Vom „Verflixtem 7. Jahr“ war auf der EclipseCon 2010 eigentlich nicht viel zu spüren. Die Jahre zuvor mögen zwar da und dort mehr Besucher gebracht haben. Dennoch zeugten knapp unter 1000 Eclipse-Fans aus aller Welt von langsam aufkeimendem Optimismus im Silicon Valley und der IT-Branche insgesamt. Überhaupt ging es neben der Aussicht auf Helios in weiten Teilen um die Zukunft: die von Eclipse, die von Java, des Universums und noch einiger anderer Dinge. Die Tatsache, dass man den dritten Teil der „Twilight“-Vampirserie auch „Eclipse“ nannte, sorgte zwar auf der Konferenz und z.B. auf Twitter für amüsanten Gesprächsstoff. Es wurde aber kein Fall bekannt, wo ein Besucher den siebten Teil der EclipseCon mit dem dritten Teil von „Twilight“ verwechselt und versehentlich Karten gekauft hätte.
Zukunft von Eclipse
Der erste Tag war besonders von Zukunftsaussichten rund um neue Projekte wie e4, Gemini/Virgo oder auch Xtext geprägt. Gleich bei den ersten Präsentationen trafen etwa e4 und Xtext aufeinander. Nicht gleich ein „Kampf der Titanen“, aber durchaus zwei Teilprojekte, die dem EMF-Komitee der Eclipse Foundation nahe stehen, auch wenn e4 mehr ein „Querbeet“-Projekt darstellt, das nichts weniger anstrebt, als Bausteine für die zukünftige Ausrichtung von Eclipse bereitzustellen.Überhaupt hatte der Montag mehr den Charakter von Workshops, da hier die meisten Vorträge und Live-Demos knapp ein oder sogar mehr als zwei Stunden einnehmen konnten. An den folgenden Tagen war das meist dem ersten und letzten Zeitfenster des Tages oder den Keynotes vorbehalten.
Für aktive Committing-Mitglieder der Eclipse Foundation gab es ebenso wie für kleinere Zirkel („Aufsichtsrat“ von Eclipse oder die jeweiligen Programmkomitees der Teilprojekte Runtime, Technology, EMF, Tools, etc.) gesonderte Meetings. Auch fand, nicht als Teil der EclipseCon, aber im selben Rahmen und Hotel, das alljährliche Treffen der OSGi Alliance statt, die ja bei Eclipse eine gewichtige Rolle spielt - und es durch neue Projekte wie Gemini, Virgo oder ScalaModules in absehbarer Zeit noch stärker tun soll.
Neben Berichten zu den vorgepackten Bundles für Enterprise, Plug-in-Development, C oder Java, sowie das noch wenig präsente Mobile-Bundle Pulsar war auch eine beachtenswerte Studie eines Industrieanalysten im Auftrag der Eclipse Foundation zu hören, worin der Trend zu größerer Sprachvielfalt und neuen dynamischen „Web 2.0“-Sprachen wie PHP, Ruby, Python oder auch Scala, Flex, etc. kaum verkennbar war. Dabei ist es gerade die jüngere Generation, also die „werbewirksamen“ Jahrgänge zwischen 18 und 35, für die auch Java nicht immer die erste oder einzige Sprache in ihrem Wirken ist (während jenseits der 40 Jahre Sprachen wie Cobol oft schon rar werden, sonst gerade C und Pre-OO-Sprachen überwiegen). Dazwischen teilen sich Java- und .NET-basierende Sprachen wie C#, VB.NET oder auch F# das Feld. Hier ist innerhalb der .NET-Gemeinde eine ähnliche Verschiebung wie im Java-Umfeld erkennbar, etwa von C++ zu C# oder auch zu Funktionalen Sprachen wie F#.
Bei der Versionskontrolle sind verteile Systeme auf dem Vormarsch. Eclipse selbst hat sich konsequent für GIT entschieden. CVS soll für neue Projekte nicht mehr genutzt werden. Und auch Subversion ist dank des mehr als unglücklichen Händchens von Polarion mit Subversive auf dem absteigenden Ast. Polarion fehlte auch unter den Ausstellern in diesem Jahr.
Zukunft von Java
Der zweite Konferenztag begann mit einer von vielen nicht nur im Eclipse-Umfeld mit Spannung erwarteten Keynote der Java-Vizepräsidenten Jeet Kaul und Steven Harris von Oracle. Ersterer wurde von Sun Microsystems als einer der wichtigsten Verantwortlichen im Bereich Java übernommen. Letzterer war bereits bei Oracle, als dort mit TopLink noch Sprachen wie Smalltalk bedient wurden und Java lediglich als „Black Op“ bei Sun unter früheren Codenamen wie „Oak“ existierte. Damals auch bei Oracle war übrigens ein gewisser Mike Milinkovich, heute Vorsitzender der Eclipse Foundation.Der Wunsch, Java gewissermaßen als Kronjuwel der Sun-Übernahme hochzuhalten und nach Möglichkeit besser zu pflegen als Sun das zuletzt gelang, kam deutlich zur Sprache. Wie genau das geschehen soll, wurde aber noch nicht verkündet - genauso wenig wie Details etwa zur künftigen Rolle des Java Community Process. Am auffälligsten war vielleicht die Vorankündigung von Java EE 7, das aber erst einem JDK 7 und dessen Modularisierung der gesamten Plattform folgen kann. Java EE6 dürfte das eine oder andere „Makeover“ aus dem Oracle Portfolio erfahren, bzw. dem, was man von BEA noch im Hut hat. Ebenso überarbeitet werden dürfte auch die JVM, spätestens mit Java 7, wo Hot Spot und JRockit vermutlich zu einem gemeinsamen Strang zusammenfließen werden. Was davon in einem offenen Prozess und als JSR-Standard erfolgt, und was man eher informell als „Projekt/Produkt“ durchpeitscht (von IBM über Google bis VMware gleichermaßen bekannt), blieb offen. Ebenso die Lizenzfrage mit dem „Selbstbedienungsladen“ Apache Foundation, den eben auch die erwähnten Mitbewerber von Oracle oft und gerne als Basis für kommerzielle Produkte nutzen (aber nicht alle immer gleichviel zurückgeben).
Weitere Präsentationen von Oracle und Podiumsdiskussionen an den Folgetagen ließen dann doch den einen oder anderen Einblick für geschulte Augen zu - auch wenn die Lizenz- oder Strukturfragen höflich umschifft wurden.
Projekte wie Dashboard, das teils auf Basistechnologie ähnlich der im Oracle Sun Exadata Server setzt (sonst in Sachen „Verteilte Systeme“ eher der Tradition von Sun-Projekten wie Jini oder Java Spaces folgt als bekannten Remoting-Mechanismen wie RMI oder CORBA) lassen jedenfalls für die Zukunft hoffen. Gerade dem Cloud Computing mag dies als Basis dienen und ist genau in diese Richtung gedacht. Ob zumindest die Spezifikation und die allgemeinen (Java-)Interfaces als JSR offen gelegt werden (oder das ganze mit Softwarepatenten und implementiert als Cloud-Service mit eingebautem „Taxameter“ kommen wird), darüber dürfte selbst Oracle noch seine Namensgeber befragen.









