Sonntag, 12. Februar 2012 |
Interview mit Frank Prengel von Microsoft im Rahmen von "Ready to Rock the Launch". Frank Prengel arbeitet als eMbedded Developer Evangelist bei Microsoft Germany in Unterschleißheim.
Beim großen Launch-Event von Visual Studio 2005 und SQL Server 2005, war die "Mobility-Strategie" nur ein Randthema. In der Gesamtstrategie des Konzerns wird sie jedoch in den kommenden Jahren eine zentrale Rolle spielen und mit darüber entscheiden, inwieweit es dem Software-Konzern gelingt, sich in neuen Märkten zu etablieren.
Der Begriff eMbedded Developer Evangelist ist für viele Leser sicherlich ungewohnt. Was steckt dahinter bzw. was ist Ihre genaue Aufgabe bei Microsoft?
Frank Prengel: Bisher waren die Entwickler auf Windows-Mobile-Veranstaltungen ebenso unterrepräsentiert wie die eMbedded-Spezialisten auf Entwickler-Veranstaltungen. Die neue Rolle des eMbedded Developer Envangelist soll diese Lücke füllen und eine Brücke zwischen beiden Welten bilden. Hauptaufgabe der Evangelists ist, die Community zu betreuen, Vorträge auf Konferenzen und Messen zu halten, aber auch Workshops mit Kunden zu veranstalten. Dabei gab es bis vor wenigen Monaten nur Developer Evangelists ohne weitere Spezialisierung. Inzwischen gibt es mehr und mehr Spezialisierungen, wobei nach wie vor auch der Gesamtüberblick vorhanden sein muss, um zu wissen, wie die jeweiligen Produkte zusammenarbeiten können.
Welches sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Neuerungen bei Visual Studio 2005 für Mobile Devices?
FP: Da gibt es gleich eine ganze Reihe: Angefangen damit, dass nun eine managed und native Programmierung möglich ist und damit eMbedded Visual C++ überflüssig wird. Dann wäre da noch die Version 2.0 des .NET Compact Framework mit seinen neuen Klassen. Interessant ist sicherlich auch der neue Emulator, der nun noch näher am echten Gerät ist, wie bisher.
Und wie sieht es mit der SQL Server 2005 Mobile Edition aus? Was hat sich hier im Vergleich zur SQL Server Windows CE Edition geändert?
FP: Hier ist vor allem das Zusammenspiel der verschiedenen Tools deutlich verbessert worden. So lassen sich nun SQL-Mobile-Datenbanken direkt in Visual Studio entwerfen.
Können Sie sich auch Anwendungsszenarien auf Basis von BizTalk 2006 vorstellen, die Mobile Devices einbeziehen?
FP: Insbesondere, wenn eine dauerhafte Verbindung – beispielsweise über WLAN oder UMTS besteht – ist dies natürlich problemlos möglich. Bei loser Verbindung wird die Realisierung zwar komplizierter, ist aber – beispielsweise über Message Queues – immer noch machbar.
Was sind die wesentlichen Neuerungen bei Windows Mobile 5.0 und welche Erfahrungen haben Sie mit den ersten verfügbaren Geräten (z.B. MDA Pro) gemacht?
FP: Bei den Pocket-PCs ist die wesentliche Neuerung die Persistent Storage, durch die – wie bei Smartphones schon länger üblich – auch bei komplett leerem Akku, der Speicherinhalt nicht verloren geht. Dies geschieht durch eine regelmäßige Sicherung des RAMs in den Flash-Speicher. Mit dem Windows Mobile 5.0 SDK sind jetzt auch weitere Hardware-Bestandteile direkt anprogrammierbar (z.B. SystemState, Kamera etc.).
Auf Seite der Software wurden die enthaltenen Anwendungen (IE Mobile, Mobile Office, Windows Media Player) aktualisiert bzw. erweitert. Auch ein PowerPoint-Viewer ist nun enthalten. Die gesamte Oberfläche ist nun durch Skins individueller anpassbar, sodass jeder Hersteller seinen firmentypischen Look verwenden kann. Bei den Smartphones ist die WLAN-Unterstützung hinzugekommen.Was die eigene Erfahrung mit Geräten angeht, so ist für mich der Jasjar i-Mate nahezu perfekt. Der einzige Nachteil ist, dass das Gerät etwas schneller sein könnte, da die höhere Bildschirmauflösung von 480 x 640 Punkten ohne Grafikbeschleuniger realisiert wurde, also voll zu Lasten des Prozessors geht.
Können Sie einen kleinen Ausblick in die Zukunft geben? Wie geht es mit Windows Mobile und den dafür verfügbaren Entwicklungstools weiter?
FP: Generell geht der Trend immer mehr in Richtung Smartphone bzw. Pocket PC Phone Edition. Reine Pocket-PCs ohne Telefoniefunktion sind leicht rückläufig, dafür wird erwartet, dass die Windows-Mobile-basierten Smartphones bis 2008 den Symbian Smartphones den Rang ablaufen. Was die Änderungen an Geräten und Betriebssystem angeht, wird zukünftig sicher noch die Bedienbarkeit verbessert werden. Dazu sind bisher die Anpassungsmöglichkeiten der Geräte noch begrenzt. Dies wird in Zukunft flexibler werden, indem ein Systemkern um individuelle Plug-ins erweitert werden kann. Der Aufbau wird also komponentenorientierter.
Vielen Dank für das informative Gespräch.
Das Interview führte Robert Panther