Donnerstag, 24. Mai 2012


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April 2005 | Artikel

J2ME-Bankanwendung für mobile Endgeräte Fortsetzung, Teil 3

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Die größten Probleme allerdings hatte und hat man mit den HTTPS-Implementierungen der einzelnen Handys. Wie eingangs erwähnt, ist HTTPS mit MIDP 2.0 verpflichtend und auch bewusst eingesetzt worden. Leider haben einige Mobiltelefone mit HTTPS überhaupt nicht funktioniert. Diese konnte man nur mit einfachem HTTP bedienen – entgegen der Sicherheitsanforderungen der Sparkasse KölnBonn. Dazu zählten die getesteten Samsung-Modelle und die neue MIDP 2.0-fähige 65er-Reihe von Siemens. Siemens hat in seiner HTTPS-Implementierung auf TLS (sowohl SSL als auch TLS ist für HTTPS laut Spezifikation möglich) gesetzt und akzeptiert keine SSL-HTTPS-Implementierung. Samsung-Modelle brechen mit Nullpointer-Exceptions undefiniert ab und konnten auch aufgrund nicht beantworteter Serviceanfragen und dem Nichtvorhandensein von Developer-Foren nicht überzeugen.

Aber auch Nokia- und Sony Ericsson-Handys reagierten auf HTTPS-Verbindungen ganz unterschiedlich. Ist ein gefordertes Zertifikat zum Beispiel auf einem 6600 oder einem P900 nicht vorhanden, wird der Benutzer trotzdem gefragt, ob er diese HTTPS-Verbindung aufbauen möchte. Ein Nokia 6230 oder ein Sony Ericsson Z1010 oder K700 reagierten bei nicht vorhandenen Zertifikaten mit Exceptions, die nicht zu umgehen waren. Hier musste das Zertifikat vorhanden sein, um einen sicheren Betrieb gewährleisten zu können. Insgesamt war man aber mit der Ausbeute an unterstützen Handys dennoch zufrieden, muss doch anerkannt werden, dass MIDP 2.0 aktuell noch sehr jung ist. Um hier eine adäquate Qualität zu erreichen, sollten vielleicht die Mobiltelefonhersteller dazu übergehen, VMs von einem einzigen Lieferanten zu beziehen. Eines darf nicht verschwiegen werden: Die Projektgruppe hatte auch Handys, die zwar MIDP 2.0 in ihrer Produktspezifikation angaben, bei welchen es aber nicht möglich war, die Anwendung via OTA zu installieren.

Die Erfahrungen haben dazu geführt, dass die Anwendung vorerst auf Sony Ericsson, Nokia und Siemens und in dieser Reihenfolge ausgerichtet wird. Mobiltelefone anderer Hersteller werden augrund der aktuellen Erfahrungen und aus Kosten- und Aufwandsgründen vorerst nicht weiter getestet und betrachtet.

Auf PDA-Ebene werden Geräte ab Palm 5 unterstützt. IBM hat hier eine VM auf den Markt gebracht, die keinerlei Schwierigkeiten mit der Anwendung hat. Erwähnt werden sollte hier das brandneue Palm Treo 600 Smartphone, wobei offen ist, welche Chancen es in Bezug auf Symbian und den Ausstieg von Sony aus dem Palm-Konsortium Smartphones auf Palm-Basis und PDAs haben wird. Unter gleicher VM für den Pocket PC konnte man die Bankanwendung noch nicht sinnvoll zum Laufen bringen.

Diese oben genannte Ausrichtung wurde auch teambezogen vollzogen, indem sich die Anwendungsentwickler herstellerbezogen aufteilten. Neue Handys wurden von den Herstellerverantwortlichen eingekauft, getestet und die Supportanfragen entsprechend verteilt.

Akzeptanztest bestimmt das weitere Vorgehen – das Wetter in den nächsten Wochen
Wie zu Beginn erwähnt, reicht eine funktionierende mobile Bankanwendung für einen Breiteneinsatz nicht aus. Zwar hat man mit einer erfolgreichen Entwicklung die technischen Möglichkeiten und die Grenzen aufzeigen können, ob der Kunde die Entwicklungsergebnisse ähnlich positiv annimmt, weiß man zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Bevor die Sparkasse KölnBonn die mit einem Breiteneinsatz notwendigen zusätzlichen Investitionen tätigen will, möchte man diese Frage aber beantwortet wissen und hat sich auf folgendes Vorgehen geeinigt.

An 111 Tester werden 111 Nokia 6600-Handys verteilt. Über einen Zeitraum von drei Monaten sollen diese mit ihrer eigenen Mobilfunkkarte die Bankanwendung benutzen und testen. Für jeden dieser drei Monate erhalten die Tester 25 Euro Zuschuss zu ihrer Telefonrechnung. Nach Ablauf der Testphase können die Tester das Nokia-Handy verbilligt erwerben. Vertraglich verpflichten sich die Nutzer, mindestens zehn Transaktionen pro Monat mit dem Handy durchzuführen und entsprechende Fragebögen zu Beginn, während der Testphase und zum Abschluss auszufüllen.

Bei der Auswahl der Testpersonen war maßgebend, dass alle "Technologie-Skill-Stufen" und Altersklassen vertreten waren: Kunden, die jung und stark technologieinteressiert sind, und Senioren, die noch nie das Internet als Banking-Plattform benutzt haben. Gesucht wurden diese Kunden über die lokale Presse und Radiostationen – betreut werden diese im First-Level-Support von der eigenen Bank-Hotline und im Second-Level-Support von der Anwendungsentwicklung der Sparkasse KölnBonn.

Der Test wurde vom 15. Juni 2004 bis zum 15.September 2004 durchgeführt. Zum Zeitpunkt der Erstellung des Artikels lagen die abschließenden Ergebnisse und die daraus abzuleitenden Interpretationen nicht vor. Genauso wenig kann heute darüber berichtet werden, wie die Sparkasse KölnBonn letztendlich mit ihrem Handy-Banking weiter verfahren wird.

Im Gegensatz zum oben genannten Modell hatte die Abteilung Online-Vertrieb auch andere Test-Vorgehensmodelle und Handys diskutiert. Für einen Zuschuss und gegen einen neuen Sparkassen-gesponserten Mobilfunkvertrag für diesen Test sprach man sich deshalb aus, weil man wollte, dass der Kunde mit seinem Handyvertrag die mobilen Bankgeschäfte tätigen sollte und nicht das Sparkassen-Handy nebst Vertrag regelmäßig zu Hause lassen würde. So sollten möglichst realistische Rahmenbedingungen geschaffen werden – der Kunde sollte sein privates Handy, wenn vorhanden, gegen das neue Nokia 6600 austauschen. Dieser Grund sprach neben anderen auch für den Kauf und die Verteilung des Nokia 6600.

Alle getesteten Handys zum Test zuzulassen sprach gegen unseren Ansatz, mit möglichst wenig Aufwand zu starten. Hätte man alle Handys oder zum Beispiel nur die oben genannten drei eingesetzt, hätten jeweils drei Bedienungsanleitungen erstellt und die Hotline mit allen Handys ausgestattet werden müssen. Eine Testvoraussetzung sollte hier nicht unerwähnt bleiben: Die Kunden bekamen die Handys ohne vorinstallierte Bankanwendung oder eingestellte GPRS-Verbindung. Auch diesen Vorgang wollte man testen und deswegen musste ein solcher im Handbuch beschrieben werden.

Erste Ergebnisse – heiter bis wolkig
Die ersten Ergebnisse waren teilweise ernüchternd, hatten aber eigentlich überhaupt nichts mit unserer Bankanwendung oder ihrer direkten Technik zu tun. Die meisten, wenn nicht fast alle Schwierigkeiten waren Probleme mit der GPRS-Einstellung der Handys. Da die Kunden ihre eigenen Mobilfunkverträge, wie vorgegeben, verwendeten, hatte man hier mit einer Vielzahl von Problemvarianten zu kämpfen – von Vodafone zu E-Plus, von Vertrag zu Prepaid, von der brandneuen Karte bis zu der sechs Jahre alten und nicht GPRS fähigen Mobilfunkkarte. Waren die Verbindungseinstellungen erst einmal korrekt vorgenommen worden, konnten die Kunden die Anwendung in der Regel problemlos downloaden, installieren, bedienen und sogar updaten. Inzwischen steht die Version 1.03 zum Download zur Verfügung und die Anwender haben in den ersten zwei Monaten
  • insgesamt 5.038 Transaktionen auf 397 Konten durchgeführt
  • 1.319 Finanzstatus abgefragt
  • 1.709 Kontostände angefragt
  • 1.610 Umsatzabfragen durchgeführt
  • 400 Überweisungen durchgeführt
  • 8-mal mit ungültigen Versionen aufgerufen
Man darf an dieser Stelle aber nicht verschweigen, dass von den 111 Kunden heute noch zwei nicht mobil arbeiten und andere erst nach persönlicher Hilfestellung ihr Handy richtig einstellen konnten. Bei der großen Anzahl der Handys gehörten auch Hardwareprobleme bis zum Totalausfall zu den Schwierigkeiten. Aus diesem Umstand wurde geschlussfolgert, dass zukünftig und zusätzlich mit eigenen Konfig-SMSen gearbeitet wird, denn auch die Provider und ihre Konfig-SMS waren teilweise fehlerhaft und nicht verwendbar. Ebenso konnten einige Provider-Hotlines die GPRS-Einstellungsprobleme, mit welchen unsere Kunden zu kämpfen hatten, nicht lösen.

Der OTA-Installationsmechanismus der J2ME überzeugte stärker als erwartet. Selbst der nicht technikversierte Kunde hatte sehr schnell die Anwendung installiert. Ebenso funktionierte das Update mit und ohne Datenübernahme überraschend gut. Auch die Anwendung wird durch die intuitive und grafische Steuerung sehr positiv aufgenommen – bis heute sind keine Probleme mit der Handhabung bekannt.

Im Großen und Ganzen sind somit die technischen Probleme bis heute, sieht man von den GPRS-Einstellungen ab, unbedeutender, als während der Entwicklung erwartet. Nichtsdestotrotz war der Betreuungsaufwand bei der Hotline durch die Einstellungsprobleme am Anfang signifikant höher als angenommen. Bei allem Optimismus darf nicht unerwähnt bleiben, dass die Probleme auf ein Handy reduziert werden konnten. In welchem Umfang sich beim Einsatz einer Vielzahl von Handy-Modellen technische Probleme ergeben, bleibt unberücksichtigt. Allerdings sind inzwischen auch außerhalb Testpersonen, z.B. im Private-Banking-Bereich, andere Modelle im Einsatz und auch hier halten sich die technischen Probleme in Grenzen.

Auch über Erfahrungen aus dem Ausland kann berichtet werden. Ein Tester teilte mit, dass er am Strand an der türkischen Riviera seinen Kontostand prüfen konnte. Positive Meldungen haben uns auch aus Frankreich, Italien, Holland und Griechenland erreicht, wobei wir die Erfahrung machen mussten, dass nicht alle ausländischen Provider GPRS Roaming anbieten.

Weiteres Vorgehen – es klart auf
Da der Test zum Zeitpunkt der Entstehung des Artikels noch nicht abgeschlossen war, kann keine verlässliche Aussage zum weiteren Vorgehen gemacht werden. Auch wird diese Entscheidung nicht aus Sicht der Entwicklung, sondern aus dem Blickwinkel der Betriebswirtschaftlichkeit und der Bankstrategie getroffen. Geht man allerdings von den heutigen Feedback-Meldungen und den eigentlich geringen technischen Problemen aus, kann man sich aus Sicht der Anwendungsentwicklung vorstellen, das vorliegende mobile Finanzsystem weiter zu betreiben und auszubauen.

Unabhängig vom Ausgang haben die Anwendungsentwickler mit dieser Weihnachtsgeschichte aber gelernt und demonstriert, wie einfach Java auf mobile Endgeräte zu übertragen ist. Im Zusammenspiel mit attraktiven Handys kann diese Anwendung ein interessanter Zusatz für Private-Banking-Kunden sein.

Für die Zukunft hat der Fachbereich bereits einige interessante Ideen. Da das Handy eines der persönlichsten Medien ist, mit welchen Banken ihre Kunden erreichen können, könnte hier die personalisierte Ansprache für Informationen, Produktwerbung und -verkauf besonders viel versprechend sein. Das SKHandybanking, so der Name der Anwendung, könnte nicht nur ein Transaktions-Banking bleiben, sondern eine individualisierte und bankspezialisierte Vertriebsplattform werden.

Oliver Lauer ist Leiter der Anwendungsentwicklung der Sparkasse KölnBonn und Inhaber der mobinauten.de. In seinen Jahren als Anwendungsentwickler und Architekt hat er für große Banken und Versicherungen in Deutschland gearbeitet. Seit 1997 beschäftigt er sich mit Java.

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