Ich empfand die Vortrag recht deutlich als meinen persönlichen "Wake-up Call": Jetzt seine Anwendung mit e4 testen und nicht weiter warten! Das Eclipse 4.0 SDK ist bereits jetzt verfügbar und erreicht mit dem Release einen Monat nach Eclipse 3.6 Helios im Juni 2010 eine reife Basisversion, mit der man bestehende Eclipse-3.x-Anwendungen laufen lassen kann. Das gelingt, da Eclipse 4.0 neben den neuen e4 APIs auch einen Kompatibiltätslayer zu dem 3.x-API enthält, mit dem alle 3.x-Anwendungen (mit einigen Ausnahmen) problemlos auch mit dem e4-SDK laufen können.
Klar wurde auch, dass es nicht für alle Arten von Anwendungen lohnend ist, auf das neue e4-API umzusteigen. Single Sourcing für Eclipse 3.x SDK und e4 SDK ist möglich und sollte für jedes Eclipse-Projekt das Ziel sein. Weiter gibt es ein "Transition Proposal", das für den nächsten Eclipse Release Train für alle teilnehmenden Projekte eine Kompatibilität zum e4 SDK vorschreiben soll.
Diesen Teil fand ich besonders interessant, und ich werde sicher demnächst einmal probieren, unser eigenes Eclipse-Projekt "Riena" auf der Basis des e4 SDKs zum Laufen zu bringen.
Mein zweiter Vortrag war Ed Merks´ "The Unbearable Stupidity of Modeling". Ein echter Klassiker unter Eds Vorträgen, den ich zum ersten Mal die Chance hatte, zu sehen. Ed zeigte hier einige Behauptungen über Modeling auf ("Modeling ist ineffektiv","der generierte Code ist unlesbar","Modell-erzeugter Code ist langsam", "mein Projekt ist zu klein für Modeling") und versuchte, diese aus der Sicht von EMF zu widerlegen. Dabei war der Vortrag in keiner Weise trocken sondern sehr abwechslungsreich und unterhaltsam. Gerade weil ich bisher Modeling eher skeptisch gegenüber stand, fand ich den Vortrag sehr interessant, und auf alle Fälle ist es wieder einmal Zeit, mein EMF-Buch rauszukramen. Insbesondere weil auch e4 EMF in seinem Workbench Model verwendet, sollte man das Thema nicht aus den Augen verlieren.
Am Ende des Tages hatte ich dann noch selbst einen Vortrag über SWT/Qt. Wir haben eine neue SWT-Plattform gebaut, die statt auf einem der nativen Toolkits aufzusetzen, auf der Qt Library von Nokia (ehemals Trolltech) basiert. Vorteile sind zum einen die großartigen CSS-Styling-Möglichkeiten, die Qt liefert und die man damit auch für jede SWT basierte Anwendung benutzen kann. Ich habe dazu einige Demos gezeigt, in denen ich mehrere RCP-Anwendungen vorgeführt habe (z.B. RCP Mail 2.0), die sich dann zur Laufzeit ohne Neustart mit CSS verändern lassen. Auch die Eclipse IDE läuft bereits mit SWT/Qt und lässt sich mit CSS stylen.
SWT/Qt wurde auch auf Kubuntu (Linux mit KDE/Qt) gezeigt und ist genauso für Mac OS X verfügbar. Auch wenn die Implementierung von SWT/Qt noch nicht produktionsreif ist, ist sie doch schon sehr weitgehend fertiggestellt. Im Moment sind wir gerade in Gesprächen mit dem Platform UI Team, um SWT/Qt unter EPL bei der Eclipse Foundation zu hosten.




