Samstag, 11. Februar 2012


Buch-Tipp

Mythos Projekt

(Link zum Artikel: http://www.entwickler.de/php//000199)

Projekte gehören abgeschafft. Ein Plädoyer

  • Autor/in: Adrian W. Fröhlich
  • Verlag: Galileo Press
  • Seiten: 264
  • erschienen: 2001
  • Preis: EUR 24,90
  • ISBN: 3-89842-153-8

Das Fehlschlagen von Projekten in der IT-Branche, gerade von Softwareprojekten, ist heutzutage nichts Seltenes. Doch warum sind nur so wenige Projekte erfolgreich und was lässt sich dagegen tun? Genau zu diesen Fragen versucht Adrian W. Fröhlich in seinem Buch "Mythos Projekt" eine Antwort - oder zumindest einen Ansatz einer Antwort - zu geben. Als Ziel seiner Überlegungen gilt es, das heutige, konventionelle IT-Projekt durch eine neuartige Form zu ersetzen. Auf Grundlage seiner langjährigen Erfahrungen als IT-Berater analysiert er erst einmal mit einem teils doch recht provokanten Stil die Idee des Projekts und stellt die Frage, warum Projekte meist länger dauern als geplant, der finanzielle Aufwand höher ist oder das Projekt gar vollständig eingestellt wird. Am Ende der Überlegungen stehen Fröhlichs Ideen zur Neuformung einer IT-Organisationsstruktur.

Beginnend mit dem ersten Teil "Demontage" versucht Fröhlich, die Probleme in der Zieldefinition beziehungsweise im Anwenderverständnis von IT-Projekten zu erläutern. Dabei wird deutlich, dass er die heute eingesetzten Analyse-/Designprinzipien als zu abstrakt ansieht. Es muss also eine konkretere Projektplanung geschaffen werden. Zu diesem Zweck wird der Begriff proiectum (lat.: das Vorausgeworfene) eingeführt. Durch diese so entstandene Trennung zwischen dem proiectum und der eigentlichen Entwicklung lassen sich die Anforderungen an das Projekt bereits im Vorhinein spezifizieren. Dabei spielt auch die ständige Integration des Kunden in das Projekt eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die eigentliche Entwicklungsphase unterteilt der Autor wiederum in so genannte Job-Streams, in denen Architektur, Fabrikation sowie Integration eines Softwareprojekts realisiert werden. Im Vordergrund stehen dabei unter anderem die Ideen des Software Configuration Managements und des Change Managements. So ist jede Erweiterung durch neue Funktionen oder Änderung zwangsweise auch ein Change Request.

Bei seinen Überlegungen kommt Fröhlich übrigens auch auf das eXtreme Programming zu sprechen, was laut ihm das wohl einzige akzeptable, zurzeit eingesetzte Vorgehensmodell darstellt, da es flexibel ist und die Integration des Kunden in etwa ermöglicht. Iterative oder inkrementelle Vorgehensmodelle hingegen bezeichnet er als ungeeignet, da die notwendige Dynamik im Prozess hierbei nicht gewährleistet werden könne. Doch sind es nicht gerade diese Modelle, die heute (sofern sie korrekt angewendet werden) ein Großteil der IT-Projekte stützen, vielleicht sogar vor einem Fehlschlag bewahren?

Fazit: Adrian W. Fröhlich gibt in seinem Buch sehr gute Anregungen und Erläuterungen zu der heutigen Projektvorstellung. Zwar sehnt man sich beim Lesen doch an einigen Stellen nach einem konkreten, in der Praxis anwendbaren Lösungsansatz, dennoch sind seine Ideen sicherlich eine gute Grundlage für das Projektverständnis. Praktisch ist auch das Glossar, in dem die verwendeten Schlüsselbegriffe erläutert werden. Alles in allem ein Buch, das in keiner Bibliothek eines IT-Projektmanagers oder auch Softwareanalysten fehlen sollte.

von Michael Stumpf

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