Donnerstag, 11. März 2010


Buch-Tipp

The Songbird’s Suicide

(Link zum Artikel: http://www.entwickler.de/cod//000806)
  • Autor/in: Nils Kasiske
  • Verlag: Gudberg
  • Seiten: 88
  • erschienen: Oktober 2009
  • Preis: 24,00 Euro
  • ISBN: 978-3940558459
8/10 Punkte

Die Szenerie könnte jeder beliebigen Großstadt entstammen: Eine billige Spelunke, dunkel, die vergilbten Wände sind nicht mehr zu erkennen. Ein Tresen mit zu hohen Barhockern, das Leder zerschlissen. Jeder Stuhl besetzt. Ein Bier reiht sich an das nächste, dahinter erschöpfte Gesichter. Das Ende eines Tages, erfüllt von Arbeit, Belegen, Verträgen, Steuer und Korrespondenz. Karoschi erscheint nicht mehr als mögliches hinzunehmendes Übel, vielmehr als Ausweg.

Monochrom zeichnet der Hamburger Künstler Nils Kasiske mit "The Songbird’s Suicide" einen ästhetischen Kommentar aktueller Gestaltungsdirektiven des 21. Jahrhunderts. Seine Bilder menschlicher Vögel zeigen stets das Ende einer Lebensgeschichte. Den Freitod des Singvolgels, mitunter den von Gudrun, Ernest, Kurt, Lolo, Ihnen und mir. Es geht um persönliche Schicksale, die um die Ambivalenz aus Individuum und Massenkultur, Genie und Wahnsinn, Rebellion und Hype, Gier, Geld und Selbstfindung kreisen.

Was die Motive und Lebensgeschichten der Singvögel gewesen sein mögen, bleibt jedoch dem Betrachter und seiner eigenen Reflexion und Phantasie überlassen. Denn Kasiskes Arbeit hat zwei Seiten: der künstlerische Impuls sowie die individuelle Interpretation des Publikums. Die Bilder sind die direkte Aufforderung zur Kommunikation und Interaktion.

Damit geht Kasiske über die reine Sozial- und Konsumkritik hinaus. Vielschichtig, konzeptionell und ambivalent fordert er den Betrachter heraus. Und es drängt sich unweigerlich die Frage auf: "Was ist bloß aus uns geworden?"

von Felix Schrader

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