Sonntag, 12. Februar 2012 |
Jason Zander ist General Manager für das .NET Framework Team (DevFX) bei Microsoft. Hierbei ist er unter anderem für die CLR und das .NET Compact Framework, aber auch Technologien wie Windows Forms oder ASP .NET verantwortlich. Er hielt anlässlich der BASTA! 2006 eine Keynote rund um das Thema .NET 3.0.
Was ist dein Job bei Microsoft?
Jason Zander: Ich bin bei Microsoft in Redmond General Manager für das .NET Framework 3.0 und seine Basiskomponenten, zu der unter anderem die CLR und das .NET Compact Framework, sowohl für Geräte wie SmartPhones als auch für die XBox 360, gehören – aber auch Technologien wie WinForms, ASP.NET und das neue Microsoft AJAX.
Beschäftigst Du dich nach wie vor mit dem Codieren?
JZ: Ich war einer der ersten Entwickler an der CLR, sodass ich eine Menge Code geschrieben habe, der später ausgeliefert wurde – was mich natürlich stolz macht. Heute schreibe ich nur noch Code, um zu verstehen wie bestimmte neue Features funktionieren. Die meiste Zeit beschäftige ich mit typischen Managementaufgaben, wie sich darum zu kümmern, dass wir unsere Produkte rechtzeitig ausliefern. Etwa 40 Prozent meiner Arbeitszeit arbeite ich mit den Architekten unserer Produkte zusammen.
Seit wann arbeitest du am .NET Framework?
JZ: Ich kam Ende 1996 zum Projektteam, das damals noch mit C und C++ an einem Vorläufer der CLR arbeitete. Zur gleichen Zeit arbeitete Sun an der Java VM. Damals hieß die CLR übrigens noch Universal Runtime. Im Wesentlichen ging es uns darum, C++ in eine Managed-Umgebung zu überführen, in der dem Programmierer viele lästige Dinge abgenommen würden. Das Ziel war es, schneller Code schreiben zu können, der gleichzeitig zuverlässiger war. Später kam Anders Heljsberg von Borland dazu, der mit der Arbeit an C# begann.
Kannst du dir vorstellen, dass es eines Tages ein .NET Framework mit über 20.000 Klassen gibt?
JZ: Sicher nicht.
Hast du auch an WinFX gearbeitet?
JZ: Ja, ich war von Anfang an dabei. Die ursprüngliche Idee war es, Managed Code in der Welt des Win32-API zu etablieren. Die Arbeit begann bereits Ende 2001, auf der PDC 2003 wurde es dann offiziell angekündigt. Später hat sich die Richtung ein wenig geändert.
Warum hat sich Microsoft entschieden WinFX in .NET Framework 3.0 umzubenennen?
JZ: Wir möchten vermeiden, dass es zu unnötiger Verwirrung kommt. Vor allem möchten wir unseren Entwicklern nicht zwei scheinbar unterschiedliche Frameworks anbieten.
Also ist .NET 3.0 ein .NET 2.0 mit einigen zusätzlichen Komponenten?
JZ: Das ist korrekt. Es gibt noch ein paar zusätzliche APIs, wie für den Zugriff auf Office-XML-Dokumente oder im Bereich Kryptographie. Unter Vista gibt es ein paar zusätzliche Klassen, etwa für den Export ins XPS-Format.
Also ist das .NET 3.0 nicht an Windows Vista gebunden?
JZ: Nein, es wird nur, zusammen mit dem .NET Framework 2.0, als ein Teil von Windows Vista ausgeliefert. Für XP und Windows Server 2003 steht es als Download zur Verfügung. Ich vergleiche .NET 3.0 gerne mit diesen russischen Puppen. Möchte jemand z.B. WPF-Anwendungen entwickeln, benötigt er .NET 3.0. Möchte jemand weiterhin Windows-Forms-Anwendungen entwickeln, genügt .NET 2.0. Wir planen ein Service Release für .NET 2.0 und wollen auch in Zukunft beide Versionen trennen, um die Auslieferung in den Unternehmen einfacher zu gestalten. Auch die CLR 2.0 wird noch weiterentwickelt werden. Wir wollen sie generell sicherer machen, was z.B. im Rahmen der SQL-Server-Integration eine Rolle spielt.
Letztes Jahr war Steven Lees auf der BASTA! und hat unter anderem einen ersten Ausblick auf LINQ gegeben. Wird LINQ auch ein Teil von .NET 3.0 sein?
JZ: LINQ wird aller Voraussicht Teil jenes .NET Framework sein, das die Versionsnummer 3.5 tragen wird. Es wird Teil der nächsten Version von Visual Studio sein, Codename „Orcas“. Eine CTP von Orcas ist in Planung, bislang haben wir ja nur einige Teiltechnologien zur Verfügung gestellt.
Was machst du, wenn du nicht bei Microsoft arbeitest?
JZ: Ich habe drei Kinder, die mich natürlich auf Trab halten. Mein Hobby ist das Bauen von Holzmöbeln. Auf MSN Spaces können Sie eine Kommode bewundern, die vor kurzem fertig wurde. Ich mag es, mit meinen Händen etwas zu bauen, für das man keinen Computer benötigt. Das ist ein angenehmer Kontrast zu meinem Beruf.
Was war dein Eindruck beim ersten Besuch in Deutschland?
JZ: Ich liebe Architektur und es ist faszinierend zu beobachten wie zum Beispiel Häuser vor 100 Jahren gebaut wurden. Wo ich lebe, gibt es nicht allzu viele alte Häuser.
Wie unterscheiden sich die Entwickler, die du hier getroffen hast von jenen, die du z.B. in den USA triffst?
JZ: Generell sind sich Entwickler überall auf der Welt sehr ähnlich. Deutschland ist bekannt für seine hohen Standards im Ingenieurwesen. Ich glaube, dass sich die Entwickler hier mit dem Evaluieren neuer Technologien etwas mehr Zeit nehmen. Darüber hinaus macht es mir immer sehr viel Spaß mit Entwicklern zu reden und zu erleben, wie einfallsreich sie unsere Technologien einsetzen.
Wirst du noch einmal wieder kommen?
JZ: Definitiv.
Das Interview führte Peter Monadjemi.