JAXenter: IntelliJ IDEA-User Armin fragt nach der Unterstützung für Groovy:
Mit meinem Interesse für Groovy bin ich schnell auf IDEA gestoßen und muss sagen, dass die Unterstützung für Groovy (und natürlich auch Java) echt sehr gelungen ist. Bei einem detaillierten Vergleich zwischen Eclipse 3.5, NetBeans 6.7.1 und IntelliJ IDEA 8.1.1 musste ich feststellen, dass IDEA im Moment die einzige IDE ist, mit der man vernünftig Groovy programmieren kann.
Daraus ergeben sich die Fragen: Wie wird Groovy derzeit von NetBeans unterstützt? Was ist diesbezüglich geplant? Wie sieht es für andere JVM-Sprachen aus, insbesondere Scala und Ruby?
Aljoscha Rittner: Wie Ted Farell schon ausgeführt hat, besteht ein massives Interesse daran, NetBeans als die IDE für dynamische Sprachen weiterzuentwickeln. Die Parser/Scanner-Architektur wird schon seit 6.0 umfangreich umgebaut, um das Implementieren von weiteren Java-VM- und Skript-Sprachen deutlich zu vereinfachen.
Das Scala-Plug-in wird kontinuierlich weiterentwickelt. Groovy + Grails läuft ohne Probleme, ist aber ausbaufähig und wird unter dem Aspekt der Fokussierung von Oracle sicherlich verbessert. Das Ruby-Plug-in erfährt inzwischen auch tägliche Commits. Ganz besonders soll JavaFX als VM-Sprache vorangetrieben werden. Im Skripting-Bereich ist die PHP-Unterstützung durch NetBeans führend und wird weiter ausgebaut.
Unabhängig davon erhalten alle Sprachen durch die Editor-Anpassungen deutliche Verbesserungen (Beispielsweise für 6.9 das neue Soft Word Wrap, Visible Whitespaces und Block Selection Tools).
JAXenter: Dominik Hofmann stellt zum Abschluss eine interessante übergreifende Frage:
Was steigert Ihrer Meinung und Erfahrung nach die Produktivität in einem Projektteam mehr? Wenn jeder Entwickler seine Lieblings-IDE verwendet, oder wenn es eine einheitliche IDE im Unternehmen oder Projekt gibt? Wären Sie bereit, auf die von Ihnen entwickelte IDE zu verzichten, um eine einheitliche IDE in einem Unternehmen/Projekt zu ermöglichen?
Aljoscha Rittner: Wenn man mich das vor fünf Jahren gefragt hätte, wäre die Antwort eindeutig gewesen: Das Projektteam hat eine IDE zu verwenden. Aber inzwischen ist die Aussage gar nicht mehr so klar zu treffen.
Wir sprechen ja von einer IDE, also einem Integrated Development Environment. An sich handelt es sich also um ein Rich-Client-Programm, welches alle Entwicklungsprozesse umfassend anbieten sollte. Dieses Ganzheitskonzept ist aber gar nicht mehr der primäre Fokus einer IDE. Inzwischen ist eine Entwicklungsumgebung mehr und mehr zu einer Management-Konsole von vielen Entwicklungstools geworden. Das fängt bei Build-Systemen an, die nur über die IDE angesteuert werden (z.B. Ant). Es geht weiter zu Version Control Systemen (Mercury, Subversion, Git), deren Vorhandensein auf einem entfernten Server ausgesprochen sinnvoll ist. Die IDE ist da nur noch der Client. Mehr und mehr wird auch in mittelgroßen Projektteams Continuous Integration (z.B. Hudson, Continuum) eingesetzt. Das führt dazu, dass es schon jetzt nicht mehr notwendig ist, Projektmitglieder auf eine Entwicklungsumgebung festzulegen. Die Projektvorgaben sind deutlich weniger abhängig von den unterstützten Fähigkeiten der IDE, als es vielleicht vor fünf Jahren war.
Meines Erachtens stellt sich da auch nicht mehr die Frage nach dem Verzicht auf eine bestimmte IDE, um in einem Projekt mitarbeiten zu können. Man nutzt die IDE, die am besten in die Build-, Test- und Versioning-Systeme passt.
JAXenter: Vielen Dank an Aljoscha Rittner für seine ausführlichen Antworten und natürlich auch an alle Kommentatoren für ihr reges Feedback!
Aljoscha Rittner ist Gesellschafter und Geschäftsführer der Sepix GmbH in Hann, Münden. Zu den Aufgaben der Sepix GmbH gehört die Entwicklung von CRM und Groupware Anwendungen für den Desktop Bereich. Aljoscha Rittner beschäftigt sich mit der professionellen Softwareentwicklung seit knapp 18 Jahren. Seine primäre Programmiersprache ist Java insbesondere für Desktopapplikationen basierend auf das GUI Toolkit Swing. Seit drei Jahren wird von ihm die NetBeans-Plattform als umfassendes Swing-Framework in der Softwareentwicklung eingesetzt.
Im Oktober 2008 wurde Aljoscha Rittner in das NetBeans Dream Team berufen, wo er die Community als Trainer im NetBeans Platform Certified Training und Unternehmen beim Auf- und Umbau von NetBeans-Plattform-Anwendungen, sowie bei der Migration von Legacy-Anwendungen auf die NetBeans-Plattform unterstützt.




