Relationale Datenbanksysteme sind in der Praxis die am meisten verbreiteten Datenbanksysteme. Es mag kaum noch einen größeren Betrieb geben, der sie nicht im Einsatz hat. Doch zum effektiven Einsatz solcher Systeme sind gewisse Grundkenntnisse über den Aufbau und die Funktionsweise erforderlich. Genau dies ist Gegenstand des Buchs "Relationale Datenbanksysteme" von Kleinschmidt und Rank.
Das erste Kapitel dient zur Einführung in die Thematik der relationalen Datenbanksysteme. Die Autoren erklären kurz was ein Datenbanksystem ist und die Anforderungen an ein solches System. Sie gehen auf die Unterschiede zu früher verwendeten Dateisystemen ein. Dann stellen sie ein Modell zur Abgrenzung der Abstraktionsebenen in einem Datenbank Management System (DBMS) auf. Im zweiten Kapitel geht es um die relationale Algebra und deren Umsetzung in das Entity-Reationship-Modell, sowie dessen Umsetzung in Relationen (Tabellen). Dies wird dem Leser anhand eines praxisnahen Beispiels verdeutlicht, das ihn bis zum Ende des Buchs begleitet. Es werden nur kurz und relativ einfach die theoretischen und mathematischen Hintergründe erklärt, die man für den Umgang mit relationalen Datenbanken braucht. Das Kapitel ist so geschrieben, dass der Datenbankneuling oder der eher praxisorientierte Leser es gut versteht. In den Kapiteln 3, 4 und 5 geht es um die Anfragesprache SQL. Es wird kurz auf die verschiedenen im Laufe der Zeit entstandenen SQL-Standards eingegangen und die SQL-Sprachstruktur erklärt. Anschließend werden dem Leser anhand vieler Beispiele (die sich an Oracle 8i orientieren) die wichtigsten SQL-Befehle veranschaulicht. Dabei richten sich die Autoren nach dem derzeit neusten SQL-Standard: SQL1999. Abweichungen vom SQL1999-Standard werden in einem mit "SQL1999" gekennzeichneten Abschnitt erklärt, sodass man die Beispiele auch mit anderen Datenbanksystemen nachvollziehen kann. Kapitel 4 befasst sich außerdem noch mit Anomalien in Datenbanken und ihrer Vermeidung durch Normalformen von Relationen. Die erste, zweite und dritte Normalform werden anhand von Beispielen erklärt. Anschließend wird noch auf Dekomposition eingegangen. Kapitel 5 befasst sich mit Transaktionen, Mehrbenutzerbetrieb, Datenschutz und Zugriffsrechten. Das sechste Kapitel ist stärker Oracle-spezifisch geschrieben, da es auf die Oracle-eigene Sprache PL/SQL eingeht, welche SQL um prozedurale Sprachkonstrukte erweitert. Anhand dieser werden aber allgemeine Konzepte, die es in anderen DBM-Systemen auch gibt, wie das Cursor-Konzept und Trigger, erklärt. Die letzten beiden Kapitel befassen sich schließlich mit Datenbankzugriffen von höheren Programmiersprachen und der Integration von Datenbanken ins WWW. Die Autoren gehen auf Embedded SQL mit C, die DBI-Schnittstelle für Perl und der Erstellung von Webformularen mit CGI-Skripten ein.
Im Anhang werden für Leser, die ohne Vorkenntnisse im informationstechnischen Bereich einsteigen, die Funktion und der Umgang mit Syntaxdiagrammen erklärt. Es gibt einen eigenen Anhang für Softwarebezugsquellen, die größten Teils zumindest zur nicht kommerziellen Benutzung freigegeben sind. Mit dieser Wahl der Software geben die Autoren dem Leser die Möglichkeit, die Beispiele praktisch nachzuvollziehen. In einem weiteren Kapitel des Anhangs werden eine Reihe von Beispieldatenbanken angeben, anhand derer Aufgaben mit dazugehörigen Musterlösungen gestellt sind. Zu guter Letzt gibt es noch eine SQL-Kurzreferenz mit den im Buch verwendeten Befehlen und den dazugehörigen Verweisen auf die entsprechenden Kapitel.
Das Buch stellt eine gute Einführung und einen guten Überblick über das Gebiet der Relationalen Datenbanken, ihrer Entwicklung und Anwendung dar. Besonders gut gefällt mir dabei, dass die Autoren sich nach dem SQL1999-Standard richten und durch Oracle sich ergebende erklären. Im letzten Kapitel, "WWW-Integration von Datenbanken", hätten die Autoren etwas zeitgemäßer sein können, indem sie auf Java, Servlets, JSPs etc. eingehen. Dass im Anhang noch eine Reihe weiterer Beispieldatenbanken samt Übungsaufgaben angegeben sind, gibt dem Leser eine gute Möglichkeit, sich in das Gebiet einzuarbeiten. Zu der dazu benötigten Software ist allerdings anzumerken, dass ein freier Internetzugang bzw. eine Flatrate zur Verfügung stehen sollte, da Oracle wegen seiner Größe sonst doch die Telefonrechnung beträchtlich in die Höhe treiben würde. Außerdem braucht man dafür einen leistungsstarken Rechner, was aber für die meisten heute kein größeres Problem mehr darstellen wird. Für Datenbankneuling stellt es ein Werk zum Einsteigen dar. Datenbank-Administratoren und -Entwickler mit wenig fundierten Kenntnissen finden in dem Buch eine Quelle zur Festigung und Auffrischung ihres Wissens über das Themengebiet. Für Datenbank-Profis hingegen ist das vorliegende Buch nicht geeignet. Außerdem ist das Buch eine sehr gute Begleitlektüre zu einer Einführungsvorlesung in das Gebiet der Relationalen Datenbanken. Dabei ist anzumerken, das Herr Prof. Dr. Kleinschmidt Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik an der Universität Passau ist.




