Samstag, 11. Februar 2012


Buch-Tipp

Visual C# -- Mein Einstieg

(Link zum Artikel: http://www.entwickler.de/dotnet//000344)

Programmierung einer Applikation von der Konzeption bis zur Installation

  • Autor/in: Ivo Wessel
  • Verlag: Carl Hanser Verlag
  • Seiten: 471
  • erschienen: 2004
  • Preis: EUR 39,90
  • ISBN: ISBN 3-446-22531-5

Bücher zur Programmiersprache C# gibt es wie den sprichwörtlichen Sand am Meer. Einige Vertreter erschienen bereits vor der offiziellen Fertigstellung der Sprache und lassen sich daher selbst im Bücherramsch nicht mehr verkaufen. Ein Autor, der Ende 2003 noch mit einem C#-Buch an den Start tritt, verdient daher ein wenig Respekt. Oder sollte hier ein auch eine kleine Portion Naivität im Spiel gewesen sein? Wer sich das Buch näher anschaut, stellt schnell fest, dass einiges nicht ganz zusammenpasst. Eine Einführung in Visual C# und in die Sprache C# ist das Buch mit Sicherheit, wenngleich auch keine sehr systematische. Doch spätestens wenn es um das Thema Datenbankprogrammierung geht, wird es ein wenig seltsam. Überall taucht dieses Wörtchen VO auf, das in der gesamten Microsoft-Dokumentation schätzungsweise 0-Mal vorkommt. Und sogar mit "Für VO-Fans" ist ein Abschnitt überschrieben. Haben wir hier etwas ganz Wichtiges verpasst? Erst ein Blick in das Vorwort verschafft Aufklärung: Der Autor ist bekennender Anhänger von CA Visual Objects (VO), einem recht exotischen Datenbanksystem, das in Deutschland außerhalb der VO-Szene vermutlich nur deswegen jemand kennen könnte, weil es der indirekte Nachfolger des wiederum hierzulande sehr beliebten Datenbanksystems Clipper aus der DOS-Ära (ja, das war das Betriebssystem mit den 8.3-Dateinamen) zu sein scheint (VO-Kenner mögen mir die mangelnde Sachkenntnis in diesem Punkt bitte verzeihen). Das zweite Missverständnis könnte aus dem Umstand resultieren, dass der Autor der Meinung ist, C# an einer kompletten Applikation erklären zu können, einer kleinen Adress- und Terminverwaltung, die den Namen MyBook trägt, und die sich ebenfalls wie ein roter Faden durch das Buch zieht. Jetzt gibt auf einmal auch der Untertitel des Buches einen Sinn: "Mein Einstieg" beschreibt recht anschaulich, wie der Autor ohne sein Lieblingsthema CA VO aus den Augen zu verlieren, seinen Einstieg in Visual C# gemeistert hat. Schön und gut, doch hätte man daraus gleich ein Buch machen müssen?

Insgesamt hinterlässt das Buch einen etwas zwiespältigen Eindruck. Auf der einen Seite ist der Autor ein erfahrener Entwickler und Didakt, der Spaß am Schreiben hat und ein aktuelles und wichtiges Thema behandelt. Auch das Buch enthält viele nützliche Elemente, wie eine Übersicht über die Beispielanwendung auf der Innenseite des Titels und eine Liste wichtiger Tastenkombinationen in Visual C#. Ein humorvolles und lesenswertes "Nachwort" des bekannten Schriftstellers Max Goldt zum Thema "Schulen nicht unbedingt ans Netz" rundet das Buch ab, hat aber mit dem Thema nicht das Geringste zu tun. Auf der anderen Seite hat der Autor offenbar überhaupt kein Gespür für seine Zielgruppe und setzt voraus, dass sich der Leser genauso für VO und andere Spezialitäten begeistern kann wie er. Das größte Missverständnis liegt wahrscheinlich im Titel und hier ist sicherlich der Verlag nicht unschuldig, der dem Buch einfach einen anderen und vor allem etwas aussagekräftigeren Titel hätte geben müssen. Insgesamt kann das Buch daher nur bedingt empfohlen werden. Wer Zeit und Lust hat sich anhand einer kleinen Anwendung, die Textdateien als Datenbankersatz verwendet, in Visual C# einzuarbeiten, wird mit dem Buch sicherlich Spaß haben können. Wer jedoch einen (neutralen) Überblick über Visual C# und vor allem Informationen zu anderen wichtigen Themen wie ADO.NET (es wird auf Seite 173 in einem kurzen Absatz "abgehandelt") verschaffen möchte, dem sei von dem Buch leider abgeraten.

von Dot Martin

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