Mittwoch, 23. Mai 2012


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März 2010 | Artikel

Eclipse e4: "Innovation ja, aber nicht bei der Plattform"

(Link zum Artikel: http://www.entwickler.de/jaxenter//002912)

Doug Schaefer über e4 und seine Alternativen

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Im Eclipse-Inkubator e4 werden derzeit die Technologien für das Eclipse SDK 4.0 entwickelt. Die Ansätze, die im e4-Projekt verfolgt werden, sind indes nicht unumstritten. In der kontrovers geführten Diskussion um die zukünftige Ausrichtung der Eclipse-Plattform hat sich zuletzt CDT-Project-Lead Doug Schaefer kritisch zu Wort gemeldet. Im Interview mit dem Eclipse Magazin spricht er über e4 und seine Alternativen.
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Eclipse Magazin: Hallo Doug. Du leitest das Eclipse CDT (C/C++ Development Tools) Projekt nun schon eine ganze Weile und konntest reichlich Erfahrung sammeln mit Open-Source-Entwicklungsprozessen. Was ist für dich der Schlüssel zum Erfolg eines Open-Source-Projekts?

Doug Schaefer: Den Schlüssel zum Erfolg eines Open-Source-Projekt sehe ich hauptsächlich in einer möglichst großen Diversität der Community, und zwar sowohl hinsichtlich der aktiven Mitarbeit am Projekt als auch bezüglich der Nutzung der Software, die das Projekt hervorbringt. Das CDT-Projekt ist erfolgreich, weil eine große Zahl verschiedener Anbieter aus unterschiedlichen Industriezweigen, vom Embedded- bis zum Enterprise-Sektor, am Projekt mitarbeitet. Es gibt auch viele Unternehmen, die zwar keine CDT-basierten Produkte anbieten, aber CDT intern einsetzen, z.B. Google und Cisco, und ebenfalls Beiträge zum CDT-Projekt leisten. Es ist wirklich wichtig, dass jeder zum Gedeihen des CDT-Projekts beiträgt, und eine große Zahl mitwirkender Parteien mit unterschiedlichen Interessen hilft, dabei ein gewisses Gleichgewicht zu halten.

Ich habe zu viele Projekte gesehen, die von einem einzigen Anbieter getragen werden und es dann schwer haben, Mitstreiter zu finden, da diese sich nicht über die Absichten des Anbieters im Klaren sein können. Es ist deshalb sehr schwierig, den Sprung von einem Single-Vendor-Projekt zu einem Multi-Vendor-Projekt zu schaffen, und das Wachstum des Projektes wird gebremst. Auch ein Single-Vendor-Projekt muss im Grunde für das Wohl anderer arbeiten und nicht nur an den eigenen Geldbeutel denken. Und das ist ziemlich schwierig zu realisieren, zumindest ist es schwierig zu rechtfertigen gegenüber dem Unternehmen, das dich bezahlt.

Eclipse Magazin: In einem Blogposting vor einigen Wochen [1] sagtest du, dass wir uns mit e4 in unsichere Gewässer begeben würden. Glaubst du, Eclipse könnte den Pfad des Erfolgs mit Eclipse 4.0 verlassen?

Doug Schaefer: Ich glaube nicht, dass das e4-Projekt Eclipse schaden wird. Ich denke, die Technologien, an denen dort gearbeitet wird, sind sehr interessant und bieten gute potentielle Möglichkeiten, die Eclipse in der Zukunft brauchen wird. Aber wir müssen vorsichtig damit sein, auf welche Weise wir diese Technologien einführen. Millionen von Dollar wurden investiert in Produkte, die die existierenden Eclipse Frameworks verwenden, und die Anbieter dieser Produkte werden es nicht mit ansehen, dass diese Investitionen gefährdet werden. Ich glaube also, dass wir eine Selbstkorrektur des Problems erleben werden. Viele Produkte von IBM selbst basieren auf Eclipse 3.x, und allein dieser Umstand wird dem e4-Team helfen, eine langfristige Technologie-Einführung zu planen.

Meine Absicht war es nur, sicherzustellen, dass die Leute nicht auf den Gedanken kommen, e4 würde mit einem Schlag erscheinen, alles wäre dann wunderbar und jeder würde e4 sofort mit offenen Armen empfangen und einsetzen. Eclipse wird von den Geschäftsbedingungen und -anforderungen der Anbieter getrieben, die Beiträge zu Eclipse leisten. Wir müssen also pragmatisch vorgehen, wenn wir diese neuen Technologien einführen wollen.

Eclipse Magazin: Welche Folgen hätte es, wenn sich Eclipse in eine 3.x- und eine 4.x-Entwicklungslinie aufsplitten würde?

Doug Schaefer: Ich glaube nicht wirklich, dass sich die Plattform in dieser Form aufteilen wird. Das e4-Team führte Apache als Beispiel dafür an, wie man bei der Einführung vorgehen könnte, aber die Eclipse-Plattform ist ein ganz anderes Gewächs. Eclipse verfügt über eine riesige Community von Anwendern, die die Plattform einsetzen. Nicht viele davon werden Interesse daran haben, sowohl 3.x als auch 4.x zu unterstützen. Ich erwarte, dass 3.x noch lange weiterbestehen bleibt und dass Features der 4.x-Entwicklungslinie ihren Weg in die 3.x-Linie finden werden.

Ich denke auch, dass e4 mit seinen Arbeiten eigentlich die RCP-Community bedient und nicht unbedingt die IDE betrifft. Viele Projekte, die an den Eclipse Release Trains teilnehmen, sind aber IDE-Projekte. Es wird also die 4.x-Entwicklungslinie geben, doch ihre Community wird außerhalb von Eclipse stehen: Anbieter und Organisationen, die RCP-Anwendungen entwickeln. Die IDE-Anbieter werden wahrscheinlich noch sehr lange bei der 3.x-Linie bleiben. Wenn es also zu einer Aufteilung der Plattform kommen sollte, dann werden die verschiedenen Plattformen unterschiedliche Communities adressieren – zumindest für die nächsten paar Jahre.

Verwirrend wird es, wenn einige der Projekte zu 4.x übergehen und 3.x nicht mehr unterstützen, während andere bei 3.x bleiben. Ich bin mir nicht sicher, was das für den Release Train bedeuten würde und für die kommerziellen Produkte, die auf diesen Projekten aufbauen.

Eclipse Magazin: In einem Kommentar zu deinem Blog sagte Mike Milinkovich, dass Innovation absolut notwendig sei, um zu überleben. Was würde aus deiner Sicht "echte" Innovation bei Eclipse bringen? Und wie viel Innovation ist gut für die Eclipse-Plattform?

Doug Schaefer: Bei Eclipse gibt es jede Menge Innovation, aber ich zweifle daran, dass diese bei der Plattform nötig ist. Eclipse ist unglaublich erfolgreich in vielen vertikalen Industrie-Segmenten. Leute entwickeln wirklich coole Applikationen und Frameworks auf Basis von Eclipse. Während ich also Mike in seinem Kommentar grundsätzlich zustimme, sehe ich keinen Grund, diesbezüglich die Alarmglocken zu läuten. Die Software-Industrie ist in den letzten Jahren viel erwachsener geworden. Die Plattform ist weniger wichtig, als dies noch vor einigen Jahren der Fall war. Das Geld wird gemacht, indem Plattformen genutzt werden, um sie für Endverbraucher in aufregender Art und Weise zugänglich zu machen. Wir sollten sicherstellen, dass wir diese Art der Innovation fördern.

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