Donnerstag, 24. Mai 2012


Buch-Tipp

Never Use More Than Two Different Typefaces

(Link zum Artikel: http://www.entwickler.de/cod//000864)

And 50 Other Ridiculous Typography Rules

  • Autor/in: Anneloes Van Gaalen
  • Verlag: Bis Publishers
  • Seiten: 160
  • erschienen: 31. Januar 2011
  • Preis: 11,80 Euro
  • ISBN: 978-9063692162
9/10 Punkte

Darf man den Dalei Lama zitieren, wenn man eigentlich etwas zu einem nicht-spirituellem, typografischem Büchlein sagen will? Sollte irgendein Gebot dies verbieten – ich tue es trotzdem: "Lerne die Regeln, damit du sie richtig brechen kannst," soll der ausgeglichene Tibeter einmal gesagt haben. Und damit wären wir genau da, wo wir hin wollten. Bei dem hübschen Nachschlagewerk für Typografen Never Use More Than Two Different Typefaces.

Man will gar nicht meinen, wieviele Regeln es bei der Verwendung von Fonts gibt. Zählt man das Credo des "Lass bloß die Finger von Comic Sans" einmal weg, so bleiben immer noch wenigstens 49 angebliche Prinzipien, die jedem werdenden Typografen wenigstens in der Ausbildung eingehämmert werden. Überhaupt scheint das kreative Handwerk ein nahezu von Regeln und Verboten durchdrungenes Gewerbe zu sein. Als letztes Bändchen einer fünfteiligen Reihe bricht man nach den jeweils 50 Geboten von Design, Mode, Werbung und Web bereits erfolgreich 250 "lächerliche" Regeln in Folge – und die letzten, vorliegenden knöpfen sich eben nun die Typografie vor.

Never Use More Than Two Different Typefaces ist kein Buch, dass man – im Sinne eines Theorie-Studiums – durchackern kann. Der homoristische Titel ist eher dahingehend Programm, dass man ein wenig lockerer mit dem aktuellen Status Quo der Typografie umgeht. Lange Ausführungen über Sinn und Zweck spezifischer Regeln mit anschließender, akribischer Widerlegung sucht man vergebens. Das Buch will vielmehr die kritische Haltung des Lesers fördern, indem es zunächst die Regel erklärt und dann durch Worte bekannter Typographen, Pressestimmen oder anderweitige Zitate erweitert bzw. hinterfragt. Durch diese Vorgehensweise wird ein Gebot niemals ganz widerlegt, durch verschiedene Perspektiven allerdings zumindest relativiert.

Unterstützt wird dieser Effekt durch die reichhaltige Bebilderung. Auch wenn man gerade keine Lust hat, die Lesebrille herauszukramen – jede besprochene Richtlinie wird durch Bilder begleitet, die nahezu fabelhaft miteinander korrespondieren. So genügt manchmal nur ein Blick, um zu erkennen, dass Helvetica nun wirklich nicht immer die richtige Wahl ist oder dass mit einem Grid noch längst nicht alles getan ist.

Never Use More Than Two Different Typefaces ist ein Büchlein, dass sich all jenen empfiehlt, die viel und gerne mit Typografie zu tun haben. Es kann inspirierend sein oder einfach nur als Zeitvertreib herhalten. Denn man kann dem Buch weder einen mangelnden Sinn für Humor, noch einen Dogmatismus vorwerfen: Schließlich wäre es ja paradox, die alten Regeln sofort wieder durch neue zu ersetzen. Das soll der Leser von Fall zu Fall schön selbst entscheiden.

von Jürgen Telkmann

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