Donnerstag, 24. Mai 2012


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November 2003 | Artikel

Wir verstehen, wohin Microsoft mit der Plattform geht

(Link zum Artikel: http://www.entwickler.de/dotnet//000457)

Infragistics-CEO Dean Guida im Gespräch

Text: von Stefan Wunderlich
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Das .NET Framework im Team mit einer IDE wie Visual Studio .NET bietet dem Entwickler eine komplette Entwicklungsplattform. Oder so scheint es jedenfalls. Denn neben dem .NET-Giganten Microsoft gedeiht ein lebendiges Ökosystem von Anbietern von Komponenten und Zusatzsoftware. Zu den marktführenden Komponentenanbietern gehört das in New Jersey angesiedelte Unternehmen Infragistics, das sich als Anbieter einer umfassenden Suite von Komponenten für die Präsentationsschicht positioniert. Wir sprachen mit Infragistics-CEO Dean Guida über seine Sicht auf den Third Party-Komponentenmarkts.

dot.net magazin: Was ist für Sie die Kernbedeutung von .NET?
Dean Guida: Wir glauben, dass .NET die produktivste Plattform für Softwarelösungen ist. Web Services sind toll, serviceorientierte Architekturen sind sehr sinnvoll - aber letztlich, wenn Sie Smart Client- oder Web-Applikationen schreiben, bringt .NET die höchste Produktivität für Entwickler. Die Kernbedeutung von .NET ist also: Developer-Produktivität bei der Entwicklung von modernen verteilten oder Client/Server-Anwendungen.

dm: Was genau macht Infragistics und seit wann bieten Sie Produkte für die .NET-Plattform an?
Guida: Infragistics bietet eine breite Infrastruktur von wiederverwendbaren Presentation Layer-Komponenten für die Erstellung von webbasierten Anwendungen und XML Web Services auf Grundlage von .NET, COM oder Java. Unsere Toolsammlung NetAdvantage stellt Entwicklern ein vollständiges Framework von Oberflächen-Komponenten für alle kommerziell relevanten Umgebungen und Endgeräte zur Verfügung.
Infragistics hat sich frühzeitig für die Entwicklung von Tools für die .NET-Plattform entschieden. Als Teilnehmer am Microsoft .NET Early Adapter Programms war Infragistics der erste Komponentenanbieter, der die Verfügbarkeit seiner gesamten Produktlinie in C# und für Microsoft .NET-Umgebungen ankündigen konnte.

dm: Können Sie in wenigen Worten die Funktionalität Ihres Kernprodukts, NetAdvantage, beschreiben?
Guida: NetAdvantage ist die umfassendste Sammlung von Präsentationsschicht-Komponenten am Markt. Es erlaubt die Entwicklung von kommerziell verwertbaren Anwendungen für alle Microsoft-Umgebungen: COM; Windows Forms- und Web Forms Oberflächenelemente für .NET bzw. ASP.NET. Die aktuelle version NetAdvantag 2003 Volume 3 umfasst dabei unter anderem Grids, Scheduling- und Charting-Elemente, Werkzeug- und Menüleisten, Explorer Bars und Menüs. NetAdvantage ist keine reine Sammlung disparater Controls, sondern ein echtes Framework. Infragistics hat, bevor eine einzige Zeile Code geschrieben wurde, viel Mühe investiert, eine ausgereifte Architektur auszuarbeiten, die auf Shared Assemblies und gemeinsamen Objektmodellen basiert. Dies führt zu etwas, was wir leveraged Learning nennen; das heißt, dass der Aufwand für das Erlernen der ersten Komponente das Erlernen aller weiteren Komponenten stark erleichtert. Es erleichtert es dem Entwickler auch, standardisierte Schnittstellen für seine Applikationen zu erzeugen oder eigene Elemente von unserem Presentation Layer Framework abzuleiten.

dm: Sie haben erwähnt, dass Infragistics Komponenten für .NET, COM und Java anbietet. Sehen Sie bei Ihren Kunden eine Verlagerung in Richtung .NET?
Guida: Wenn man sich Verkaufszahlen und Downloads von Produkten und Evaluierungsversionen anschaut, so beginnt sich ein klares Muster abzuzeichnen. Die absoluten Zahlen hängen zwar von den jeweiligen geografischen Regionen - bzw. Regionen innerhalb einzelner Länder - ab, aber es gibt eine wahrnehmbare Verlagerung hin zu .NET. In den Vereinigten Staaten haben wir beispielsweise die spektakulärste Migration gesehen und .NET läuft dort Java klar den Rang ab. In Europa liegen die Prozentzahlen von .NET und Java dichter bei einander als in den USA im selben Zeitraum. Aber auch in diesem Markt beginnt die Verschiebung zu .NET. In Anbetracht der Zahlen sieht es so aus, als hänge Europa in Sachen .NET-Adoption hinter den Vereinigten Staaten zurück. Ich erwarte jedoch, dass die Migration dort eine schnellere Beschleunigung erreichen wird als anfänglich in den USA. Gründe hierfür sind die Veröffentlichung des .NET Frameworks 1.1 Anfang des Jahres sowie die Ankündigungen von Produkten wie Whidbey und Yukon.

dm: Wann wird NetAdvantage nur noch aus .NET-Komponenten bestehen?
Guida: Wir unterstützen heute noch Komponenten, deren Entwicklung vor fünf Jahren eingestellt wurde. Ich denke, dass wir noch mindestens in den nächsten sieben Jahren COM unterstützen werden.

dm: Für viele ist .NET eine reine Microsoft-Technologie. Was ist Ihr Verhältnis als Drittanbieter zu Microsoft?
Guida: Wir unterhalten hervorragende Beziehungen zu Microsoft. Wir arbeiten eng mit Microsofts Entwicklungs- und Marketingteams zusammen und haben in der letzten Zeit beispielsweise zahlreiche Case Studies gemeinsam veröffentlicht. Die Rolle von Drittanbietern in der .NET-Welt wird auch zukünftig die selbe bleiben wie bisher - den Markt mit Mehrwert zu versorgen und für eine reichhaltige Auswahl zu sorgen.

dm: Denken Sie - als eines der Schwergewichte im Komponentenmarkt - dass es auch für hochspezialisierte Anbieter oder kleinere Open Source-Projekte einen Platz gibt?
Guida: Es gibt immer Platz für Innovation. Ich glaube nicht, dass Open Source-Projekte besonderen Wert darauf legen, was die Plattform ist.

dm: Denken Sie persönlich, dass Third Party-Tools in den nächsten zwei Jahren einen stärkeren Marktanteil erobern werden - oder wird Microsoft seine Vorherrschaft verteidigen?
Guida: Ich denke, dass es ein großes Potenzial für Anbieter von Komponenten, die die .NET-Plattform erweitern, gibt. Einer der kritischen Faktoren für unseren Erfolg in den 14 Jahren unseres Bestehens liegt darin, dass wir verstehen, wohin Microsoft mit der Plattform geht, und dass wir unser Produktangebot entsprechen anpassen. Unsere Position im Markt besteht darin, dass wir uns über unser Produkt NetAdvantage auf die Presentation Layer spezialisieren. Über das Produkt hinaus versuchen wir jedoch einen Mehrwert zu bieten. Dies umfasst Referenzimplementierungen, White Papers, Codebeispiele, HowTos etc. Wenn man einen messerscharfen Fokus auf einen spezifischen Teil der Plattform setzt, kann man der Entwickler-Community einen großen Mehrwert bieten.

dm: Das .NET Framework enthält ja bereits einen umfassenden Satz an einsatzfähigen Komponenten und ermöglicht es dem Entwickler zudem, einfach eigene Komponenten zu entwickeln. Bei welchem Typ von Projekten kommt ein Entwickler auf die Idee, Geld für eine kommerzielle Komponentenbibliothek auszugeben?
Guida: Unsere Anwender decken ein breites Spektrum ab: Wir haben Enterprise-Developer, die Handelssysteme für die Finanzbranche, Supply Chain Management-Systeme für die verarbeitende Industrie und andere operative Systeme entwickeln. Wir haben Entwickler, die kommerzielle Software erstellen. Wir haben Entwickler aus Einmannbetrieben. Sobald Sie ein Frontend bauen, brauchen Sie Präsentationsschicht-Komponenten. Mit unseren Komponenten steigern wir die Produktivität des Entwicklers bei der Erstellung der Präsentationsschicht - wofür nach unserer Rechnung rund 30 bis 40 Prozent der gesamten Zeit aufgewendet wird. Wir glauben darüber hinaus, dass gut aussehende Benutzeroberflächen im Microsoft-Stil einen wichtigen Teil zum Erfolg einer Anwendung beitragen, was Akzeptanz und Usability angeht.
Die Visual Studio-Komponenten sind gut. Aber mit den Infragistics-Komponenten hat der Entwickler die Möglichkeit, Komponenten einfach auf das Formular zu ziehen und mit ein paar Property-Einstellungen eine professionelle Oberfläche zu erstellen, die wie Office oder Windows aussieht. Wir hatten zum Beispiel schon vor der Auslieferung von Office 2003 eine Office 2003-Property für unsere Toolbars, Menüs und andere Oberflächenelemente, um diesen Look zu erzeugen.

dm: Microsoft setzt in letzter Zeit .NET-Applikationen mehr oder weniger mit Web Services-Applikationen gleich. Können Sie diesem Argument folgen?
Guida: Nein. Ich denke eher, dass .NET-Anwendungen den nächsten Schritt der Erstellung von Smart Client- und verteilten Netzwerk-Applikationen darstellen. Web Services sind natürlich wichtig, aber .NET stellt ein ganzes Framework von Diensten und Werkzeugen zur Verfügung und repräsentiert ein Ökosystem von Firmen, die helfen, die nächste Generation serviceorientierter Architekturen zu erarbeiten.

dm: Was bedeuten Web Services für einen Anbieter von Präsentations-Komponenten?
Guida: Sie bedeuten, dass man Daten nicht über eine Datenbank, Speicher, Sockets oder Ähnliches abruft, um sie auf dem Bildschirm anzuzeigen - man hat jetzt eine zusätzliche Quelle, aus der man Daten beziehen kann.

dm: Vielen Dank für das Gespräch!

Unser Gesprächspartner:
Dean Guida ist CEO und Präsident von Infragistics und war 1989 Mitbegründer der ProtoView Development Company. Dean blickt auf 16 Jahre Erfahrung in der Industrie zurück und überwacht alle Aspekte der Geschäftsführung und der Unternehmensstrategie. Vor der Gründung von ProtoView war Dean Guida unter anderem als Entwickler bei IBM tätig.

Das Unternehmen:
Infragistics, aus der Fusion der Unternehmen ProtoView und Sheridan Software Systems im Jahr 2000 hervorgegangen, ist ein Anbieter von Presentation Layer-Werkzeugen für die Erstellung von Benutzeroberflächen im Look and Feel verbreiteter Anwendungen wie Microsoft Office und Windows. Die aktuelle Version von Infragistics NetAdvantage umfasst 95 Komponenten für .NET, ASP.NET und COM.
www.infragistics.com

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