Donnerstag, 24. Mai 2012


Artikel

April 2010 | Artikel

EclipseCon 2010: Das verflixte 7. Jahr Fortsetzung, Teil 3

Teil 1   Teil 2   Teil 3   

Craftsmanship und domänenspezifische Lösungen
Der vierte und letzte Tag begann mit Robert C. Martins Keynote zum Thema „Software Craftsmanship, Professionalität und die Kunst, ‚Nein’ sagen zu können“. Besuchern etwa der DevoXX mag das vertraut klingen, und so war seine Keynote auch mit geringen Abweichungen sein bewährter Vortrag aus Europa. Insbesondere die Bedeutung realistischer, seriöser Testpläne, und die in Mitteleuropa meist geringer eingeschätzte Rolle von Testteams und Testmanagern, helfen, derartig ausgerichtete Vorträge auf Dauer vielleicht zurechtzurücken. Insofern darf man sie gerne auch öfter hören - vielleicht in Europa sogar eher, als im Silicon Valley.

Auch wenn vertikale Lösungen auf Eclipse-Basis, etwa jene im Gesundheitswesen, weniger Aufsehen erregten als die Weiten des Weltalls, zeigte sich Eclipse gerade in diesem Bereich stärker wandlungsfähig als zuvor (und zu weitaus mehr gut als nur dem Schreiben von Quellcode). Neben dem zweiten Treffen führender STEM[3]-Entwickler in diesem Jahr gab es von „e4 Anatomy“ bis „Private Practice mit Elexis“ fast mehr Arztserien als im Fernsehen. e4 Anatomy war zwar nur vom Titel her gesundheitsspezifisch, dennoch bietet gerade e4 mit seinem modellgetriebenen Ansatz für Geschäftsanwendungen ungeahnte Möglichkeiten. Parallel dazu erlaubt etwa Xtext, domänenspezifische Sprachen zu schaffen, die genau auf eine vertikale Lösung zugeschnitten sind.

Bereits vor e4 und künftigen Eclipse-Generationen präsentierte ein US-Anbieter digitaler Patientenakten, der auch in Deutschland vertreten ist [4], dynamische Eclipse-RCP-Oberflächen.

US Oncology demonstrierte ihre Nutzung von EclipseLink bei Forschung und Bekämpfung von Krebs. Und als Ausklang am letzten Tag durfte ich selbst US-Experten mit Elexis vertraut machen - da, wie die US-Beispiele zeigen, dort Ärzte meist nur in größeren Institutionen, etwa Krankenhäusern mit Eclipse arbeiten (Arztpraxen oder Patienten - dort wo bereits eingeführt - allenfalls mittels Digitaler Patientenakte). Daran ändern auch Gruppen wie OHT[5] (Open Health Tools, Nachfolgeprojekte von Eclipse OHF) nichts, da diese in erster Linie den Datenaustausch unter Ärzten unterstützen soll, etwa mit Hilfe von HL7 oder DICOM. Vielleicht kann die US-Gesundheitsreform hier auch helfen, nicht nur den schwächeren unter den Patienten Schutz und die nötigen Werkzeuge für ihre Gesundheit zu bieten. Was die Reform bringt, wird vielerorts aber nicht einmal in einer möglichen zweiten Amtszeit Obamas sichtbar. Darüber hinaus haben gerade Deutschland und die Schweiz selbst Aufholbedarf, zumindest bei der Versicherungschipkarte.

Interoperabilität
Wie bereits in früheren Jahren auf der EclipseCon oder dem ESE war auch Microsoft vertreten. Für einige mag die Präsenz von Microsoft immer noch etwas fremd wirken, oder den Eindruck eines Wolfs im Schafspelz machen. Dennoch wurde auch bei der Marktanalyse am ersten Konferenztag klar, dass Microsoft speziell im Enterprise- und B2B-Segment mehr mit Anbietern wie VMWare, Adobe, Red Hat oder Liferay vergleichbar ist als mit den „Skimmern“ (wörtlich „Absahnern“) à la Oracle, IBM, HP oder SAP. Man tut also gut daran, mit Open-Source-Gemeinschaften zumindest unkomplizierten Austausch von Information anzubieten - oder sogar wie in einzelnen Bereichen geschehen, daran teilzunehmen.

Markanteste Beispiele im Eclipse-Bereich sind die Windows-7-Optimierungen im UI-Bereich mit Hilfe von Eclipse-Vertretern wie Tasktop/Mylyn und das Silverlight-for-Eclipse-Projekt gemeinsam mit dem französisch-asiatischen Anbieter Soyatec, der auch an e4 mitwirkt. Obwohl die Rückwärtskompatibilität es gebietet, fast überall weiterhin Properties-Dateien und darauf aufbauende Resource Bundles für die Benutzeroberfläche zu nutzen, sind die nicht nur in Silverlight, sondern auch in anderen UI-Trends unter Android genutzten XML-Formate sicher einige Aufmerksamkeit wert. Schließlich haben gerade XML und spezialisierte Varianten davon sich u.a. in Web Services als Austauschformat bewährt. Nachdem also Microsoft bei OASIS bereits das eigene XML-unterstützte Office-10-Format als Standard anerkennen ließ, darf man bei XML-Beschreibungssprachen zur UI-Definition sicher etwas mehr als träumen, dass sich hier vergleichbare Trends über Kurz oder Lang durchsetzen werden (ebenso in zuvor erwähntem Gesundheitsbereich, wo übergreifende Industriestandards wie HL7, DICOM, LOINC oder UCUM als Bindeglied zwischen sonst konkurrierenden Anbietern wie Google oder Microsoft fungieren). Google und IBM haben diesbezüglich auch bei den Open Health Tools und ähnlichen Gruppierungen begonnen, Kontakt aufzunehmen. Man darf gerade von „Microsoft Interoperability“ in einigen dieser Gruppen Vergleichbares erwarten.

Die Guten ins grüne Töpfchen...
Wie von vergangenen EclipseCon- oder ESE-Konferenzen gewohnt, wurde Feedback in drei Töpfen entgegengenommen. Grün für +1, Weiß für 0 (neutral) und Rot für -1. Wie die Folien und Codebeispiele der Vortragenden sollten die Ergebnisse in absehbarer Zeit auf der EclipseCon-Website zu sehen sein.

Werner Keil ist Gründer und Geschäftsführer von Creative Arts & Technologies. Er berät Global 500 Unternehmen im Bereich Mobile/Telekom, Web 2.0, Finanz, Automotive, Gesundheit, Umwelt und Öffentliche Hand, bzw. IT-Anbieter wie IBM oder Oracle. Sein Schwerpunkt liegt im technischen Projektmanagement, dem Design und der Sicherheit verteilter Enterprise-Softwarearchitekturen. Er ist Entwickler und Mitbegründer zahlreicher Open-Source-Projekte, zumeist auf Basis von Eclipse oder Enterprise Java, Mitglied der Eclipse Foundation in mehreren Projekten und Babel Language Champion sowie einziges unabhängiges nicht-US-Mitglied im Exekutivkomitee des Java Community Process und Mitglied von JSR-316 (Java EE 6), JSR-321 und 331.
  1. http://www.eclipsecon.org/2010/
  2. Doc2Model (Eclipse Magazin Ausgabe 3/10)
  3. OHF STEM (Eclipse Magazin Ausgabe 4.07)
  4. http://www.cerner.com
  5. http://www.openhealthtools.org/

Teil 1   Teil 2   Teil 3   

andere Artikel dieser Serie

Kommentare