Donnerstag, 13. September 2007 |
Topthema
Mehrere Angriffe auf Bluetooth schließen das Thema
"Bluetooth-Sicherheit"
ab. Der erste "Angriff" ist eigentlich gar keiner: Beim so genannten
Bluejacking
werden Visitenkarten im VCard-Format per Bluetooth an andere
Bluetooth-Geräte, i.A. Handys, gesendet, die statt des Namens des
Absenders eine beliebige Nachricht enthalten. Der Empfänger liest
zuerst die Nachricht, der übliche Zusatz wie 'will Ihnen eine
Visitenkarte schicken. Akzeptieren?' oder ähnlich wird erst beim
Scrollen angezeigt. Von diesem "Angriff" geht keine Gefahr aus, er ist
allenfalls lästig. Bluejacking kann potenziell gefährlich werden,
wenn der dabei initiierte Handshake-Prozess vollendet wird, wozu aber
die
Zustimmung des Opfers notwendig ist. Der Angreifer erhält dadurch eine
vertrauenswürdige Verbindung zum angegriffenen Gerät und kann auf
die darauf gespeicherten Informationen zugreifen. Solange das Opfer dem
Verbindungsaufbau nicht zustimmt, besteht aber keine Gefahr.
Gefährlicher als Bluejacking sind einige andere Angriffe, z.B. das so
genannte
Bluesnarfing.
Entdeckt wurde es im November 2003 durch Adam Laurie, als er in einigen
Bluetooth-Geräten Schwachstellen in den Authentisierungs- und
Datenübertragungsfunktionen fand. Martin Herfurt fand eine weitere
Schwachstelle, über die auf die AT-Befehle eines betroffenen
Geräts zugegriffen werden kann. Darüber ist der Zugriff auf
höhere Befehlsschichten und die Daten- und Sprachkommunikation
möglich. Alle bisher bekannt gewordenen Schwachstellen beruhen auf
Implementierungsfehlern, im Bluetoothstandard selbst wurden bisher
keine
Schwachstellen gefunden.
Aus diesen und weiteren Schwachstellen wurden mehrere Angriffe
entwickelt,
z.B.:
- BlueSnarf
Der BlueSnarf-Angriff ist dadurch bekannt geworden, dass er die erste
in Bluetooth-Geräten gefundene Schwachstelle ausnutzt. Bei einigen
Geräten kann anonym und ohne Wissen und Zustimmung des Eigentümers auf
gespeicherte Daten zugegriffen werden. Ursache ist ein Fehler in der
Implementierung des OBEX Push Profile (OPP) für den Austausch von z.B.
Visitenkarten, durch den alle Dateien, deren Name bekannt ist oder
richtig geraten wurde, heruntergeladen werden können.
Ein ähnlicher Angriff ist BlueSnarf++. Angriffspunkt ist
wieder das OBEX Push Profile. Es wird ein OBEX FTP-Server eingesetzt,
über den auf alle Dateien auf dem angegriffenen Gerät lesend und
schreibend zugegriffen werden kann. Ein Pairing ist dabei nicht
notwendig, sodass das Opfer dem Verbindungsaufbau nicht zustimmen muss.
- BACKDOOR
Beim BACKDOOR-Angriff wird zuerst eine Vertrauensbeziehung zum
angegriffenen Gerät aufgebaut, danach wird das angreifende Gerät aber
aus der Liste mit dem Opfer verbundener Geräte entfernt. Danach können
unbemerkt alle Aktionen durchgeführt werden, die vertrauten Geräten
erlaubt sind. So ist es möglich, den gesamten Speicherinhalt
einschließlich gespeicherter Bilder und Textnachrichten zu lesen. Der
Angreifer erhält dabei im Prinzip ein vollständiges Backup des
angegriffenen Geräts.
- BlueBug
Beim BlueBug-Angriff wird über zwei "geheime", ungeschützte
RFCOMM-Kanäle eine serielle Verbindung zum angegriffenen Gerät
aufgebaut, wodurch der uneingeschränkte Zugriff auf alle AT-Befehle
möglich ist. Damit kann der Angreifer die Kontrolle über das
angegriffene Gerät übernehmen. Mögliche Folgen sind z.B.
- Absetzen von Telefongesprächen, z.B. zum Angreifer (um
das Opfer zu belauschen) oder zu kostenpflichtigen Telefonnummern
- Senden von SMS
- Kopieren des Adressbuchs und Kalenders
- Aktivieren einer Rufumleitung oder Nutzung des
Internetzugangs
- BTChaos
Der BTChaos-Angriff nutzt eine von Integralis gefundene Schwachstelle aus, um AT-Befehle
auszuführen, und hat ähnliche Folgen wie ein BlueBug-Angriff.
- Blooover
Blooover (abgeleitet von Bluetooth Hoover) ist ein 2004 vorgestelltes
Proof-of-Concept-Tool in Java. Während davor Notebooks für die Angriffe
nötig waren, läuft Bloover auf Java-ME-fähigen Mobiltelefonen und
erlaubt die unauffällige Durchführung von BlueBug-Angriffen.
- HeloMoto
Der HeloMoto-Angriff ist eine Kombination aus BlueSnarf- und
BlueBug-Angriff. Eine Schwachstelle in der 'trusted
device'-Implementierung in einigen Motorola-Telefonen erlaubt es dem
Angreifer, durch den Abbruch des Sendens einer vCard als
vertrauenswürdiges Gerät eingestuft zu werden und danach ohne
Authentisierung über das Headset Profile die Kontrolle über das Gerät
zu übernehmen.

Außer den oben beschriebenen Angriffen sind auch
Denial-of-Service-Angriffe möglich:
- BlueSmack ähnelt dem Ping-of-Death
für TCP/IP (siehe About Security #58).
- BlueChop stört aufgebaute
Piconets, indem ein nicht beteiligtes Gerät sich als Slave ausgibt und
dadurch den Master verwirrt.
- BlueDump ist kein
Denial-of-Service-Angriff im eigentliche Sinne. Stattdessen wird ein
Gerät dabei dazu gebracht, seine gespeicherten Link Keys zu verwerfen
und einen neuen Schlüsselaustausch zu starten, der dann vom Angreifer belauscht werden kann.
Während Bluetooth normalerweise eine Reichweite von 10 Metern hat,
wurde
mit einer speziellen Antenne ein BlueSnarf-Angriff über eine Entfernung
von
1,78 km durchgeführt.
Der Angreifer muss also nicht zwingend nahe an sein Opfer heran. Die
Gegenmaßnahme gegen die Angriffe ist einfach: Vorhandene
Firmwareupdates installieren und Bluetooth nur aktivieren, wenn es
benötigt wird. Die Sichtbarkeit für andere Bluetooth-Geräte
zu deaktivieren, senkt das Risiko nur bedingt: Es gibt Tools, um nicht
sichtbare Geräte aufzuspüren.
Damit ist das Thema "Bluetooth-Sicherheit" abgeschlossen. In der
nächsten
Folge
geht es um die Sicherheit der wohl gefährdetsten mobilen Geräte:
Notebooks.
Wenn
Sie Fragen oder Themenvorschläge haben, können Sie
diese gerne an die angegebene E-Mail-Adresse senden oder im Security-Forum
einbringen!
Carsten
Eilers
About Security – Übersicht zum aktuellen Thema "Mobile
Security – Bluetooth"