Freitag, 25. Mai 2012 |
Letzte Woche wurde eine halbwegs interessante Analyse veröffentlicht: 'Windows Vista 6-Month Vulnerability Report' (PDF, Blog-Eintrag). Demnach wurden in Windows Vista in den ersten sechs Monaten nach Veröffentlichung deutlich weniger Schwachstellen gefunden als in den entsprechenden Zeiträumen bei Windows XP, Mac OS X 10.4 'Tiger' und den Linux-Distributionen Red Hat Linux 4, Ubuntu LTS-6.06 und Suse Enterprise Desktop 10. Das ist erst einmal beachtlich und vermutlich ein Hinweis darauf, dass Microsofts 'Security Development Lifecycle' (SDL) sich auszahlt.
Um die doch recht umfangreichen Linux-Distributionen mit Vista vergleichbar zu machen, wurden Server-Dienste, Entwicklungs-Umgebung, Gimp und Open Office entfernt. Einige Kritikpunkte fallen mir ein:
Trotzdem bleibt festzuhalten: Die Berücksichtigung möglicher Angriffe bei der Softwareentwicklung ist zwar aufwändig, lohnt sich aber allen Anschein nach.
Trau, schau wem
Spamhaus stellt für die Filterung von Spam- und Phishing-E-Mails eine
Spamblock-Liste (SBL) mit den IP-Adresse Spam- und Phishing-versendender
Mailserver bereit. Auf dieser Liste sind auch die Mailserver der
österreichische Domainregistrierungsstelle nic.at
gelandet.
Nicht etwa, weil nic.at Spam versenden würde. Nein: Spamhaus
stört sich daran, dass nic.at sich weigert, mehrere .at-Domains zu
löschen, bei denen Subdomains für Phishing-Angriffe verwendet
wurden. Nun ist nic.at eine Registry, die nur die reine Domain
bereitstellt. Alles weitere, insbesondere die beanstandeten Subdomains,
liegt in der Zuständigkeit des jeweiligen Providers. Da weder die
Domains selbst für das Phishing verwendet wurden noch nic.at rechtlich
befugt ist, über Derartiges zu entscheiden, wurden die Domains nicht
gelöscht. Dem kann ich nur aus vollstem Herzen zustimmen: Wo
kämen wir hin, wenn irgendjemand ohne jede Berechtigung die
Löschung einer Domain verlangt und die Registry dem Folge leistet?
Dafür gibt es immer noch den Rechtsweg! Spamhaus sieht das anders und
versucht, nic.at mit der Aufnahme deren Mailserver auf die SBL zu
erpressen. Ja, spinnen die denn? nic.at hält sich an die Gesetze,
Spamhaus eindeutig nicht. Erpressung oder Nötigung ist doch wohl immer
noch eine Straftat. Außerdem haben sie sich damit einen
Bärendienst erwiesen: Da sie nachweislich Unschuldige auf ihre Listen
setzen, kann man nun nur noch dringend von deren Verwendung abraten. Was
mal wieder zeigt: Wenn man für die Spam-Filterung Blacklists
verwendet, muss man sehr genau darauf achten, wer sie führt und wie er
sie führt. Sonst landen schnell harmlose Server auf der Liste und
erwünschte Mails im Nirwana. Und da gehört in meinen Augen nun
die SBL von Spamhaus hin.
Der Bundestrojaner, mal wieder
Entweder die Bedrohungslage ist seit letzter Woche ernster (meint Herr Dr.
Schäuble) oder sie ist es nicht (meint Herr Dr. Beckstein) – egal,
Online-Durchsuchungen müssen her – meint Herr Dr. Schäuble. Wozu?
Zur Überwachung der Kommunikation: "Die Überwachung
der Kommunikation ist lebensnotwendig"! Ups – ich dachte immer,
eine Hausdurchsuchung wird gemacht, um Beweise zu finden. Und die
Online-Durchsuchung sollte doch eine virtuelle Hausdurchsuchung sein. Jetzt
ist plötzlich von 'Überwachung der Kommunikation' die Rede. Also
entweder der Herr weiß nicht, was er redet – oder er hat sich
verplappert und es geht nicht nur um eine einmalige Durchsuchung (die schon
schlimm genug und meines Erachtens keinesfalls mit dem Grundgesetz
vereinbar wäre), sondern um eine dauernde Überwachung. Denn
Kommunikation ist etwas laufendes, das kann man nicht jetzt, hier, auf
einen Schlag kopieren. Dazu muss man über längere Zeit E-Mail,
Chats etc. belauschen. Demnach würde sich der Bundestrojaner nicht nur
über die gespeicherten Daten hermachen, sondern auch die
zukünftige Kommunikation überwachen. Eigentlich ja naheliegend:
Wenn man schon die Finger im Rechner hat, warum sollte man nicht noch nach
ein bisschen mehr suchen? Ich gönne Frau Merkel ja ihre
außenpolitischen Erfolge – aber langsam wird es Zeit, dass sie sich
mal um die Innenpolitik kümmert. Ihr Fachminister scheint aus dem
Ruder gelaufen zu sein.