Samstag, 4. Februar 2012 |
Mit dem Aufstellen und Anordnen der Regeln endet in dieser Folge die Beschreibung von Paketfiltern, außerdem werden die Vor- und Nachteile eines Paketfilters beschrieben. Anschließend lernen Sie Application Level Gateways kennen.
Bei den Regeln für Paketfilter gibt es zwei Ansätze: Entweder es wird alles erlaubt und nur potenziell gefährliche Pakete werden ausgefiltert (Default allow), oder es wird alles verboten und nur die gewünschten Pakete werden durchgeleitet (Default deny). Wie meistens, ist der Default-deny-Ansatz die bessere Wahl. Nur so kann garantiert werden, dass keine Filterregel für unerwünschte Pakete vergessen wurde. Außerdem ist es weitaus einfacher, eine relativ kurze Liste erwünschter Pakete zu verwalten als eine lange Liste potenziell gefährlicher. Im einfachsten Fall (ein Webserver, davor ein Paketfilter, keine weiteren Server oder Clients im lokalen Netz) kommt man mit den drei Regeln aus dem ersten Beispiel (siehe About Security #29) aus: HTTP-Verbindungen sind erlaubt, alles andere ist verboten.
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Die Regeln werden in der Reihenfolge angewendet, in der sie angegeben wurden. Sobald eine Regel auf das aktuelle Paket zutrifft, wird sie angewendet und eventuell vorhandene weitere passende Regeln kommen nicht mehr zum Zug. Daher muss beim Aufstellen der Regeln besonders auf die richtige Reihenfolge geachtet werden: Steht eine allgemeine Regel vor einer speziellen, wird die spezielle Regel nie angewendet.
| Regel 5 | "Verwerfe alle Pakete
von den IP-Adressen a.b.*.*" |
| Regel 8 | "Akzeptiere IMAP-Verbindungen von der
IP-Adresse a.b.c.d" |
Der Rechner mit der IP-Adresse a.b.c.d hat das Nachsehen: Auf seine Pakete wird die erste passende Regel angewendet und die Pakete werden verworfen.
Zustandsorientierte Paketfilter analysieren auch die Daten der Anwendungsschicht, daher treffen die obigen Punkte für sie nur teilweise zu.
Damit wird das Thema "Paketfilter" vorerst abgeschlossen. Bei Bedarf wird später noch einmal auf Details eingegangen.
Wie der Name schon sagt, arbeiten Application Level Gateways auf der Anwendungsschicht des TCP/IP-Schichtenmodells. So genannte Dual-homed Gateways mit zwei Netzwerkanschlüssen entkoppeln die angeschlossenen Netze sowohl logisch als auch physikalisch. Ein Application Level Gateway kann auch als Single-homed Gateway mit nur einem Netzwerkanschluss realisiert werden. Dann besteht jedoch die Gefahr, dass ein Angreifer die Schutzfunktion umgeht.
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Das Application Level Gateway empfängt über einen seiner TCP/IP-Stacks Pakete, die bis zur Anwendungsschicht normal verarbeitet werden. Auf der Anwendungsschicht sorgt eine spezielle Software für die Übertragung zum zweiten TCP/IP-Stack. Diese Software wird als Proxy (Stellvertreter) bezeichnet, da es aus Sicht der jeweiligen Kommunikationspartner so aussieht, als würden sie mit dem Proxy kommunizieren. Für jedes Protokoll der Anwendungsschicht, das das Application Level Gateway verarbeitet, ist ein eigener Proxy zuständig. Protokolle, für die kein Proxy vorhanden ist, können das Gateway nicht passieren.
Das Application Level Gateway hat die vollständige Kontrolle über alle zwischen dem zu schützenden und dem unsicheren Netzwerk übertragenen Pakete. Seine Funktionsweise wird in der nächsten Folge näher betrachtet.
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