Donnerstag, 2. März 2006 |
Topthema
In dieser Folge geht es zuerst um den Einsatz von
Intrusion-Detection-Systemen in Kombination mit Switches, danach um
Angriffe auf bzw. das Umgehen von Intrusion-Detection-Systemen.
IDS und Switches
Da hostbasierte IDS Bestandteil des zu überwachenden Rechners
sind und
dessen Netzwerkverbindung zur Kommunikation verwenden können, spielt
die Art des Netzes für sie im Prinzip keine Rolle. Anders hingegen bei
den netzwerkbasierten Sensoren verteilter IDS (das Gleiche gilt
entsprechend für netzwerkbasierte IDS). Da ein Switch
Punkt-zu-Punkt-Verbindungen zwischen den jeweiligen
Kommunikationspartnern
aufbaut, kann ein an einen normalen Switch-Port angeschlossener Sensor
nur
die Pakete sehen, die direkt an ihn gerichtet sind.
Um dieses Problem zu umgehen, haben viele Switches einen
Monitoring-Port
für den Anschluss von Netzwerkanalysatoren und ähnlichen
Geräten. An diesen Port werden alle vom Switch empfangenen Pakete
weitergeleitet. Wird an einen solchen Port ein netzwerkbasierter Sensor
angeschlossen, kann er theoretisch alle vom Switch empfangenen Pakete
kontrollieren. Praktisch kann es dabei zu Problemen kommen, wenn die
Übertragungs- und Verarbeitungskapazität an ihre Grenzen
stößt: Bei einem voll ausgelasteten Switch mit n
normalen Ports und einem Monitoring-Port müssen Monitoring-Port und
angeschlossener Sensor die n-fache Kapazität
eines normalen
Ports verarbeiten können. Auch ist der Monitoring-Port ein
mögliches Angriffsziel: Schafft es ein Angreifer, den
Monitoring-Port in irgendeiner Form zu beeinträchtigen, kann er danach
unbeobachtet vom Intrusion-Detection-System sein Unheil anrichten.
Angriffe auf und Umgehen von
netzwerkbasierte(n) Systeme(n)
Für Angriffe auf netzwerkbasierte Sensoren und das Umgehen von
netzwerkbasierten Sensoren verteilter IDS bzw. netzwerkbasierte IDS
gibt
es mehrere Möglichkeiten. Hier sollen nur einige aufgezählt
werden:

- Blenden
des Sensors
Der Sensor bzw. das IDS wird so stark ausgelastet, dass ein Angriff auf
das überwachte Netz nicht erkannt werden kann. Ein IDS hat keine
Möglichkeit, den Netzwerkverkehr zu drosseln, wenn seine
Verarbeitungskapazität an ihre Grenzen stößt. Reicht die Kapazität
nicht aus, muss es einen Teil der empfangenen Pakete verwerfen. Dies
kann bis zum vollständigen Ausfall des Sensors führen, wenn immer mehr
Leistung für den Empfang der Pakete verwendet wird und immer weniger
Leistung für ihre Verarbeitung zur Verfügung steht. Ein solcher Angriff
ist von innen relativ leicht zu realisieren. Für einen Angriff aus dem
Internet muss der Angreifer auf Verfahren zurückgreifen, die mit
geringem Aufwand zu einer hohen Auslastung im überwachten Netz führen.
Eine Möglichkeit dafür sind beispielsweise Smurf- oder Fraggle-Angriffe
(siehe About Security #58).
- Blenden
des Event-Speichers
Die Speicherkapazität des IDS wird mit so vielen unwichtigen bzw.
falschen Daten gefüllt, dass Informationen über einen Angriff nicht
erkannt, nicht erfasst oder mit aktuelleren Daten überschrieben werden.
- Denial-of-Service
Ein IDS entspricht im Prinzip einem vollwertigen TCP/IP-Stack mit
verschiedenen Diensten. Dadurch ist es auch für übliche Angriffe wie
beispielsweise SYN-Floods (siehe About Security #58) anfällig. Auch die
Analyseroutinen für die verschiedenen unterstützten Protokolle sind
unter Umständen anfällig für Denial-of-Service-Angriffe.
- Langsame
Port-Scans
Da die IDS große Datenmengen verarbeiten müssen, erkennen sie langsame
Port-Scans unter Umständen nicht, da sie keinen Zusammenhang zwischen
den verschiedenen Paketen feststellen.
- Umgehen
der Signaturerkennung
Die Signaturerkennung kann in manchen Fällen umgangen werden, indem ein
bekannter Angriff etwas abgeändert wird. So können zur Erkennung eines
Angriffs auf eine Pufferüberlauf-Schwachstelle zum Beispiel mehrere
Muster zur Erkennung bekannter Angriffe eingesetzt werden. Schon eine
leichte Änderung des Angriffs reicht dann aus, um nicht erkannt zu
werden. Ein Muster, das überlange Parameter erkennt, kann dagegen nicht
umgangen werden: Entweder der Parameter ist zu lang oder er ist es
nicht.
- HTTP-Request-Smuggling
Ein Angreifer kann mit einem HTTP-Request-Smuggling-Angriff (siehe
About Security #17 ff. ) seine Absichten vor dem
IDS verbergen: Das IDS sieht unsinnigen oder harmlosen Netzwerkverkehr,
der auf dem Zielsystem jedoch anders interpretiert wird und Schaden
anrichtet.
- Senden
zusätzlicher Pakete
Ein IDS kann unter Umständen durch das Senden von Paketen getäuscht
werden, die zwar beim IDS, nicht aber beim Zielsystem ankommen, weil
zum Beispiel ein dazwischen liegender Router sie verwirft. So könnte
z.B. dem IDS das Ende einer Verbindung vorgetäuscht werden, die für das
angegriffene System weiter besteht. Dafür kann zum Beispiel ein
FIN-Paket mit entsprechend gesetztem TTL-Feld (Time to Live) verwendet
werden.
Damit sind die theoretischen Grundlagen von
Intrusion-Detection-Systemen
abgeschlossen. In der nächsten
Folge
geht es mit einem praktischen Beispiel weiter.
Wenn
Sie Fragen oder Themenvorschläge haben, können Sie
diese gerne an die angegebene E-Mail-Adresse senden oder im Security-Forum
einbringen!
Carsten
Eilers
About Security – Übersicht zum aktuellen Thema "Intrusion
Detection und Prevention Systeme"