Donnerstag, 24. Mai 2012


Buch-Tipp

Objektorientierung in 7 Tagen

(Link zum Artikel: http://www.entwickler.de/jaxenter//000064)
  • Autor/in: Heide Balzert
  • Verlag: Spektrum Akademischer Verlag
  • Seiten: 240 Seiten plus 60 Seiten Anhang und 2 CDs
  • Preis: ca. EUR 50
  • ISBN: 3827405998

Das Buch wendet sich nach eigener Darstellung sowohl an Manager als auch an Entwickler, die einen praxisnahen und schnellen Einstieg in die Objektorientierung suchen. Diese Zielgruppe soll innerhalb von 7 Tagen Objektorientierung erlernen. Ein ehrgeiziger Versuch, der es lohnt, unter die Lupe genommen zu werden.
Ein Web-Shop mit Artikelverwaltung führt wie ein roter Faden durch das Buch von Heide Balzert. Der objektorientierte Entwurf des Systems erfolgt in UML unter Verwendung von Rational Rose, aus dem Modell erfolgt die Erzeugung von Java-Sourcecode mit dem Sourcecode Generators oTRIs Janus. Es entsteht somit direkt aus dem Modell ein objektorientierter Prototyp und es muss keine einzige Zeile manuell kodiert werden. Daraus ergibt sich automatisch, dass der Schwerpunkt des Buches beim Entwurf objektorientierter Systeme und nicht bei deren Implementierung liegt.

Drei Bücher in Einem
Der Leser bekommt daher eigentlich nicht nur ein Buch für sein Geld, sondern es sind drei miteinander verwobene Bücher. Das Erste beschäftigt sich mit den theoretischen Grundlagen und der Begriffsdefinition in der Objektorientierung. Was ist eine Klasse, was ein Objekt usw.? Die Sachverhalte werden präzise und sauber definiert dargestellt. Das Zweite Buch im Buch beschäftigt sich mit UML und der Beschreibung des Projektes in dieser Notation. Im Dritten und der Praxis am nächsten angesiedelten Buch wird dann das UML Modell mit Rational Rose erarbeitet und der Java Sourcecode generiert. Alle praktischen Schritte werden detailliert erklärt. Zum Schluss ist ein lauffähiger Prototyp des Web-Shops vorhanden. Zum Buch gehören zwei CDs mit zeitlich beschränkten Vollversionen von Rational Rose und oTRIs Janus, sowie den notwendigen Java SKDs und andere Software. Man ist somit in der Lage und wird von der Autorin auch dringendst aufgefordert, die Beispiele im Buch nachzuvollziehen und an Hand einer Aufgabenverwaltung selbst tätig zu werden, um das gelernte gleich erfolgreich zu vertiefen.

OO in 7 Tagen
Das Ziel ist, Objektorientierung in 7 Tagen. Dazu erfolgt am ersten Tag die Einführung in die Grundbegriffe wie Klasse, Attribut usw. Auch wird sich der Frage gewidmet, wie man Klassen identifiziert und diese in UML darstellt. Am zweiten Tag folgt die Beschäftigung mit den Assoziationen zwischen den Klassen und den sich daraus ergebenen Notwendigkeiten, wiederum erfolgt die Übertragung des gelernten in UML und den Prototyp. Der dritte Tag widmet sich der Vererbung. Was ist zu dabei beachten, wozu dient sie? Nebenher bleibt noch Zeit sich mit den Grundsätzen der Gestaltung einer Software aus Sicht eines Softwareergonomen zu beschäftigen. Somit bekommt der angestrebte Prototyp auch ein ansehnliches Äußeres.
Geschäftsabläufe und Use Cases bilden den Schwerpunkt am vierten Tag, womit unsere Klassen dann neben Attributen auch noch Methoden bekommen. Dieser Tag bildet dann auch den Schluss des inneren Kerns der Objektorientierung. Das fachliche Modell ist fertig und wir können uns in den Folgetagen der Implementation widmen.
Am fünften Tag wird aus der objektorientierten Analyse ein objektorientiertes Design und am sechsten Tag folgt die Beschäftigung mit Java Servlets. Am letzten Tag bietet das Buch einen Exkurs zum Softwareengineering, und welche Strategien zur Bewältigung solcher Aufgaben sinnvoll sind. Man erfährt dabei auch, warum das mit dem Wasserfallmodell bei der Projektplanung nie funktioniert hat.

Fazit
Das Ziel, Objektorientierung in 7 Tagen zu vermitteln, ist sehr ehrgeizig und wird in meinen Augen nur teilweise erfüllt. Das Buch bietet in präziser Form an Hand eines nachvollziehbaren Beispiels einen Leitfaden durch die Objektorientierung und benachbarter aktueller Themen der Sofwareentwicklung. Das Glossar zum Buch reicht von "Abstrakte Klasse" über "Mehr-Schichten-Architekur" bis zu "XML". Als Entscheidungsträger im technischen Bereich oder für einen ersten neugierigen Blick, ist das Buch sicherlich gut geeignet, alle Sachverhalte sind richtig und in den richtigen Zusammenhängen dargestellt. Wer aber objektorientierte Programmierung, also mit dem Schwerpunkt der tatsächlichen Implementation erlernen will, bewegt sich hier ein wenig weit weg von der Praxis.

von Andreas Tengicki

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