Donnerstag, 24. Mai 2012


Buch-Tipp

Barrierefreiheit verstehen und umsetzen

(Link zum Artikel: http://www.entwickler.de/php//000886)

Webstandards für ein zugängliches und nutzbares Internet

  • Autor/in: Jan Eric Hellbusch und Kerstin Probiesch
  • Verlag: dpunkt Verlag
  • Seiten: 812
  • erschienen: 2011
  • Preis: 54,90 Euro
  • ISBN: 978-3-89864-520-1

Barrierefreiheit, was ist das genau? Die Website für Blinde anpassen? Aussagekräftige alt-Attribute bei Bildern beziehungsweise title-Attribute bei Links verwenden, genügt das? Aber was ist mit Audio- und Videoinhalten? Und wo bekomme ich alle Informationen her, die ich benötige? Ein guter Ansatz dafür ist "Barrierefreiheit verstehen und umsetzen" von Jan Eric Hellbusch und Kerstin Probiesch, das Antworten auf viele Fragen bietet. Zum Beispiel Antworten auf die Fragen, welche Arten von Behinderung eigentlich berücksichtigt werden müssen, um eine Seite wirklich barrierefrei zu gestalten. Was beim Screen-Design beachtet werden muss. Wie man vernünftige Formularare gestaltet und wie man mit Tastaturbedienung und dynamischen Inhalten umgeht. Den Abschluss bilden Erfolgskriterien des WCAG 2.0, PDF-Standard-Tags – denn auch dieses Thema darf nicht ausgelassen werden und wird mit einem der zweifelsohne stärksten Kapitel des Buchs bedacht – sowie ein mehr als umfangreiches Kapitel mit Quellen und Tipps zur weiterführenden On- und Offline-Literatur.

Spannend für mich, der ich letztes Jahr auch der Biene-Jury beiwohnen durfte, sind die verschiedenen Facetten der Barrierefreiheit. Die entsprechende technische Umsetzung ist nur die halbe Miete – bei der Wahl der Sprache ist der Redakteur gefragt, der Inhalte liefert. Und so ist und bleibt Barrierefreiheit ein wichtiges Thema – und es wird in Zukunft sicherlich nicht an Bedeutung verlieren. Umso dringender benötigt man so viele Informationen wie man nur bekommen kann. Das ist nicht immer so einfach, vor allem, wenn man sie nicht all zu trocken präsentiert bekommen möchte. Denn genau da liegt das Hauptproblem: deutlich über 700 Seiten weißt "Barrierefreiheit verstehen und umsetzen" auf. Das beweist zum einen, dass es viele Dinge zu erfahren gilt, zum anderen, dass sich dieses Wissen in einer Sphäre bewegt, mit der sich nur wenige bisher auseinandergesetzt haben dürften. Alleine der Umfang – der von einigen kritisiert wurde, da am Ende trotz allem bestimmte Teilbereiche zu kurz kommen – belegt, dass die barrierefreie Gestaltung von Inhalten kein Pappenstiel ist; nichts, was sich so eben im Nachhinein implementieren lässt. Barrierefreiheit beginnt früher, schon bei den ersten Schritten.

Die größte Gefahr liegt also darin, belehrend knochentrockenen Stoff herunterzurasseln. Genau das umgehen Kerstin Probiesch und Jan Eric Hellbusch wenn schon nicht durchgängig, dann doch in weiten Teilen auf elegante Art und Weise. Doch auch wenn das Buch interessant geschrieben ist – zumindest für jeden, der geneigt ist, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen – und auf vielen Seiten anregende Passagen bietet, die man beim Angehen an das nächste Projekt auf alle Fälle im Hinterkopf haben wird, so lernt man doch schnell, dass manche Themen nicht dafür geeignet sind, leicht aufbereitet zu werden. Zumindest als Entwickler findet man in dem Buch alles, was man für den Einstieg benötigt; alle anderen dürften ihre liebe Mühe haben, dem Werk vollständig zu folgen. Doch damit hat genau diese Zielgruppe die richtige Lektüre für sich gefunden.

von Tom Wießeckel

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