Donnerstag, 24. Mai 2012


Buch-Tipp

Das Compiler-Buch

(Link zum Artikel: http://www.entwickler.de/jaxenter//000056)
  • Autor/in: Heinz-Gerd Küster
  • Verlag: mitp-Verlag
  • Seiten: 384 Seiten und CD
  • erschienen: 2001
  • Preis: EUR 24,95
  • ISBN: 3-8266-0659-0

Der Umschlag des Compiler-Buches erweckt Hoffnungen, die im Inhalt nicht erfüllt werden. Laut Untertitel geht es um "Freie Compiler und Interpreter", aber von den populären Interpretern Perl, Python, Tcl oder Ruby wird nur Perl einmal erwähnt: In einer (unsortierten) Tabelle, aus der die Programmierereffektivität einer Sprache abzulesen sein soll.
Laut Titelseite wird "Professionelle Softwareentwicklung mit freien Programmiersprachen" behandelt, dagegen kündigt das Vorwort an: "Das vorliegende Buch erleichtert dem DV-Interessierten den Einstieg in diverse Programmiersprachen", was eine komplett andere Zielgruppe anspricht. Aber auch diese wird nicht entsprechend bedient: Es gibt ein sage und schreibe 6 (!) Seiten langes "Kapitel" über LISP, das der Sprache nicht nur nicht gerecht wird, sondern auch noch einen vollkommen falschen Eindruck der Sprache vermittelt: Es enthält neben der (wie üblich rekursiv programmierten) Fakultätsfunktion eine vier Seiten lange Diskussion einer trivialen Funktion, nach deren "Genuss" man glaubt, LISP ist BASIC mit Klammern. Kein Wort über Common LISP, nichts zum Thema OOP in LISP.
Das Prolog-Kapitel ist inhaltlich und didaktisch besser gelungen, aber auch dort erscheint ein zwei Seiten langes Listing für ein Expertensystem, das inhaltlich nichts Neues bringt. Diese seitenfüllende "Programmiertechnik" zieht sich durch die übrigen Kapitel, bei denen eine deutliche Vorliebe für C/C++ (56 bzw. 41 Seiten) deutlich wird, während Objective C pro forma auf einer Seite erwähnt wird. Und dabei taucht dann auch noch die Formulierung auf, dass der "Name der angelegten Klassen ausgegeben wird", was wohl besser "der Name der Klasse des angelegten Objekts" heißen sollte. Die übrigen Sprachen (Ada, Basic, Java, HTML/JavaScript, Pascal, Fortran und Prolog) werden jeweils auf rund 20 Seiten behandelt.
Das Stichwortverzeichnis ist etwas zu knapp geraten, ein übersichtliches Verzeichnis weiterführender Literatur und URLs fehlen. Diverse Fehler im Layout (Bezeichnungen und Überschriften erscheinen als Teil des Quellcodes) sowie Diskrepanzen zwischen dem abgedruckten Quellcode und den Bildschirmkopien tun ein Übriges, um den Gesamteindruck des Buches ins Negative zu verschieben. Das Buch ist seit der ersten Auflage nicht besser geworden.

von Stefan Schmiedl

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