Zum Thema C# ist in den letzten Jahren logischerweise sehr viel geschrieben worden. Klar, die Microsoft-Sprache wird von der IT-Branche und den Fachverlagen nicht ignoriert. Leider wirkten gerade in der ersten Zeit (als die Sprache herauskam) etliche Bücher mehr schlecht als recht zusammengeschustert; mitunter lag das auch an den schlechten Übersetzungen. So weit so gut.
Nun hat der C#-Erfinder Anders Hejlsberg -- er war bei Borland maßgeblich an der Entwicklung von Delphi beteiligt -- höchstpersönlich zur Feder gegriffen und ein brandneues Werk verfasst. Seine Co-Autoren, Scott Wiltamuth und Peter Golde, sind in der C#-Gemeinde ebenfalls keine Unbekannten.
Das fast 700 Seiten starke Hardcover-Buch ist in zwei Teile gegliedert und richtet sich vornehmlich an erfahrene Entwickler und Umsteiger (C/C++, Java). Der erste Teil beschreibt in aller Ausführlichkeit den Aufbau und die Struktur dieser leistungsstarken Sprache, während der zweite Teil sich intensiv mit der Beschreibung der wichtigsten Features der Version 2 (Generics, anonyme Methoden, Iteratoren sowie partielle Typen) beschäftigt. Man darf also gespannt sein.
In sachlich-fundiertem Stil wird quasi jedes Konzept/Sprachmittel genauer unter die Lupe genommen und mithilfe zahlreicher Snippets erläutert. Das Spektrum reicht vom obligatorischen Hello World-Programm bis hin zur Beschreibung der Sprachgrammatik am Ende des Buches.
Wie gesagt, nach ein paar Miniprogrammen, gewissermaßen zum Aufwärmen, folgt die umfassende Darstellung der lexikalischen Struktur von C#; anschließend werden essenzielle Grundbegriffe erklärt. Das ist nützlich, denn somit ergibt sich ein einheitlicher Sprachgebrauch im Sinne eines Glossars. Aufbauend auf diesem Vokabular geht es in den folgenden Kapiteln dann weiter durch das reichhaltige Typensystem. Danach sind Ausdrücke, Variablendeklarationen, Namespaces sowie Strukturen, Delegates und die Ausnahmebehandlung an der Reihe. Generell gehen die Autoren zügig durch die Themen, ohne oberflächlich zu werden, weshalb das Buch für Programmiereinsteiger nicht die richtige Wahl sein dürfte. Falls Sie also gerade mit dem Programmieren begonnen haben, wählen Sie besser einen anderen Titel (zum Beispiel: „Learning C#“ von Jesse Liberty, O’Reilly, 2002).
Nach der Lektüre des Buches sollte der Leser einen Eindruck von der Power der Sprache haben. C# gehört mit Sicherheit die Zukunft (wenn auch nicht allein), denn das Microsoft-Produkt verfügt in der Tat über innovatives Potenztial. Unter Windows sind die Weichen längst gestellt, aber auch die großen Fortschritte des ambitionierten Mono-Projektes werden mit Sicherheit zur rapiden Verbreitung beitragen. Fazit: Es soll nicht verschwiegen werden, dass der Sprachumfang weiter zunimmt; ob das gut ist, muss sich noch herausstellen. Schließlich hat die Entwicklung von C++ gezeigt, wohin die schier endlose Integration neuer Sprachmittel führen kann -- Und das wollte man doch vermeiden, oder?
Das Buch ist gut, umfassend und kompetent geschrieben, daran gibt es keinen Zweifel. Es ist angesichts heutiger Buchpreise aber nicht in Ordnung, dass keine CD enthalten ist. Eine gute Idee wäre es nämlich gewesen, Mono und das .NET SDK auf eine CD zu packen, sodass interessierte Anwender die Beispiele parallel zur Lektüre probieren können.
Schlussendlich bleibt zu sagen, dass die Übersetzung insgesamt gelungen ist. Streckenweise wirkt der Stil etwas trocken, was auch ein wenig am Thema liegt. Viel Spaß beim Schmökern!








