Freitag, 10. September 2010


Buch-Tipp

Portabler Code

(Link zum Artikel: http://www.entwickler.de/jaxenter//000614)

Einführung in die plattformunabhängige Softwareentwicklung

  • Autor/in: Brian Hook
  • Verlag: Open Source Press
  • Seiten: 299
  • erschienen: 2006
  • Preis: 34,90 Euro
  • ISBN: 978-3-937514-19-2

Das Fachbuch "Portabler Code" von Brian Hook behandelt die vielen kleinen und großen Probleme und Aufgaben, die bei der Entwicklung von Software für verschiedene Plattformen und Betriebssysteme entstehen. Das Buch beschränkt sich bei diesem komplizierten Themenkomplex zum Glück nicht nur auf die Theorie, sondern beinhaltet viele Beispiele aus der Praxis. Ergänzend liefert Brian Hook konkrete Snippets aus seinen zwei Open-Source-Projekten sal (Simple Audio Library) und POSH (Portable Open Source Header). Die Code-Schnipsel und einige der Anekdoten basieren dabei auf Erfahrungen mit C bzw. C++, die meisten Punkte sind dabei allerdings nicht sprachspezifisch und lassen sich somit problemlos auf Java und andere Sprachen übertragen. Sehr interessant ist die Behandlung eines alten Themas: Byte-Reihenfolge. Auf den ersten Blick scheint dies nur für Entwickler relevant, die etwa in C relativ abhängig vom System programmieren, jedoch stellt Brian Hook auch dar, was dies für Software, die über verschiedene Plattformen hinweg eingesetzt wird und miteinander kommuniziert, bedeutet. So macht er deutlich, welche Überlegungen angestellt werden müssen, wenn Dateien oder Netzwerkpakete zwischen Plattformen mit verschiedenen Bytereihenfolgen ausgetauscht werden sollen. Andere Kapitel und Funktionalitäten, die Einfluss auf Software haben, werden leider viel zu kurz behandelt. So werden plattformübergreifende Frameworks wie Qt und wxWidgets zwar erwähnt, jedoch wird das Buch der Wichtigkeit dieses Themas keinesfalls gerecht: Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Toolkits werden nicht angesprochen.
Was man in einem Buch über portablen Code nicht unbedingt erwartet, was aber eine wertvolle Quelle für Entscheidungen ist: Nicht nur der Code, sondern auch die Wahl der Tools -- sei es der Compiler, des Editors oder des Versionsmanagementsystems – hat Einfluss auf eine effiziente Entwicklung von Software, die über mehrere Betriebssysteme und Hardwareplattformen zur Verfügung stehen soll. Ein Schluss wird nach dem Lesen dieses Buchs jedem Softwareentwickler in Fleisch und Blut übergehen: Portabilität ist nur Mittel zum Zweck und keinesfalls ein Selbstzweck. In jedem Kapitel wird dem Programmierer zweifelsfrei nahegebracht, wo die Grenze des Machbaren liegt und es wird klar, welcher Aufwand nicht mehr lohnt, um eine Portabilität auf Biegen und Brechen herzustellen. Alles in allem lohnt sich die Lektüre dieses Buchs für jeden Entwickler, der portable Software entwicklen möchte, denn es sensibilisiert für Themen, an die man selbst nicht spontan gedacht hätte.

von Tobias Wassermann

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