Adobes Flex-Framework wurde im letzten Jahr einer Runderneuerung unterzogen und in der Version 4 veröffentlicht. Im Zuge dieses Releases stellte Adobe auch die Version 4 der Eclipse-basierten Entwicklungs-IDE Flash Builder vor, ein Werkzeug dass erstmalig nun auch Einzug in verschiedene Editionen von Adobes Creative Suite CS5 fand. Bereits während der späten Betaphase von Flex 4 hat Autor Florian Müller den Titel "Flash Builder 4 und Java" im Software & Support Verlag veröffentlicht. Das Buch versteht sich nicht als allumfassendes Werk zum Thema, sondern trägt den Untertitel "Kickstart" und wird der hierdurch geweckte Erwartungshaltung - in einem positiven Sinne - auch durchaus gerecht.
Florian Müller beginnt mit einer allgemeinen Einleitung in die Thematik von User-Interface-Technologien und im besonderen Adobes Flash-Plattform. Hierzu werden üblicherweise eher verwirrende Begriffe wie Flex, Flash, Flash Player oder Flash Catalyst und der generelle Aufbau einer Flash-/Flex-basierten Rich Internet Anwendung gezeigt. Die Zielgruppe des Titels umfasst offenkundig Entwickler, die an Java und der Flash-Plattform interessiert sind, so dass auch Überlegungen zur Anbindung von Flash-basierten Clients an Java in dieser Einleitung nicht fehlen dürfen.
Kapitel zwei beinhaltet einen Leitfaden zur Installation einer Eclipse-Umgebung mit dem Web-Tools-Platform-Plug-in, welcher später auch Flash Builder 4 als Plug-in hinzugefügt wird. Ebenso werden ein Tomcat-Server sowie Flash Catalyst installiert und eingerichtet. Nach diesem eher technisch gehaltenen Kapitel geht es dann um die Erstellung einer ersten Flex-Anwendung, die XML-Daten via BlazeDS vom Tomcat-Server lädt. Vor allem die Ausführungen zum Einrichten dieser Anbindung in Kapitel vier sind als sehr gelungen zu betrachten und machen den Einstieg in die Entwicklung von Flash-basierten RIAs mit Java-Backends deutlich einfacher.
Nachdem diese initiale Hürde überwunden ist, geht der Autor in Kapitel fünf und sechs auf Photoshop und Flash Catalyst ein. Der gestandene Java-Entwickler mag sich an dieser Stelle über diese Vorgehensweise wundern, muss sich allerdings belehren lassen, dass beide Werkzeuge eine wichtige Rolle in der RIA-Entwicklung spielen. Photoshop ist neben Illustrator oder Fireworks das wohl gängigste Tool zum Erstellen eines 2D-Designs und bei Flash Catalyst handelt es sich um eine Anwendung mit deren Hilfe sich solche Designs in interaktive RIA-Prototypen überführen lassen. Das Kapitel zu Photoshop ist eher als Mittel zum Zweck zu sehen und um die Leser durch einen kompletten Design- und Entwicklungsprozess zu führen - wer bislang keine Beziehung zu Photoshop hatte, wird eine solche auch nicht nach der Lektüre dieses Buches haben. Der Abschnitt zu Flash Catalyst jedoch sollte Pflichtlektüre für angehende RIA-Entwickler sein, vor allem auch da Flash Catalyst in Adobes künftiger RIA-Strategie eine weitaus wichtigere Rolle spielen dürfte.
Kapitel sieben führt die Leser zurück zur Java-Integration. Diese wird nun erweitert und der Autor geht auf die Erstellung von Serviceklassen in Java ein und spricht dort auch kurz einige der gängigen Best Practices an (wie z.B. die Nutzung von Spring mit Flex). Ein weiteres Thema dieses Kapitels sind die Konfigurationsdateien von BlazeDS sowie der Network Monitor in Flash Builder. Der Autor geht hier auch anhand eines Beispiels auf die Anbindung der vom Server kommenden Daten im MXML-Code des Frontends ein. Kapitel acht listet aus Sicht des Autors vorhandene Problemstellungen in der Werkzeugkette auf und gibt Anregungen wie diese zu umgehen sind und Kapitel neun beschäftigt sich abschließend in aller Kürze mit Unit Testing in Flash Builder 4.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass "Flash Builder 4 und Java" ein guter Titel zum Einstieg in die Materie ist - sowohl für Flex-Entwickler, die mehr über die Anbindung von Java-Backend missen wollen als auch für Java-Entwickler auf der Suche nach einer schnellen Einführung in die Flex-Entwicklung. Man darf jedoch nicht erwarten, nach der Lektüre des Kickstart-Titels Profi in einer oder gar beider Technologien zu sein - zur Vertiefung bieten sich zahlreiche spezialisierte Bücher an.




