Die EclipseCon bringt Entwickler, Organisatoren und Entscheider zusammen und gibt ihnen die Möglichkeit, sich im Rahmen zahlreicher interessanter Vorträge und Events auszutauschen. Bei der Themenauswahl war dabei diesmal deutlich der Einfluss der kommenden e4-Plattform zu spüren, die den bewährten, aber an vielen Stellen doch in die Jahre gekommenen Eclipse-Kern für die Zukunft fit machen soll. So wird das bisher statisch implementierte Layout der Workbench auf Basis eines EMF-Modells beschrieben, über das auch umfangreiche Anpassungen – momentan eher ein Alptraum für jeden Entwickler - leicht möglich sein werden. Großer Wert wird auch auf die Vereinheitlichung der gewachsenen APIs und auf den konsequenten Einsatz bewährter Pattern wie Dependency Injection gelegt. Wem die klassische Bedienoberfläche nicht zusagt, der kann über CSS das Rendering der Controls nun direkt beeinflussen. Webtechnologien wie JavaScript und CSS werden damit ein integraler Bestandteil der nächsten Eclipse-Version. Neben Beiträgen zu den in e4 enthaltenen Techniken gab es erstmalig auch ausführliche Tutorials für Entwickler, in denen demonstriert wurde, wie sich Plug-ins für die neue Plattform erstellen bzw. portieren lassen.
Ein weiteres Schwerpunktthema ist die Entwicklung für und mit OSGi, die im Rahmen der diesjährigen OSGi DevCon in vielen Sessions behandelt wurde und großen Anklang fand. Das große Interesse daran zeigt, dass das Prinzip der nach Service-orientierten Gesichtspunkten modularisierten Architekturen in Zukunft eine noch wichtigere Rolle spielen wird. SOA ist auch das Thema mehrerer Vorträge über das neue SOA-Top-Level-Projekt, das es sich zum Ziel gesetzt hat, aus Eclipse eine vollwertige SOA-Plattform zu machen.
Stets präsent ist natürlich auch Modeling mit EMF & Co, wozu auch unser eigener Vortrag zum Thema Modellevolution („Painless (?) Meta-Model Evolution“) zählt. Das Interesse daran zeigt, dass es sich um eine häufig unterschätzte Problematik handelt, der sich nun aber ein neues Projekt namens Edapt angenommen hat, das momentan in den Startlöchern steht.
Zu einem weiteren Trend entwickelt sich ganz offensichtlich auch die Implementierung textueller domänenspezifischer Sprachen (DSLs), wie die vielen praktischen und theoretischen Sessions zu Xtext belegen.
Mit Sicherheit eine gute Entscheidung war die Ausweitung der Tutorial-Sessions, die nun an jedem Tag stattfanden und praxisnahe Einblicke in verschiedene Techniken wie z.B. BIRT, Testen mit SWTBot oder Eclipse & Git gaben.
Neben den regulären Veranstaltungen gab es auch wieder eine Reihe spontan organisierter BoFs (Birds of a Feather), in denen sich Interessierte zu speziellen Themen zusammenfanden und in denen durchaus auch mal kontrovers diskutiert wurde, etwa über die etwas lückenhafte Dokumentation des EMF-Projekts.
Doch natürlich sind es nicht nur die Fachvorträge, die die EclipseCon jedes Jahr zu einem Erfolg werden lassen, auch außerhalb des Programms ist einiges geboten: Neben den kurzweiligen Keynotes gehören auch zahlreiche Social Events und Wettbewerbe zum Programm. Ein Highlight war dabei sicherlich die von der NASA gesponsorte e4 Rover Mars Challenge, bei der ein Roboterfahrzeug über einen Eclipse-Client gesteuert werden musste.
Christian Saad ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Augsburg. Er forscht an der Anwendung formaler Analysemethoden und am Einsatz semantischer Technologien in der modellgetriebenen Softwareentwicklung. Er ist Committer des Eclipse-Java-Workflow-Tooling-Projekts. 








