Wollen Sie Ihren Kunden zudem eine Möglichkeit an die Hand geben, E-Mail-Konten, FTP-Zugänge oder Datenbanken für Ihren Account zu managen, benötigen Sie ebenfalls eine solche Softwaremaßnahme. Womit wir mitten im Thema wären und zunächst klären sollten, was so eine Software überhaupt an Features mitbringen sollte, damit sie sich im Produktiveinsatz bewährt.
Eine Webserver-Management-Software könnte, bzw. sollte die folgenden Funktionen besitzen:
- Schön wäre das Domain Handling inkl. REG-, KK-, CLOSE-Aktionen (min. für .de-Domains).
- Sie muss alle Accounts systemweit managen können (Webserver, Datenbank, DNS, Anlage von FTP-, E-Mail-Accounts, etc.).
- Sie könnte auch ein Supportsystem besitzen, um z.B. Tickets für Kundenanfragen zu generieren, um diese vom Admin beantworten zu lassen.
- Sie sollte sich gegenüber Systemupdates und Änderungen/Erweiterungen weitestgehend neutral verhalten.
- Sie sollte aufgabenspezifische Schnittstellen (Bereiche) besitzen (Admin, Reseller, User), damit der Serveradministrator den Server (z.B. httpd.conf, php.ini, etc.), die Reseller Ihre Kunden und der Endkunde seinen Account pflegen kann.
- Sie sollte eine eindeutige und intuitiv bedienbare Benutzeroberfläche besitzen.
- Auch Spam-, Viren und Datensicherungstools sollte sie anbieten.
- Schön wäre das Handling von SSL-Zertifikaten.
- Sie könnte das Erstellen von .htaccess-Dateien beherrschen (Verzeichnisschutz).
Von alledem sind selbstverständlich Abweichungen möglich und alle Punkte bietet meines Wissens leider keines der Systeme an. Die meisten Systeme verwenden aber einen Admin/Reseller/Endkunde-Lösungsansatz für die Organisation der verschiedenen Aufgabenbereiche. Wenngleich die Hersteller verschiedene Namen für ein und dieselbe Sache vergeben, so ist dieses Konzept aus gutem Grund am häufigsten anzutreffen. Denn dabei sind die spezifischen Aufgaben für jede Partei getrennt innerhalb eines Bereichs zusammengefasst. Auf diese Weise sind weniger globale Restriktionen notwendig, da sich eine Endkunde z.B. gar nicht in die Lage versetzt sieht, eine Domainanlage durchführen zu müssen und anderesherum es einem Administrator herzlich egal ist, wie viele und welche E-Mail-Postfächer ein Endkunde für sich benötigt. Erst wenn es damit ein Problem gibt, dann sollte es Ihn interessieren.
Tabelle 1 erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie soll Ihnen nur die Möglichkeit geben, zusätzlich zu der Software, auf die gleich näher eingegangen wird, selbst aktiv zu werden und sich über die jeweiligen Lösungen auf den entsprechenden Internetseiten zu informieren.
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Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, wenn hier alle aufgeführten Vertreter vorgestellt würden. Zwei der genannten Webserver-Manager (ViSAS und VHCS) werden gleich einer näheren Betrachtung unterzogen.
Außerdem werden Sie, sobald Sie sich mit dem Thema beschäftigen, schnell bemerken, dass Confixx eines der gebräuchlichsten Tools im Themenbereich darstellt. Ich kann deshalb davon ausgehen, dass dem, der sich mit der Problematik beschäftigt hat oder beschäftigen wird, Confixx bekannt sein dürfte und verzichte deshalb auf eine nähere Betrachtung. Wir werden aber hier und da den einen oder anderen vergleichenden Blick darauf werfen.
ViSAS - Komfortables Control Panel
Der Autor dieses Artikels betreibt selbst Webserver. Die oben angesprochene Qual der Wahl fiel bei einem unserer Server auf ViSAS, wobei das Akronym ViSAS aus Virtual Server Administration System zusammengesetzt ist.Kurzübersicht ViSAS
- Plus: einfaches, intuitives Arbeiten ist möglich
- Plus: umfangreiche Konfigurationsmöglichkeiten für Admin/Reseller/Endbenutzer
- Plus: Preis gegenüber Confixx
- Minus: z.Z. kein standardmäßig integriertes AntiSpammer-, Antivirus- oder Datensicherungstool (siehe dazu Detailtext)
- Preis: 149 Euro
Für die Installation wird z.B. eine SuSE-Minimalinstallation mit installiertem einfachen Webserver vorausgesetzt. Für die Systeme Red Hat 7.3 und 9 sowie für SuSE 8.0 bis 9.0 stehen ebenfalls so genannte Systempacks zur Verfügung, die die Systemumgebung den ViSAS-Voraussetzungen anpassen. Monierte Paketabhängigkeiten müssen allerdings per Hand aufgelöst werden, was aber kein Problem ist, da ein Hinweis auf die fehlende Abhängigkeit gegeben wird. Für andere Systeme existiert eine Dokumentation, die erklärt, wie ViSAS auf diesen Distributionen installiert wird.
Nach der Installation eines Systempacks kann die eigentliche Software ebenso problemlos installiert werden. Dazu zählen z.B. bei einer SuSE-Minimalinstallation inkl. einfacher Webserver die folgenden Pakete: make, bind (WICHTIG: Mit RunlevelEditor unter yast den Dienst aktivieren und starten), quota, tcpd, python, sowie das Paket ncpfs.
Das System zeichnet sich durch eine durchdachte Aufgabe, spezifische Struktur und ausführliche Einflussnahme durch den Admin, den Reseller sowie den Endkunden aus. Die Bereiche für Admin, Reseller und Endkunde sind Inhaltlich so wie bei anderen Systemen dieser Art gegliedert: Der Admin hat Einfluss auf das System (nicht die Linux-Administration) sowie auf die Reseller. Der Reseller hingegen kann die Endkunden und deren Domains managen, während der Endkunde alle notwendigen Tools besitzt, um seine Domains zu managen. Hier sind neben der E-Mail-Verwaltung, Datenbanken, FTP und Subdomainverwaltung insbesondere die Tools Webmail (Squirrel Mail) und Web-FTP zu nennen, die es ermöglichen, ohne Zusatzprogramme E-Mails und Web Content außerhalb der Reihe abzurufen und zu pflegen. Alle Bereiche verfügen über ein eigenes Login.
Ein klarer Pluspunkt gegenüber Confixx ist die Tatsache, dass auch dem Enkunden ermöglicht wird, Logindaten (z.B. E-Mail, FTP, Datenbanken, etc.) mit eigenen Benutzernamen zu versehen. Ein, meiner Meinung nach großer Nachteil besteht bei Confixx nämlich darin, Benutzernamen nicht einfach abändern zu können. So wird z.B. der Name einer MySQL-Datenbank nur von Confixx festgelegt - Sie müssen also mit so kryptischen Bezeichnern wie usr_web2_3 arbeiten. Zudem ist bei Confixx die Passwort-Angabe/-Änderung alles andere als übersichtlich gelöst. Hier punktet ViSAS mit global veränderbaren Namensgebungen und zudem gibt's auch keine unsichtbaren Passwörter, von den E-Mail-Accounts einmal abgesehen.
Gegenüber anderen Systemen allerdings (z.B. VHCS, zu dem wir gleich kommen werden), besteht ein nicht zu vernachlässigender Nachteil darin, dass zu Zeiten von Spam und Viren im System kein Anti-Spammer wie SpamAssassin vorgesehen wurde. Die Integration eines solchen Filters in das derzeit verfügbare System (Version 2.21) ist leider alles andere als trivial, wenngleich aber trotzdem möglich. Auch ein Virenscanner fehlt standardmäßig. Dieser ist aber mit Hilfe des qmail-scanner [15] einfacher in das System zu integrieren als der Antispammer.
Der Hersteller ist zurzeit damit beschäftigt, SpamAssassin als installierbares RPM-Paket für ViSAS anzubieten. Wenn alles wie gewünscht funktioniert, ist dieser Mangel damit beseitigt. Wenn dieser Schritt allerdings weiter gedacht würde, könnte man dem System bei der Gelegenheit auch einen Virenscanner spendieren (zur Auswahl steht hier z.B. der Open-Source-Scanner ClamAV). Auf der anderen Seite könnte man qmail durch postfix ersetzen und diesen dann mit SpamAssassin und ClamAV ausstatten, was erheblich einfacher wäre als mit qmail.
Ansonsten ist dem System, wenn es einmal komplett eingerichtet ist, ein problemloser und komfortabler Betrieb attestierbar. Unterschlagen möchte ich nicht, dass durch die ViSAS-Übernahme durch die netforge Internet & Networks GmbH überhaupt erst wieder ein supporteter Betrieb inklusive Weiterentwicklung ermöglicht wurde. Der Support bewegt sich mittlerweile wieder auf einem akzeptablen bis guten Niveau, wenngleich es beim Supportforum noch einiges zu verbessern gäbe (z.B. die Integration einer Suchfunktion). Übrigens setzt der Provider Strato neben Confixx alternativ auch auf ViSAS.
VHCS - Virtual Hosting Control System
Das VHCS befindet sich im Versionsstand 2.0 für Debian-Systeme in der Stable Version, für andere Systeme allerdings noch in der Betaphase. Ab der Version 2 handelt es sich zudem auch um GPL-Software. Ich konnte vorher schon einmal die Version 1.6 testen und war sehr angetan von der exzellenten Supportleistung des Unternehmens. Für die Installations- und Supportgebühr in Höhe von 69 Euro wurde das System komplett auf der Linux-Plattform installiert und betriebsbereit eingerichtet - inkl. einiger telefonischer Supportanfragen danach. Da es sich damals um kein standardkonformes System handelte, ist diese Dienstleistung mehr als der notwendige Standardsupport. Die Version 1.6 hatte hier und da noch Ungereimtheiten, die 2.0 macht scheinbar einiges besser. Das Unternehmen ist übrigens eines der ersten, welches Skype (Internettelefonie) als Supportmedium für sich entdeckt hat (im Forum nachzulesen).Kurzübersicht VHCS:
- Plus: einfaches, intuitives Arbeiten ist möglich
- Plus: Antivirus (ClamAV) und SpamAssassin einfach zu integrieren
- Plus: sehr gute Supportleistung (Forum, Skype)
- Plus: Open Source
- Minus: bis auf den teilweise noch im Betastadium befindlichen Versionsstand (was an sich ja kein Mangel ist) und der damit verbundenen nur relativen Beurteilung ist mir nichts Negatives bekannt :-)
- Preis: 0 Euro
Als Voraussetzung für das System sind die folgenden Bedingungen einzuhalten:
- Apache-Webserver - 1.x oder 2.x
- Postfix als MTA
- ProFTP als Standalone-Version
- PHP 4.0.5 oder höher als Apache-Modul
- Perl
- MySQL-Datenbank
- POP3-Daemon (courier)
- IMAP-Daemon (courier)
- OpenSSL und mod_ssl zum Anlegen von SSL-Webs
- BIND8 / BIND9
Wir werfen einen Blick auf die Open-Source-Variante mit der Versionsnummer 2.0. Die Installation geht entgegen den Erwartungen wegen der Vorversion 1.6 (Perl-Problematik) einfacher vonstatten. Dazu ist die ausgezeichnete Dokumentation zu nennen, die alle Schritte leicht und verständlich erklärt. Die Vorgehensweise für die SpamAssassin und ClamAV-Integration finden Sie ebenfalls in der guten Dokumentation beschrieben.
Das System arbeitet ebenfalls in einer Admin-/Reseller-/Endkunden-Struktur. Einen Rundumblick auf die Geschehnisse auf dem Server, was konnektierte Domains anbelangt, erhält der Admin geordnet unter Benutzer verwalten. Neben diversen Tools wie einer IP-Verwaltung und der Anzeige des Serverstatus, existiert auch ein Supportsystem. Die gesamten Möglichkeiten sind zwar nicht so ausführlich wie bei ViSAS, dennoch aber mehr als ausreichend.
Im Resellerinterface lassen sich die konnektierten Domains verwalten. Dazu zählt neben der Übersicht zu Traffic und Webspace, ebenfalls das Supportsystem. Wie bei vielen anderen Systemen auch, ist eine Accountspezifikation sofort über Templates, hier heißen sie Hosting Plans, abrufbar. Auf diese Art kann man sehr schnell festlegen, ob z.B. PHP für einen Account zur Verfügung steht oder wie viele E-Mail-Konten oder MySQL-Datenbanken dieser Accounttyp verwenden darf. Inhaltlich findet sich das VHCS-Resellersystem im Großen und Ganzen so wie bei Confixx oder ViSAS wieder. Änderungen, z.B. bei Sprache oder Design werden übrigens erst nach einer weiteren Benutzeraktion aktualisiert, was man aber noch auf den derzeitigen Versionsstand zurückführen könnte.
Der Endkundenbereich beinhaltet die wichtigsten Werkzeuge, um E-Mail und Datenbanken sowie zusätzliche FTP- Zugänge zu managen. Ein Bereich für die Datensicherung oder Webmail (UebiMiau) fehlt ebenso wenig wie das schon angesprochene Supportsystem.
Insgesamt lässt sich wegen der erst kürzlich freigegebenen stabilen Version noch keine konkrete Aussage in Punkto Stabilität machen. Man kann das System aber jetzt schon in den wichtigsten Punkten mit Confixx und ViSAS vergleichen. Schön ist, dass man den Bereich Datensicherung ebenso wenig vergessen hat wie die oben schon angesprochene Integration von AntiSpam- und AntiViren-Filter. Alles in allem stellt es eine interessante Alternative zum Platzhirsch Confixx und auch ViSAS sowie zu anderen Systemen dieser Art dar.
Links
[1] 42go ISP-Manager: www.projektfarm.com/de/produkte/professional.php
[2] confixx: www.sw-soft.com/de/products/confixx/
[3] Control Panel: www.cyon.ch/copanel/demo/index.html
[4] cPanel: www.cpanel.net
[5] Hosting Control Panel: www.softwareforhosting.com/LCP/
[6] ISPMan: ispman.sourceforge.net
[7] pd-admin: www.pd-admin.de
[8] SysCP: www.syscp.de/wiki/DeAboutSysCP
[9] Vamsys: www.vamsys.de/xindex.htm
[10] VHCS: www.molesoftware.com/www/index.php
[11] ViSAS: www.visas.de
[12] web://cp: www.web-cp.net
[13] Webmin: www.webmin.com
[14] xams: www.xams.org/pages/home/home.php
[15] qmail-scanner: qmail-scanner.sourceforge.net




