Sonntag, 12. Februar 2012


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Februar 2010 | Artikel

"Cultural Change - Der sanfte Übergang zum agilen Projekt"

(Link zum Artikel: http://www.entwickler.de/jaxenter//002900)

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Wie wird ein klassisch arbeitendes Projekt zum SCRUM-Projekt? Diese Frage beantworten Colette Ziller und Dietmar Matzke von Opitz Consulting in ihrer Session "Cultural Change - Der sanfte Übergang zum agilen Projekt" auf dem Agile Day der JAX 2010. Im Gespräch mit JAXenter geben sie einen kleinen Vorgeschmack auf die Session und erklären, warum Agilität nicht automatisch auch eine Produktivitätssteigerung mit sich bringt.

JAXenter: Hallo Frau Ziller, hallo Herr Matzke! Sie beraten Projekte, wie sie zu einer agileren Arbeitsweise gelangen können. Wobei setzen Sie hier an? Gibt es typische Bremsfaktoren, die Agilität in einem Projekt verhindern?

Hr. Matzke: Meines Erachtens ist Agilität keine Selbstverständlichkeit. Zwei Dinge beeinflussen die Agilität in einem Projekt: das Team selbst und die äußeren Einflüsse. Wenn das Team gut geschützt seine Kompetenzen ausspielen kann, erhöht dies das Selbstbewusstsein.

Die größten Bremsfaktoren in agilen Projekten sind Unverständnis oder Ignoranz gegenüber etablierten Regeln. Agilität wird oft mit Hyperaktivität verwechselt und die Schutzräume für das Team werden dadurch oft torpediert. Als Argument hört man dann oft: „Wir sind doch jetzt agil, können wir das nicht bis morgen noch reinkriegen.“

Fr. Ziller: Und genau dort setzen wir an. Allen Beteiligten müssen die Spielregeln bewusst sein, damit sich die Agilität auch entfalten kann. Wie die einzelnen Aspekte der Methode ineinander greifen, müssen sowohl die Stakeholder als auch die Teammitglieder wissen und auch was sie aufgeben, wenn sie sich von bisher bekannten Werten verabschieden. In unseren Projekten werden genau diese Punkte den Stakeholdern und den Teammitgliedern bewusst gemacht. Sie werden auf die andere Denkweise in agilen Projekten vorbereitet, und wenn nötig erfolgt ein sanfter Übergang für alle Beteiligten.

JAXenter: Sind agile Projekte automatisch auch produktiver?

Fr. Ziller: Nein, das würde ich nicht sagen. Agilität ist keine Garantie für Produktivität. Produktivität in agilen Projekten setzt Motivation und Ehrgeiz der einzelnen Teammitglieder voraus. Ein entsprechendes Umfeld und Anreize hierfür müssen die Stakeholder im Unternehmen schaffen. Wenn die Stakeholder dies nicht verstehen und umsetzen, kann dies sehr schnell negative Auswirkungen auf die Produktivität haben.

Hr. Matzke: Agilität schützt nicht vor Unproduktivität. Viele agile Vorgehensmodelle helfen allerdings dabei, Probleme und Schwächen, die der Produktivität im Wege stehen, zu erkennen und zu beseitigen. Erkenntnis ist hier der erste Schritt zur Verbesserung. Das Team kann dann alles daran setzen, die Hürden aus dem Weg zu räumen.

JAXenter: Auf dem Agile Day halten Sie einen Vortrag über den Cultural Change, der in einem agilen Projekt nötig ist. In welchem Sinn sprechen Sie hier von einem Kultur-Wandel?

Fr. Ziller: Der Kultur-Wandel muss vor allem in den Köpfen und der Arbeitsweise der Teammitglieder stattfinden. In einem Unternehmen, in dem die Mitarbeiter bisher nur ausführend tätig waren, keine Aufwandabschätzungen vornehmen mussten und keine Verantwortung für den Projektfortschritt übernahmen, ist dies ein sehr radikaler Schritt und eine große Umstellung. Wichtig ist es dann, den Mitarbeitern die Angst und Hemmungen vor diesen Herausforderungen zu nehmen. Dazu gehört ebenfalls, dass die Stakeholder des Projektes Vertrauen in das Team aufbauen.

Hr. Matzke: Die kulturellen Einstellungen der Mitarbeiter in einem Team sind oft über Jahre hinweg gewachsen. Schauen sie sich zum Beispiel die Offenheit und Transparenz in agilen Projekten an. Diese erfordern einen ganz anderen Umgang im Bezug auf Fehler wie dies bisher der Fall war. Fehler sollen als Chance zum Lernen begriffen werden. Waren in einem Team aber Fehler bisher der Grund für Sanktionen, so erfordert dies einen kulturellen Wandel, der nicht von heute auf morgen zu erzielen ist. Genau hier setzen wir an. Verständnis auf der Führungsebene und Offenheit aus dem Team können die Effektivität und somit auch die von Ihnen erwähnte Produktivität steigern.

JAXenter: Und worum wird es, knapp gesagt, im Vortrag noch gehen?

Fr. Ziller: Der Vortrag beschreibt die Einführung von Scrum und die Schritte, die wir gewählt haben, um mit den Unterschieden in den kulturellen Gegebenheiten zweier Unternehmen umzugehen. Wir wollten die Methode mit dem maximalen Gewinn für das Team und das Projekt einführen. Dazu mussten wir auch unkonventionelle Wege gehen.

Hr. Matzke: Diese Wege werden im Vortrag näher betrachtet und wir reden über die Erfahrungen, die wir daraus gezogen haben. Denn auch wenn die Methode klar und einfach erscheint, ist ein pragmatischer Ansatz notwendig, um das Team und die Stakeholder dafür zu gewinnen. Es handelt sich damit also gewissermaßen um eine Retrospektive, bei der wir das Gelernte mit den Besuchern der JAX teilen wollen.

JAXenter: Vielen Dank für dieses Gespräch!

Dietmar Matzke (Dipl. Informatiker TUM) arbeitet als Projektmanager im Bereich Application Engineering bei der Opitz Consulting München GmbH. Er beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit Methoden und Vorgehensmodellen im Softwareentwicklungsprozess speziell von Enterprise Applikationen, die auf der Basis von Java EE und mit dem Spring Framework entwickelt wurden. Als zertifizierter Scrum Master begleitet er Kunden bei der Einführung agiler Projektmanagement-Methoden und coacht selbstorganisierte Teams.

Colette Ziller (Dipl. Betriebswirtin f. Wirtschaftsinformatik) ist Projektmanagerin im Bereich Business Engineering bei der Opitz Consulting München GmbH. Ihre Schwerpunkte liegen im Bereich Business- und IT-Alignment, insbesondere dem Anforderungsmanagement. In den Projekten koordiniert sie die Anforderungen mehrerer Fachabteilungen, sorgt für eine zielgerichtete Produktentwicklung und unterstützt die Abstimmungen zwischen Fach- und IT-Bereichen. In agilen Projekten nimmt sie die Rolle des Scrum Product Owners ein.

Agile Woche auf JAXenter
Im Rahmen der "Agilen Woche" widmet sich JAXenter mit Artikeln, Videos und Interviews in besonderem Maße dem Thema "Agilität in der Softwareentwicklung". Wer das Thema darüber hinaus weiter vertiefen möchte, kann in dieser Woche noch von einem besonderen Angebot profitieren:

Registrieren Sie sich noch bis Donnerstag, 25. Februar für die Hauptkonferenz der JAX 2010 in Mainz und bekommen Sie neben dem Very-Early-Bird-Frühbucherrabatt auch noch die Teilnahme am Agile Day der JAX geschenkt!

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