Sonntag, 12. Februar 2012 |
Am Freitag, den 23.10.2009 wurde in Rotterdam von einem internationalen Gremium aus 17 renommierten Experten der SOA-Community das SOA-Manifesto verabschiedet.
Das SOA-Manifesto ist nun unter www.soa-manifesto.org verfügbar und richtet sich an alle, die am Thema SOA interessiert sind. Absicht des Manifests und seiner Autoren ist es, auf Basis der Erfahrungen aus den letzten Jahren klar zu stellen, welches Ziel mit einer SOA verbunden ist und zugleich die grundlegenden Werte und Prinzipien, als nachvollziehbare und diskutierbare Elemente zu formulieren. Daher handelt es sich bei dem Manifest weder um ein White-Paper noch um eine Liste konkreter Praktiken, so die Autoren.
Das SOA-Manifesto selbst lehnt sich in seinem Aufbau - und auch in der Darstellungsweise - an das inzwischen sehr bekannte Agile-Manifesto an und besteht aus drei Teilen:
In der Präambel wird zunächst das Ziel von SOA formuliert, das darin bestehen soll, einen höheren und nachhaltigen Geschäftswert zu liefern.
Service orientation is a paradigm that frames what you do. Service-oriented architecture (SOA) is a type of architecture that results from applying service orientation. We have been applying service orientation to help organizations consistently deliver sustainable business value, with increased agility and cost effectiveness, in line with changing business needs.
Der zweite Teil besteht aus sechs Aussagen, die das dazugehörige Wertesystem beschreiben. Die Formulierungen definieren, welche Werte und Ziele im Zweifelsfall im Vordergrund stehen.
Business value over technical strategy
Strategic goals over project-specific benefits
Intrinsic interoperability over custom integration
Shared services over specific-purpose implementations
Flexibility over optimization
Evolutionary refinement over pursuit of initial perfection
Im dritten Teil werden 14 Prinzipien formuliert die für SOA essentiell sein sollen. Die Bandbreite der Prinzipien reicht von allgemeine Aussagen wie "Respektiere die soziale und die Machtstruktur der Organisation" über Aussagen zu Technologien und Standards wie "Produkte und Standards alleine führen nicht zu SOA" bis hin zu Aussagen zum Service-Design und anderen Grundkonzepten von SOA (ohne diese immer beim Namen zu nennen).
Die Verkündung des SOA-Manifests im Rahmen des SOA-Symposions in Rotterdam kann auch als Video angesehen werden.
Von den deutschen Autoren des SOA-Manifestos Nicolai Josuttis, Dirk Krafzig, Stefan Tilkov wurde unter www.soa-manifest.de eine Seite online gestellt, die neben einer deutschen Übersetzung auch eine erste Kommentierung der einzelnen Aussagen des Manifests durch Nicolai Josuttis enthält.
Eine der Mitautorinnen des Manifests ist Anne Thomas Manes, die Anfang des Jahres mit ihrem Blogeintrag: "SOA is Dead, Long Live Service" für viel Wirbel in der SOA-Szene gesorgt hat (wir berichteten). Ebenfalls beteiligt ist Thomas Erl dessen Bücher zu den meistverkauften der Branche gehören.
Gemeinsam wiesen sie auf dem SOA Symposium darauf hin, dass der falsche Gebrauch des Begriffs SOA das Problem sei und nicht das dahinter stehende Konzept. Nach ihrer Ansicht ist SOA als Begriff an drei Punkten gescheitert. Erstens, dass er von Herstellern zu leichtfertig für "out-of-the-box" Tools z.B. in Form von ESBs, Repositories oder einem Set von APIs angeboten wurde. Zweitens dadurch, dass die Medien zu sehr WebServices als bestimmendes Element propagiert haben. Drittens auch durch die Kunden, die lieber eine "Silver Bullet" haben wollten, als sich Gedanken, um eine Strategie und Architektur zu machen. Kurz, man kann SOA weder verkaufen, noch kaufen und auch nicht auf eine Technologie reduzieren. In ihrer Keynote sagte Manes dazu: "It's all about architecture - and architecture is hard work".
In dieser Hinsicht ist das SOA-Manifesto auch als Appell zu verstehen, den darin formulierten "richtigen" SOA-Begriff zu erkennen und den falschen SOA-Begriff tatsächlich zu beerdigen. Denn SOA sei keineswegs tot, sondern der einzig gangbare Weg, um zukunftsorientierte IT-Architekturen zu garantieren.