Donnerstag, 24. Mai 2012


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Februar 2012 | Artikel

Antimuster: Der Prozessprediger

(Link zum Artikel: http://www.entwickler.de/jaxenter//004333)

Knigge für Softwarearchitekten

Text: Peter Hruschka und Gernot Starke
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Willkommen in der fünfzehnten Ausgabe unserer Kolumne rund um Verhaltensmuster von Softwarearchitekten.
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Fünfzehntes Muster: Der Prozessprediger
Total Quality Management (TQM) hat uns eingetrichtert: Qualität von Produkten entsteht durch Überwachen, Prüfen und Verbessern der Prozesse. Zahlreiche Softwareproduktivitätsprogramme wie CMMI und ISO 9000, aber auch Vorgehensmodelle wie das V-Modell und der Rational Unified Process (RUP) stoßen ins gleiche Horn. Solche Modelle geben uns detaillierte Prozesse vor, mit vielen Einzelaktivitäten und Teilschritten auf mehreren Verfeinerungsebenen. Sie beschreiben genau die Eingaben und Ausgaben aller Schritte und legen für jede kleine Aufgabe explizit Rollen fest: wer verantwortet was, wer wirkt mit, wer prüft. Die Beschreibungen umfassen oft hunderte von Seiten. In solchen Organisationen predigen die Prozessverantwortlichen gebetsmühlenartig den Teams das Mantra „HEADV-HEADV-HEADV“ (Haltet Euch An Diese Vorschriften). Es gibt Prozessverantwortliche, Quality Gates und, zumindest gerüchteweise, rituelle Bestrafungen von Prozessverweigerern.

Prozessprediger entwickeln und verteidigen detaillierte Vorgehensmodelle und kämpfen für deren Einhaltung – um (fast) jeden Preis.
Die Idee des TQM stammt aus der Welt der Fertigungsindustrie. Dort stimmen unserer Ansicht nach die Grundannahmen von Prozesskontrolle und -verbesserung. IT-Projekte sind aber keineswegs Fertigungsprojekte. Wiederholbarkeit spielt angesichts der unterschiedlichen Randbedingungen und Anforderungen eine weniger wichtige Rolle. Deshalb haben wir ITler unsere Vorgehensmodelle den Zeichen der Zeit angepasst: Alle (z. B. RUP, V-Modell) fordern die projektspezifischen Anpassungen. Jedoch beobachten wir folgendes Verhalten ([1] beschreibt das sehr humorvoll): Obwohl ein Vorgehensmodell nach einer Anpassung schreit, hält sich das Projekt sklavisch an das Standardvorgehen.

Warum gibt es so wenig Aufstand gegen Vorgehensmodelle?
Schuld daran sind die Prozessprediger. Sie machen uns jeden Tag von der Kanzel aus klar, dass wir in der Hölle schmoren werden, wenn wir vom Vorgehensmodell abzuweichen wagen. In so manchem Unternehmen fällt es leichter, unter Einhaltung des Vorgehensmodells zu scheitern, als das Risiko auf sich zu nehmen, vom Standardvorgehen abzuweichen. Wenn man scheitert, ist „es“ Schuld, nicht ich!

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Kommentare

Gravatar Karl 03.02.2012
um 06:44 Uhr
Bin da ja voll eurer Meinung, habe beruflich oft mit einer großen nichtstaatlichen Organisation zu tun, die sich fast ausschließlich auf Prozesse und deren exakte Einhaltung beruft (mit genau der Konsequenz, dass "es" schuld ist und nicht ich oder sonst einer wenn wieder mal nix fertig ist).

Zum Thema "sklavisch einhalten" würde ich allerdings meinen, dass das bei der ersten Anwendung eines neuen Vorgehensmodells nicht ganz falsch ist, da man ja noch nicht weiss, was man alles an die eigenen Anforderungen usw. anpassen muss, oder?
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