihren Marktanteil ausbauen könnten. SuSE wiederum muss aufpassen, dass es seine bisherige Stammklientel, nämlich die versierten Privatanwender, die einen großen Teil der bisherigen Boxen-Kundschaft pictureen, nicht verliert. Ja, und dann ist da eben noch der neue Vorstoß von Red Hat.
Marktbeobachter mögen ein wenig verwundert gewesen sein, als die ersten Screenshots der Beta-Version zum Release 8.0 im Internet kursierten und sich zeigte, dass Red Hat anscheinend dem Desktop wieder Beachtung schenkt. Immerhin ist der amerikanische Distributor in den letzten zwei Jahren deutlich darum bemüht gewesen, sich als Enterprise-Dienstleister und Embedded-Spezialist zu positionieren. Flaggschiff im Produktportfolio war dabei der Red Hat Advanced Server. Die neue Strategie passt auf den ersten Blick also nicht zu den bisher propagierten Absichten, doch möglicherweise hat Red Hat schlicht schon die bereits geschilderten Unwägbarkeiten des UnitedLinux-Konzepts vorausgesehen.
Red Hat schlägt zu
Red Hat ist bekannt für unpopuläre Maßnahmen. Mit einem inkompatiblen GCC-Release hatte der Distributor schon einmal die Entwickler der Community gegen sich aufgebracht. Der neue Desktop ließ die Wogen im KDE- und Gnome-Lager im Zweifel noch höher schlagen. Die Idee, die hinter dem neuen Integrationsansatz steckt, ist im Prinzip nicht schlecht. Der Anwender soll sich nicht mehr entscheiden müssen, welchen Desktop er installiert, sondern er kann Red Hats Bluecurve-Einstellung wählen und erhält damit einen hauptsächlich Gnome-basierten Desktop mit Browser (Mozilla), Mail- und Groupware-Lösung (Evolution) und Office-Paket (OpenOffice.org). Im Start-Menü sind die separaten Ordner für KDE- und Gnome-Anwendungen verschwunden und der Anwender findet ordentlich aufgereiht Verzeichnisse für Grafik, Internet, Office und andere Anwendungen.
Worüber sich viele KDE- und Gnome-Entwickler von Anfang an echauffierten, war die Tatsache, dass Red Hat mit dem neuen Konzept zum einen ihre zusammengestellten Anwendungen mit der neuen Default-Installation völlig zerpflückt hat. Zum anderen hat der Distributor mit dem Bluecurve-Theme der Oberfläche einen neuen Look verpasst - der eigentlich gar nicht schlecht aussieht, aber den ursprünglichen Charme von KDE beziehungsweise Gnome natürlich untergräbt.
Aus Sicht von Red Hat soll der neue Desktop nicht nur durch sein ansprechendes Design bestechen, sondern unter dem Strich dem Distributor das Leben leichter machen. Wir haben viele Vorteile darin gesehen, die den beiden Desktops zugrunde liegenden Technologien, anzupassen. So können wir nun beispielsweise für beide Desktops Xft2 und fontconfig für das Rendering der Schriften verwenden, äußerte Owen Taylor, Mitglied von Red Hats Desktop-Team. Außerdem zeige es sich immer öfter, dass Anwender nicht zwangsläufig auf einen Desktop fixiert seien, sondern auf spezielle Applikationen. Wenn eine Anwendung nützlich ist, sollten wir sie doch auf beiden Desktops verfügbar machen, findet Owen.
Dieser auf den Anwender gerichtete Fokus ist mit Sicherheit löblich, denn ein Anwender, der beispielsweise AbiWord für die Textverarbeitung nutzen möchte und Kmail als Mail-Client, sieht natürlich wenig Usability darin, die eine Anwendung im Gnome-Menü und die andere im KDE-Menü suchen zu müssen. Doch im Hinblick auf diese Art von Anwenderfreundlichkeit lässt die neue Red Hat-Distribution durchaus noch Wünsche offen. So wäre es beispielsweise wesentlich sinnvoller, den Anwender bei der benutzerdefinierten Installation einfach zu fragen, welche konkreten Applikationen er unter dem neuen Bluecurve-Design nutzen möchte.
Folgt man der Default-Einstellung, so liegen im Start-Menü unter Internet brav Ximians Evolution als eMail und Mozilla als Web-Browser (allein die fehlende Bezeichnung der Anwendung dürfte Linux-Ethusiasten schon wieder als Bevormundung aufstoßen). Im Ordner Office findet man neben den OpenOffice-Applikationen den Gnome-Diagrammeditor Dia und die Projekt-Management Software MrProject. Überkommt den Anwender jedoch spontan der Wunsch, künftig doch lieber KMail benutzen zu wollen, ist es mit der Übersichtlichkeit schnell wieder vorbei, denn nun ist aktives Suchen angesagt. Aber siehe da, im Ordner Extras verbergen sich wahre Schätze, denn hier tauchen alle Ordner des Startmenüs wie Grafik, Internet, Office, Präferenzen etc. noch einmal auf ... KMail versteckt sich unter Extras|Internet|KMail, AbiWord und Gnumeric tauchen unter Extras|Office auf (die Default-Installation misshandelt also nicht nur die KDE-Anwendungen) und wer an diesem Punkt bedient ist, kann unter Extras|Systemeinstellungen mit einem Klick den Desktop wechseln.
Aus Sicht der Red Hat-Strategie ist dieser Desktop-Aufbau durchaus konsequent, denn man bietet dem Anwender genau eine ausgewählte Konfiguration als Bluecurve-Variante an. Wer etwas anderes haben möchte, muss wie bisher eben selbst Hand anlegen. Damit hat Red Hat die in der Community so hochgehaltene Freedom of Choice zwar untergraben, bietet aber Anwendern, die eine einfach zu installierende Basis-Installation auf dem Desktop wünschen, zumindest eine neue Möglichkeit. Die Frage ist allerdings, ob eine solche Beschränkung nicht viele Vorteile von Linux, nämlich eine große Auswahl an Applikationen für eine Aufgabe, wieder zunichte macht. Eine benutzerdefinierte Konfiguration, die eine freie Wahl der Anwendungen im Vorfeld ermöglicht und diese dann in ein einheitliches Startmenü integriert, wäre die bessere Lösung. Damit würde sich allerdings der Aufwand für den Distributor, der ja durch den neuen Ansatz reduziert werden soll, natürlich wieder deutlich erhöhen.
Dass der Bluecurve-Desktop sich weniger an Consumer richtet, sondern eher ein Testballon ist, wird beim Blick auf weitere Produktankündigungen deutlich. Denn im kommenden Jahr soll - dann auf Basis des Red Hat Advanced Server - ein Corporate Desktop auf den Markt kommen.
Xandros: Noch mehr Usability?
Mit Xandros engagiert sich seit kurzem noch ein weiterer Player im Linux-Desktop-Segment. Das Unternehmen übernahm die Linux-Sparte von Corel und bastelte aus dem Debian-basierten Corel Linux den Xandros Desktop. Was die mitgelieferten Anwendungen angeht, ist dieser mit den bisher beschriebenen Distributionen vergleichbar, doch legt Xandros - genau wie SuSE mit dem neuen Office Desktop - Wert auf die Kompatibilität zu Windows-Anwendungen, die mit CodeWeavers CrossOver Office hergestellt werden soll. Wenn Xandros mit seinem eigenen Dateimanager die vollmundigen Ankündigungen von deutlich vereinfachtem Zugriff zwischen Windows- und Linux-Systemen tatsächlich erfüllt, dürfte die Distribution ein ernstzunehmender Kandidat im Desktop-Markt werden. Allerdings muss man auch klar sehen, dass hier auch in anderen Distributionen - nicht zuletzt mit dem Dateimanager Nautilus - bereits deutliche Fortschritte erzielt wurden.
Wo bleiben Lösungen mit integrierter Hardware?
Ein Problem, das beim momentanen Entwicklungsstand von Linux, der das System auch für Privatuser immer interessanter macht, immer mehr in den Vordergrund rückt, ist die fehlende Integration von Hardware-Komponenten. Sicher, die Liste unterstützter Hardware ist lang, doch wer einen Multimedia-Desktop mit Internet-Anschluss und Netzwerkanbindung als Heimanwender einrichten will, muss schon vor dem Kauf seiner Systemkomponenten eine akribische Recherche anstellen, um nicht doch eine Soundkarte zu erwischen, die man partout nicht unter Linux zum Laufen bekommt. Und selbst wenn die gekauften Komponenten zumindest theoretisch von der gewünschten Linux-Distribution unterstützt werden, heißt das noch lange, dass Joe User es auch hinbekommt. Spärliche Angbote von einzelnen Hardware-Anbietern, die Systeme mit vorinstalliertem Linux auf den Markt brachten, konnten mit durchgängig funktionierenden Vorkonfigurationen bisher noch nicht überzeugen - oft mussten Käufer sogar erleben, dass Linux zwar vorinstalliert war, aber die verbauten Komponenten überhaupt nicht konfiguriert waren oder zum Teil vom aufgespielten System überhaupt nicht unterstützt wurden. Doch genau hier liegt ein Markt, den es noch zu erschließen gilt - und der sogar sehr lukrativ werden könnte. Dank Entwicklungsumgebungen wie Kylix war es nie einfacher als heute, die ach so geliebten kleinen nützlichen Windows-Programme, die von PC-Zeitschriften gleich im Dutzend auf CD mitgeliefert werden und bisher nur für Windows verfügbar sind, zumeist in Delphi oder C++ geschrieben, auf Linux-Systeme zu portieren. Interessant wird dies aber für viele Software-Anbieter erst, wenn es neben einem größeren Office Desktop-Markt auch einen nennenswerten Markt der Linux-Privatanwender gibt.
Apfel-Kur
Mit dem jüngsten Release von Apples Unix- bzw. FreeBSD-basiertem Betriebssystem MacOS X 10.2, das im kommenden Jahr auf der von Apple ausgelieferten Hardware das alte MacOS vollständig ablösen soll, hat sich die Desktop-Diskussion ausgeweitet. Auf der O'Reilly MacOS X Conference äußerte beispielsweise FreeBSD-Mitbegründer Jordan Hubbard, der zu Apples Core OS Engineering Division gehört: Ich glaube, MacOS X wird den Krieg gewinnen, denn wir [mit FreeBSD] verloren haben. Die Vorteile des vor allem bei Designern beliebten Mac-Systems liegen auf der Hand. Anwender erhalten einen voll integrierten Desktop mit zahlreichen Anwendungen. eMacs oder iMacs kommen als All-in-One-Lösung, sodass der Käufer sich über Hardwareunterstützung keine großen Gedanken zu machen braucht. Zusätzliche Komponenten erwirbt er - zugegebenermaßen für oft stolze Preise - bei seinem favorisierten Mac-Händler und klinkt sie einfach via USB oder FireWire ein. So einfach kann computern sein ... Die von Linuxern so geschätzte Freedom of Choice bleibt zwar beim Hardware- und auch beim Softwareangebot ein wenig auf der Strecke, aber was macht das schon, wenn man dafür leicht ein System erhält, das einfach funktioniert?
Hinzu kommt, dass das Apple-Unix inzwischen auch in der klassischen Geek-Fraktion immer mehr Anhänger findet. Auf Konferenzen sind die Titanium-Books längst kein singuläres Phänomen mehr, denn auf den Apple-Notebooks finden Entwickler neben einer nett polierten Aqua-Oberfläche natürlich auch ihr Lieblings-Tool, die Konsole.
Tim O'Reilly initiierte zu dem neuen Phänomen am Unix-Himmel, im Zuge dessen auch Unixer die grafische Oberfläche nicht mehr meiden wie der Teufel das Weihwasser, eine kleine Webumfrage, die zwar nicht repräsentativ, aber doch exemplarisch ist. Entwickler Jim Thompson beispielsweise begründete hier seinen Umstieg von Linux auf MacOS X folgendermaßen: Everything JUST works. Its weird. No fiddling, no editing of files. Und Mike O'Dell, früherer CTO von UUnet, fügt hinzu: MacOS X is a dream come true for a Unix user who wants to use the system, not spend all his available cycles trying to get the desktop software to work right.
Die Apple-Produkte sind natürlich - nicht nur mit Blick auf den stolzen Preis der Hardware - kein Allheilmittel in der Desktop-Diskussion, doch zeigt das Beispiel Apple, dass es für ein Unternehmen grundsätzlich möglich ist, mit einer Mischung aus offenen und proprietären Ansätzen einen Desktop zu entwickeln, der an Usability kaum etwas zu wünschen übrig lässt. Zwar ist die Hardware-Unterstützung für Macs nicht so groß wie die für Windows, doch bleiben dem Anwender immer noch sehr viele Wahlmöglichkeiten - und dies ohne umfangreiche Recherchen.
Hier genau liegt denn auch eine der großen Schwachstellen, die Linux jenseits einer weiteren Verbesserung der Desktop-Anwendungen noch überwinden muss. Bisher gibt es keine Instanz, die gezielt umfassende Kontakte zu möglichst vielen Anbietern von Devices wie Sound- und TV-Karten, Druckern und ISDN/DSL-Karten herstellt, um für Anwender wirklich transparente Angebote zu schaffen. Wer als Heimanwender einen Linux-Multimedia-PC in Betrieb nehmen will, kommt um umfassende Nachforschungen in den Hardware-Datenbanken der Distributoren, auf Hersteller-Seiten und in den einschlägigen Foren nicht herum - und stellt sich anschließend am besten einen PC aus einzelnen Komponenten zusammen. Das ist vielen potenziellen Kunden nicht nur zu aufwändig, sondern sie haben auch Zweifel, ob es ihnen gelingt, die grundsätzlich unterstützen Devices später wirklich zum Laufen zu bringen. UnitedLinux könnte hier, zumindest theoretisch, für einen Schritt nach vorne sorgen - wenn das Thema als solches erkannt wird.
Ein anderer Punkt, der nicht zuletzt bei dem vom Linux-Verband LIVE auf der LinuxWorld initiierten Desktop-Talk diskutiert wurde, ist in der Linux-Welt nach wie vor das Fehlen von Frameworks. Die verschiedenen Architekturen von KDE und Gnome machen es selbst emsigen Distributoren schwer, auf dem Desktop wirklich aufzuräumen, denn Anwendungsentwickler müssen weiter nach einem Entweder-Oder-Prinzip handeln. Eine einheitliche Applikations-Architektur würde hier vieles einfacher machen.
Ob Linux jemals ein wirkliches Joe User-System werden wird, ist in absehbarer Zeit also nicht absehbar.
Bücher über MacOS X
Wer sich kurz und prägnant über die wichtigsten Details von Apples Unix informieren möchte, sollte zu dem bei O'Reilly erschienenen Bändchen MacOS X - kurz & gut (ISBN: 3897212455) greifen, denn hier werden auf wenigen Seiten der grundsätzliche Systemaufbau und die Programme, die Unix-Grundlagen von MacOS X und grundlegende Konfigurationsfragen beschrieben. Eher an Heimanwender richtet sich das bei bhv in der Reihe Das Einsteigerseminar erschienene Buch MacOS X (ISBN: 3826671686), das vor allem auf das konkrete Arbeiten mit der Aqua-Oberfläche eingeht. Wer umfassendere Informationen sucht und keine Einführung in Unix erwartet, sollte einen Blick auf das SmartBook für Einsteiger, Umsteiger und Aufsteiger (ISBN: 3908492246) werfen.
Für Entwickler dürfte das mitp-Buch MacOS X Programmierung (ISBN: 3826608410) ein guter Tipp sein, denn hier werden entsprechende Entwicklungsumgebungen vorgestellt und es erfolgt eine Einführung in das Carbon-API. Für die Kommandozeilen-Anhänger empfiehlt sich der O'Reilly-Band Learning Unix for MacOS X (ISBN: 0596003420), der die wichtigsten Tools und Befehle erklärt.
Wer auch, aber nicht nur einen Einblick in die nette Aqua-Oberfläche nehmen will, und gleichzeitig tiefer in die Unix-Aspekte des Betriebssystems einsteigen will sowie sich für fortgeschrittenere Administrationsfragen und Web Development mit dem Mac interessiert, der kommt an MacOS X Unleashed (ISBN: 0672322293) nicht vorbei, denn der 1.500 Seiten-Wälzer lässt wohl kaum einen Aspekt von Apples Unix unbeachtet. Wer es gerne apokalyptischer hat, kann auch einen Blick in MacOS X Disaster Relief (ISBN: 0201788691) werfen, um nach Troubleshooting-Techniken zu suchen. In der Apple-Gemeinde ein Kult-Klassiker ist MacOS X. The Missing Manual (ISBN: 0596000820), das von Pogue Press/OReilly herausgegeben wird.
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