Samstag, 11. Februar 2012


Buch-Tipp

PEER-TO-PEER

(Link zum Artikel: http://www.entwickler.de/jaxenter//000036)

Harnessin the Power of Disruptive Technologies

  • Autor/in: Andy Oram (Hg.)
  • Verlag: O’Reilly
  • erschienen: 2001
  • Preis: ca. EUR 33
  • ISBN: 0-596-00110-x

Der Computerbranche fehlt es nicht an Kreativität sowie an der Fähigkeit, sich selbst permanent neu zu erfinden und neu zu erklären. Wir werden ständig von Firmen mit neuen Begriffen geradezu bombardiert und wir, die Journalisten, geben diese an Sie weiter. Dies macht uns natürlich hungrig nach immer weiteren Neuigkeiten, und wenn eine Firma eine Zeitlang nichts Neues von sich gibt, glauben wir sofort, dass mit denen was nicht in Ordnung ist.
Bei O'Reilly ist das nicht anders, O'Reilly ist nicht nur ein Buchverlag, sondern auch eine Software-Company, und mischt sich immer unter die Wortführer der Computer-Industrie. Zuletzt hat sich O'Reilly dadurch hervor getan, dass es im Februar in San Francisco eine Konferenz einberufen hat, in welcher die Protagonisten der Branche wieder einmal aufgerufen waren, über eine neue "Revolution" zu diskutieren: Peer-to-Peer, kurz: P2P.
Peer-to-Peer erinnert mich immer irgendwie an Windows 3.11. Diese Vorstufe zu Windows 95 bzw. NT hat es kleineren und mittleren Unternehmen immerhin ermöglicht, ohne teure Novell-Installationen ein firmeneigenes Netzwerk aufzubauen, einzelne Rechner konnten über ihren zentralen Server auf unproblematische Weise miteinander in Kontakt treten. Peer-to-Peer kam allerdings nicht erst mit Windows 3.11 auf die Welt, das Unix-Betriebssystem konnte dies natürlich schon immer. Zusammen mit dieser Fähigkeit hat uns Unix, kombiniert mit dem zum allseits akzeptierten Standard erhobenen TCP/IP, das Internet beschert, so wie wir es heute kennen. Und so kam auch ein Haufen junger Amerikaner auf die Idee, auf Basis dieser Standards eine Plattform anzubieten, über welche Surfer beliebige Daten miteinander austauschen können, und zwar direkt von der Festplatte ihres heimischen Rechners aus: Napster war geboren.

Was wird aber in diesem Buch behandelt? "Peer-to-Peer - Harnessing the Power of Disruptive Technologies" besteht aus drei Hauptkapiteln: 1. Vorstellung und Übersicht, 2. Projekte und der 3. Abschnitt beschäftigt sich mit technischen Aspekten von Peer-to-Peer und Internet.

In ersten Abschnitt versuchen einige "Leader" der Software-Industrie herauszufinden, worin genau das Versprechen von Peer-to-Peer besteht und welches die Mythen sind und wo vielleicht die Grenzen des Verfahrens liegen. Vor dem Hintergrund der momentanen Situation der Computer-Industrie, in welcher die Nachrichten von Entlassungen und Firmenpleiten so häufig sind wie früher mal die Erfolgsmeldungen, ist jedermann auf der Suche nach einem richtig prickelnden Thema, um neue Gelder, neues Venture Capital und neue Aufmerksamkeit zu erlangen. Dieser Abschnitt versucht folgerichtig, den Peer-to-Peer-Gedanken in den Himmel hoch zu loben und als nächsten Meilenstein der Software-Menschheit darzustellen.

Der zweite Abschnitt beschäftigt sich mit laufenden Projekten sowie mit solchen, die sich zur Zeit im Aufbau befinden. Eines der interessantesten Kapitel stammt von Jeremie Miller, Projektleiter von Jabber, der XML-basierten Instant-Messaging-Technologie, mit deren Hilfe sich spontan Communities gründen lassen. Alle weiteren wichtigen Projekte wie SEIT@home, Gnutella, Freenet usw. werden ebenfalls von deren Protagonisten besprochen. Zuletzt werden die technischen Voraussetzungen sowie einige Besonderheiten des Peer-To-Peer Computings wie Metadaten, Sicherheit, Performance und Vertrauen diskutiert.

P2P: Ein Meilenstein der Softwaregeschichte? Wohl kaum. Auf jeden Fall ein Schritt für die Verbesserung der internetbasierten Kommunikation. Das vorliegende Buch versucht, uns mit einer umfassenden Einführung an das Thema heranzubringen und uns sozusagen Up-to-date zu halten. Zwei weitere wichtige Technologien, JXTA von Sun (www.jxta.org) und .NET von Microsoft (auch hier spielt Peer-to-Peer eine Rolle!) bleiben im übrigen unberücksichtigt. In bewährter Manier hat man sich bei O'Reilly vor allem auf die "Open Sourcianer" konzentriert. Übrigens, das Buch eignet sich auch als Bettlektüre, da nicht in reinem Fachchinesisch geschrieben! Und alle IT-Manager und Strategen, die über P2P nachdenken, sollten sich das Buch in jedem Fall zu Gemüte führen. Die Webseite zum Buch und P2P-Technologie von O'REILY lautet www.openp2p.com.

von Masoud Kamali

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