JAXenter: Hallo Oisin! Nächste Woche startet die EclipseCon 2010. Was macht die EclipseCon so besonders?
Oisin Hurley: Was Konferenzen für Eclipse-Liebhaber anbelangt, so ist die EclipseCon einfach wegen ihrer Größe und Vielfalt an Themen das am sehnlichsten erwartete Event im Jahr eines Eclipse-Entwicklers. Es gibt freie Tutorials, eine Menge an Vorträgen in verschiedenen Formaten sowie Diskussionspanels – und in diesem Jahr neu: eine Unconference. Auf der EclipseCon kann man praktisch alle bekannten Eclipse-Committer und Projekt-Leiter treffen, ihren Vorträgen zuhören und Fragen über ihre Projekte und Entwicklungsarbeiten stellen. Außerdem bekommen diejenigen von uns, die in regnerischen Ländern zu Hause sind, das kalifornische Wetter als netten Bonus dazu!
JAXenter: An wen richtet sich die EclipseCon?
Oisin Hurley: Die Eclipse Community ist sehr diversifiziert – Eclipse ist eine Plattform, die von vielen verschiedenen Committern und Mitwirkenden mit den unterschiedlichsten Kompetenzen aufgebaut wurde. Aufgrund der Natur von Eclipse als Plattform gibt es aber noch eine weitere Gruppe: Entwickler nämlich, die die Plattform nutzen, um ihre eigenen Produkte mit mächtigeren Fähigkeiten auszustatten. Diese Konsumenten geben Eclipse die nötige Reichweite, die letztlich zum durchschlagenden Erfolg von Eclipse geführt hat. Und innerhalb der Gruppe der Eclipse-Entwickler finden sich Personen, welche einen Beitrag zur Verbesserung der Community leisten, entweder durch die Bereitstellung von Lehrmaterial oder Dokumentation oder als Projekt-, Produkt- oder Community-Manager. Obwohl viele also zuerst an Entwickler denken, wenn sie Eclipse hören, sieht man, dass die Eclipse-Community aus einer riesigen Anzahl von Personen in den unterschiedlichsten Rollen und Funktionen besteht. All diese Leute bringen sich auf ihre Weise in die Eclipse-Community ein.
JAXenter: Was sind die diesjährigen Hauptthemen der Konferenz? Gibt es Veränderungen gegenüber der letzten EclipseCon?
Oisin Hurley: Ich habe in diesem Jahr die Ehre, als Program Chair der EclipseCon zu fungieren, und es lag in meiner Absicht, einige Veränderungen bzgl. der Programm-Struktur einzuführen. Es gibt nun drei Hauptthemen der Konferenz: "Making With Eclipse", "Making For Eclipse" und "Making Community". Diese drei Themen reflektieren die beschriebene Community-Struktur und zielen jeweils auf "Consumer Developer", "Committer/contributor developers" und auf die Community im Allgemeinen. Der Motivation dafür, solche breite Themen einzuführen, war, die Projekt-zentrierte Struktur vergangener Konferenzen etwas aufzubrechen, um den Besuchern die Möglichkeit zu geben, ihr Wissensnetz weiter auszuspannen und mehr von Projekten und Entwicklungsansätzen zu erfahren, die nicht direkt mit ihren ausgewählten Plattform-Elementen in Zusammenhang stehen. Ich hoffe, dass die Besucher so mehr Raum haben, das ganze Ökosystem kennen zu lernen und neue, wertvolle Dinge zu entdecken.
Wir haben im Vergleich zu vorangegangenen Konferenzen mit einigen Konventionen gebrochen. Tutorials hatten wir bisher stets nur am Montag. Jetzt gibt es Tutorials am Morgen eines jeden Konferenztags. In der Tagesmitte liegen die Vorträge, wobei wir die Standard-Länge der Vorträge auf 25 Minuten reduziert haben, um mehr Inhalt unterbringen zu können und die Sprecher dazu zu bewegen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Ein längeres Format bleibt dennoch erhalten, genauso wie kurze Lightning Talks (12 Minuten), nur eben weniger davon. Am Ende des Tages finden dann Podiumsdiskussionen satt, in denen wir hoffentlich einige schwierige Themen mit ausgewählten Experten öffentlich angehen werden. Und schließlich wird es abends auch ein neues Format geben: die Unconference. Das ist so etwas wie eine "Speaker´s corner": Hier kann jeder das Wort ergreifen und es gibt keine vorab zugewiesenen Slots. Man kann einfach aufstehen und seine Meinung zum Besten geben oder auf etwas aufmerksam machen, das man für interessant erachtet.
Ein Konferenz-Tag ist immer ein langer Tag. Das Konzept hinter dieser neuen Struktur ist, dass die Besucher sich morgens fortbilden können, wenn ihre Köpfe noch frei und aufnahmefähig sind. Sie bekommen Unterhaltung und Information mit den Vorträgen geboten, und sie geben während der Panels Feedback und interagieren direkt mit den Experten. Schließlich bleibt auf der Unconference Raum, sich selbst auszudrücken, denn niemand hört gerne den ganzen Tag lang zu, ohne selbst etwas beizutragen. Das Kommunikationsgleichgewicht wird also erreicht, indem zunächst die Redner das Wort haben und im Laufe des Tages mehr und mehr die Besucher selbst aktiv werden.
Eine Sache, die wir nicht geändert haben, sind die Keynotes – lange Vorträge, die die Konferenztage am Morgen eröffnen und dabei helfen, Vortragende sowie Besucher zu unterhalten, zu motivieren und zu inspirieren. Dieses Jahr gibt es eine Keynote von Robert Martin über "Software Professionalism", eine zweite von Jeet Kaul und Steve Harris über die Zukunft von Java bei Oracle und eine dritte von Jeff Norris über die Eclipse-basierten Systeme bei der NASA.
Und schließlich – und auch das ist neu – organisiert die Eclipse Foundation in Zusammenarbeit mit der NASA JPL einen Wettbewerb, in dem Entwickler darum konkurrieren, die beste Leitsoftware für einen Roboter auf einem prototypischen Mars-Gelände zu entwickeln. Es gibt etwas zu gewinnen!






Es ist wieder einmal Zeit für die EclipseCon, die jährlich von der Eclipse Foundation organisierte Konferenz in Santa Clara, Kalifornien, auf der sich vom 22. bis 25. März alles um die neuesten Entwicklungen im Eclipse-Ökosystem dreht. Wer es in diesem Jahr nicht über den großen Teich geschafft hat, sitzt ganz sicher auf JAXenter in der ersten Reihe: In unserem EclipseCon-Blog berichten prominente Konferenz-Besucher und -Sprecher live aus Santa Clara und geben ihre persönlichen Eindrücke und Highlights wieder. Vorab gibt Oisin Hurley, diesjähriger Program Chair der EclipseCon, im Gespräch mit JAXenter einen kleinen Vorgeschmack auf die Konferenz und wagt zugleich eine Prognose, was die Eclipse-Community im nächsten Jahr besonders bewegen wird!


