Montag, 16. April 2007 |
Kolumne
Am Dienstag war Microsofts Patchday, am Donnerstag folgte dann der
zugehörige
0-Day-Day.
Also mal wieder
'Same procedure as last month'.
Bevor ich zur neuen Schwachstelle komme, hier ein kurzer Blick auf Microsofts Security
Bulletins vom Dienstag:
10. April - Patchday
- MS07-018
Je eine neue
Schwachstelle im Microsoft Content Management Server
erlaubt die Ausführung beliebigen Codes und Cross-Site-Scripting.
Microsoft stuft die Code-Ausführung als kritisch ein. Bisher sind
außer den Angaben im Security Bulletin keine Details
veröffentlicht worden, aber da die Schwachstelle durch
HTTP-Requests mit unerwarteten Zeichen ausgenutzt werden kann,
könnte sie sich als Einfallstor für einen Wurm eignen.
Die Cross-Site-Scripting-Schwachstelle erlaubt laut Microsoft auch die
Manipulation von Browser- und Proxy-Caches. Ansonsten ist es eine
Cross-Site-Scripting-Schwachstelle, wie es sie in vielen Webanwendungen
immer mal wieder gibt. - MS07-019
Eine vorher nicht veröffentlichte
Pufferüberlauf-Schwachstelle
beim Verarbeiten von HTTP-Requests durch den Universal Plug and Play
(UPnP) Service erlaubt die Ausführung beliebigen Codes. iDefense
hat ein eigenes
Advisory
veröffentlicht.
Die Schwachstelle kann nur aus dem jeweiligen lokalen Netz ausgenutzt
werden, betroffen ist nur Windows XP SP2. Verschiedene Schutzfunktionen
erschweren die Ausnutzung der Schwachstelle, damit dürfte sie
für einen Wurm oder Virus uninteressant sein. Microsoft stuft die
Schwachstelle trotzdem vollkommen zu Recht als kritisch ein,
schließlich erlaubt sie trotz allem die Ausführung
beliebigen Codes aus der Ferne. Wie schwer oder leicht das ist, ist
dabei unerheblich. Schließlich könnte ja ein Angreifer einen
Weg finden, durch den die Schwachstelle sich viel leichter als erwartet
ausnutzen lässt.
- MS07-020
Eine ebenfalls vorher nicht veröffentlichte Schwachstelle beim
Parsen von URLs
durch den Microsoft Agent erlaubt die Ausführung beliebigen Codes.
Secunia hat ein eigenes
Advisory
veröffentlicht, das aber auch nicht mehr Infos als Microsofts
Security Bulletin enthält.
Um die Schwachstelle auszunutzen, muss das Opfer eine Webseite mit
einer präparierte URL besuchen. Microsoft weist in solchen
Fällen immer darauf hin, dass der Angreifer das Opfer nicht dazu
zwingen kann. Das ist aber auch gar nicht nötig, wenn die
präparierte URL über Cross-Site-Scripting in eine beliebte
Website eingeschleust wird. Die wird ganz freiwillig besucht.
Außerdem kann die Schwachstelle über (HTML-)E-Mails
ausgenutzt werden. Nun ja, HTML-E-Mails sind in meinen Augen sowieso
nur zu einem einzigen Zweck gut: Zum sofortigen Löschen. Entweder
ist es Spam oder ein Virus/Wurm. Der Anteil nützlicher
HTML-E-Mails liegt zumindest bei mir irgendwo im Promillebereich. Und
wenn ich die betrachte, bei denen der Plaintext-Teil so geistreiches
wie "Sie verwenden vermutlich ein E-Mail-Programm, das die
HTML-Version unserer E-Mail nicht darstellen kann. Da wir möchten,
dass Sie die E-Mail im korrekten Format genießen können, ...
(bla bla bla)" enthält, dann liegt der Anteil
nützlicher Mails irgendwo zwischen '0, nichts' und 'kaum messbar.
Ach ja: Mein E-Mail-Programm kann HTML-Mails darstellen. Aber
dürfen tut es nicht. Und warum sollte ich auf den dann
meist folgenden Link klicken, wenn ich nicht mal weiß, um was es geht?
- MS07-021
Dieses Bulletin erfüllt gleich drei Wünsche auf einmal:
- Zuerst schließt es eine seit Mitte Dezember 2006
bekannte
Schwachstelle
bei der Verarbeitung von Fehlermeldungen durch das Client/Server
Run-time Subsystem (CSRSS).
Microsoft stuft die Schwachstelle als kritisch ein. Ein Angreifer
kann die Schwachstelle zur Ausführung beliebigen Codes mit
SYSTEM-Rechten ausnutzen, wenn ein Benutzer ein präpariertes
Programm startet oder eine präparierte Webseite besucht.
- Dann wird eine seit Ende Dezember bekannte lokale
Denial-of-Service-Schwachstelle
im Client/Server Run-time Subsystem behoben. Microsoft stuft die
Schwachstelle als niedrig bzw. mittel ein.
Ich frage mich oft, wer lokale Denial-of-Service-Schwachstellen
ausnutzt. Da kann man den Rechner auch einfach selbst ausschalten
oder wenn dafür die nötigen Rechte fehlen, einfach den
Stecker ziehen.
- Zu guter Letzt schließt es eine bisher nicht bekannte
Schwachstelle im Client/Server Run-time Subsystem,
die lokalen Benutzern das Erlangen von SYSTEM-Rechten erlaubt. eEye
hat ein eigenes
Advisory
veröffentlicht.
Betroffen ist nur Vista, Microsoft stuft die Schwachstelle als
wichtig ein. Es handelt sich eigentlich um eine normale lokale
Privilegien-Eskalation. Das Besondere ist, dass nur Vista
betroffen ist, da die betroffene DLL erst damit eingeführt
wurde.
- MS07-022
Unsichere Rechte für Mapped Memory Segmente
erlauben lokalen Benutzern die Ausführung beliebigen Codes mit
erhöhten Rechten. Microsoft stuft diese vorher nicht
veröffentlichte Schwachstelle als wichtig ein. eEye hat ein
eigenes
Advisory
veröffentlicht.
Es handelt sich um eine normale lokale Privilegien-Eskalation ohne
Besonderheiten.
12. April - 0-Day-Day
Wie üblich: Wenn Microsoft Schwachstellen stopft, kommt kurz darauf
eine neue ans Licht. Die bösen Buben möchten ja nicht ohne
auszunutzende Lücken dastehen und scheinen einen ausreichenden Vorrat
auf Lager zu haben. Diesmal ist es eine Pufferüberlauf-Schwachstelle im RPC-Interface des DNS-Service.
Sie erlaubt durch einen präparierten RPC-Request die Ausführung
beliebigen Codes mit SYSTEM-Rechten und wird bereits aktiv ausgenutzt.
Microsoft hat ein Security Advisory veröffentlicht und bereits mehrmals aktualisiert.
Die
Übersicht des Internet Storm Centers
hat damit ein zweites rotes Feld als Kennzeichnung einer kritischen
Schwachstelle bekommen. Ansonsten sieht sie aber doch ganz gut aus, da
waren schon mal deutlich mehr rote Felder zu sehen.
Warten wir mal ab, wann Microsoft die neue Schwachstelle patcht. Vielleicht
gibt es ja schon bald den nächsten außerplanmäßigen Patch.
Carsten Eilers