Mittwoch, 23. Mai 2012


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Januar 2010 | Artikel

Auf die Plätzchen, fertig, los!

(Link zum Artikel: http://www.entwickler.de/jaxenter//002803)

Perspektivenwechsel

Text: Henning Wolf und Arne Roock
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Papa war letzte Woche auf einer Scrum-Schulung und ist jetzt frisch gebackener Scrum Master. Deswegen wollte er dieses Jahr Oma, Mama, Sophie und mich beim Plätzchenbacken organisieren. Und so sah das dann aus:

Papa war letzte Woche auf einer Scrum-Schulung und ist jetzt frisch gebackener Scrum Master. Deswegen wollte er dieses Jahr Oma, Mama, Sophie und mich beim Plätzchenbacken organisieren. Und so sah das dann aus: Wie jedes Jahr hat Oma ihre Lieben (so nennt sie uns) gebeten, dass wir für Ihre Freunde und Bekannten aus dem Altersheim, ihrer Kegelrunde und den Seniorenkreis Plätzchen backen. Früher hat Oma das natürlich selbst gemacht, aber jetzt hat sie Arthritis in den Händen und kann auch nicht mehr so gut kucken. Oma hat genaue Vorstellungen, für wen welche Plätzchen zu welchem Termin gemacht werden sollen. Das fand Papa gut und hat gesagt, dass jetzt die "Product Oma" feststeht. (Später habe ich erfahren, dass es wohl "Product Owner" hätte heißen müssen, aber wie soll man da auch drauf kommen!) Omas Liste mit den benötigten Plätzchen nannte Papa Back-Log, wofür auch immer das "Log" steht. Auf der Liste von Oma gab runde Plätzchen für die Kegelrunde, mit Schokolade überzogene Weihnachtsbäume für den Seniorenkreis und mit Fruchtzucker gebackene Kekse in unterschiedlichen Formen für das Altersheim.

Als wir dann mal Zeit hatten und alle in der Küche waren, durften wir nicht gleich anfangen wie sonst, sondern mussten uns erst mal hinsetzen. Mama dachte, dass es so besinnlicher wäre, aber Papa meinte, das wäre das Sprint Planning. Am Adventskranz brannte eine Kerze, und Papa fand das super, weil das dann Sprint 1 wäre oder so. Oma hat dann nochmal erzählt, was sie an Plätzchen bräuchte und wie nett das doch von uns wäre, dass wir das für sie gebacken bekommen würden. Papa hat dann gefragt, was jetzt am wichtigsten wäre, und Oma meinte, dass zuerst die Kegelrunde eine Weihnachtsfeier macht, dann der Seniorenkreis und das Altersheim kurz vor Weihnachten zum Schluss. Mama hat dann noch angemerkt, dass die schokoladeüberzogenen Weihnachtsbäume wohl trotzdem als Erstes drankommen sollten, weil die ja noch nach dem Backen und Abkühlen mit Schokolade überzogen werden müssten. Das wollte Papa aber nicht gelten lassen und meinte, dass wir uns trotzdem erst einmal ausschließlich auf die runden Plätzchen für die Kegelrunde konzentrieren sollten. Denn mit dem Backen alleine war es auch für die Kegel-Plätzchen nicht getan. Hier sollten hinterher immer jeweils 9 Plätzchen in eine Tüte verpackt werden. Mama hat die Augen verdreht, aber Papa machen lassen.

Jetzt ging es also los mit dem Backen. Papa hat darauf bestanden, dass Mama sich von Oma das Rezept erzählen lässt und notiert, damit wir auch zurechtkommen, wenn Oma gerade ihr Nickerchen macht (da hatte er auch einen schlauen Begriff, Back-Faktor oder so). Sophie suchte die runden Ausstechformen, und ich stellte fest, dass bei uns Mehlbox Zero war. Nichts mehr da, kein Mehl. Ich dachte, dass das ein ziemliches Problem sein könnte und teilte es sogleich Papa mit. Der hielt es aber nur für ein Impediment und lief zu den Nachbarn rüber, um sich Mehl zu borgen. Schnell war er ziemlich stolz mit dem Mehl zurück und meinte, dass das Beseitigen von Impediments ja genau der Job des ScrumMasters wäre. Ich glaube, er war bloß froh, dass er auch was beitragen konnte, wo er doch sonst nur mit Computern kann und zwei linke Hände hat (sagt Mama). Wir haben den Teig angerührt und ausgerollt. Sophie und ich haben dann runde Formen zum Ausstechen der Plätzchen benutzt, da ist Papa aufgefallen, dass die ja alle unterschiedlich groß werden, weil wir vier unterschiedliche runde Ausstechformen benutzt haben.

Ich sollte dann zur Product Oma laufen und fragen, ob das so okay ist. Oma hat dann gesagt, dass es schon okay ist, nur die ganz kleine runde Form nicht verwendet werden sollte. Mama hat den Ofen vorgeheizt und ein ums andere Blech mit den ausgestochenen Plätzchen in den Ofen geschoben. Dabei hatte sie zwischendrin Zeit und hat Papa angebettelt, dass man doch jetzt schon mal mit dem Teig für die Weihnachtsbäume anfangen könnte, aber Papa blieb hart.

Dann passierte etwas Fürchterliches: Der Ofen ging bei den letzten beiden Blechen aus und wollte auch nicht wieder angehen. Mama war entsetzt und Papa wieder stolz wie sonstwas, denn er meinte, es wäre ja nicht so schlimm, weil wir die wichtigsten als nächstes benötigten Plätzchen zuerst gebacken haben. Mama hat immerhin einmal anerkennend geschaut und dann das Impediment mit dem kaputten Ofen Papa überlassen. Wir saßen dann noch bei Kerzenschein zusammen, aber wieder nicht für Mamas Besinnlichkeit, sondern für ein Review (da hat Oma die Plätzchen angeschaut und probiert, und wir durften auch welche haben) und eine anschließende Retrospektive. Da wollte Papa wissen, was denn gut und was nicht so gut funktioniert hatte. Vor allem Mama hatte da Ideen, z. B. dass diese Backpapierzuschnitte super wären, aber erstaunlich viel Teig nicht zu Plätzchen verarbeitet wurde, sondern in Sophies und meinem Mund verschwunden wären. Sophie und ich hatten solche Bauchschmerzen, dass es uns nicht schwer fiel, für das nächste Mal Besserung zu geloben.

Bis zum nächsten Sprint (2. Kerze am Adventskranz) hatte Papa das Ofenproblem beheben lassen, und wir machten uns jetzt an die Weihnachtsbäume. Alles klappte wie erwartet gut, und da Sophie und ich diesmal selbst die Backbleche in den Ofen schoben, konnte Mama mit dem Teig für die Seniorenplätzchen anfangen. Den haben wir dann gerollt und Plätzchen ausgestochen, während die Weihnachtsbäume abkühlten. Den Schokoladenüberzug haben wir dann nur noch für die Hälfte der Weihnachtsbaumplätzchen geschafft, sollten dann aber ins Bett. Papa meinte, unsere Timebox wäre abgelaufen.

Im dritten Sprint sind wir dann aber fertig geworden, und hatten sogar noch genug Zeit, auch noch Plätzchen für uns zu backen. Hoffentlich hat Papa neben seinem Job als Scrum Master auch noch dran gedacht, Weihnachtsgeschenke für uns zu kaufen! Sophies und meine Wunschlisten (von Papa jetzt Xmas-Backlogs genannt) sind jetzt jedenfalls priorisiert, sodass da eigentlich nichts schiefgehen sollte.

Frohes Fest und guten Rutsch!

Hier noch Omas einfaches Plätzchenrezept:

100g Zucker, 200g Butter, 300g Mehl mit 2 Eiern verrühren, 30 Minuten im Kühlschrank gehen lassen und dann ausrollen und ausstechen und bei 180 Grad im Backofen am besten auf Backpapier für ca. 15 Minuten backen. Fertig. Und lecker.

Dipl.-Inform. Henning Wolf ist Geschäftsführer der it-agile GmbH in Hamburg. Er verfügt über langjährige Erfahrung aus agilen Softwareprojekten (XP, Scrum, FDD) als Entwickler, Projektleiter und Berater. Er ist Autor der Bücher "Software entwickeln mit eXtreme Programming" und "Agile Softwareentwicklung". Henning Wolf hilft Unternehmen und Organisationen, agile Methoden erfolgreich einzuführen.
Arne Roock arbeitet bei der it-agile GmbH in Hamburg. Als studierter Germanist interessiert er sich für informative, leicht verständliche und kooperative Kommunikation. Außerdem beschäftigt er sich seit Längerem mit den Themen Selbstorganisation und Zeitmanagement in der IT.

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Kommentare

Gravatar RPR 10.01.2010
um 14:22 Uhr
Ein netter Artikel, der auch noch ein paar agile Ideen veranschaulicht, vielen Dank! :-)

Was mir (und wohl auch dem Autor) dabei wirklich ins Auge sticht, sind die unbedingt-(pseudo-)englischen Begriffe.
Absolut schrecklich!
Man fragt sich unwillkürlich, wie weit es mit Konzepten her sein kann, für die Leute noch nicht einmal die Zeit aufbringen wollen, wenigstens die Grund-Begriffe ins Deutsche zu übersetzen!?
Oder wollen einfach nur die, die sie benutzen, furchtbar gescheit und "möchtegern-weltläufig" klingen?
Das Argument, dass Projekt-Teams u.U. international sind, gilt nur, wenn wirklich der k. g. Nenner das englische ist - dann muss aber bitteschön die komplette Kommunikation in sauberem (!) englisch verlaufen - nicht nur die "edge points" (*ironie*)!

Wie auch immer, vielleicht hört sich in dem gelungenen Artikel der ein oder andere abgehobene "Projekt-Fuzzi" ja sich selbst irgendwie da heraus und beginnt mal zu überlegen, ob man "Scrum" nicht vielleicht näher an die Leute bringen könnte, wenn man doch deren eigene Sprache benutzen würde?!
Würde doch zu einem agilen Konzept passen möchte ich meinen?
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Gravatar Aljoscha Rittner 11.01.2010
um 09:49 Uhr
Moin!

Hier gibt es im Blog ein paar sinnvolle Vorschläge, wie man ein paar Scrum Begriffe im deutschsprachigen Kontext übersetzen könnte:

http://www.heise.de/developer/artikel/Gedanken-zur-Sprache-in-Scrum-353169.html

* Sprint: Iteration
* Sprint-Backlog: Iterationsplan oder Aufgabenliste (für Iteration x)
* Produkt-Backlog: Featureliste
* Burn-Down-Chart: Abarbeitungsdiagramm
* Daily-Scrum-Meeting: tägliches Team-Treffen
* Product-Owner: Produktverantwortlicher (oder Produktmanager)

Ich bin zwar nicht immer für ein komplettes eindeutschen, aber wenn es dem Verständnis dient, macht das wirklich Sinn einzelne (häufig verwendete Schlüsselwörter) zu übersetzen.

Beste Grüße,
Aljoscha.
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Gravatar RPR 11.01.2010
um 20:30 Uhr
Hallo Aljoscha,
vielen Dank für den guten Link zu Heise :-)

Viele Grüße,
RPR
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Gravatar Thomas 27.01.2010
um 12:23 Uhr
Ja guter link..
Ich backe mit meinen Kindern mein ganzes leben gerne plätzchen..
:-)
Thomas
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