Freitag, 3. September 2010


Kolumne

Montag, 9. März 2009 | Kolumne

KW 11/09 - Standpunkt Sicherheit

(Link zum Artikel: http://www.entwickler.de/entwicklerde/kolumnen/047725)

Meine Eindrücke von der CeBIT 2009 und ein Kommentar zu Eugene Kasperskys neuesten Forderungen sind das Thema dieses Standpunkt Sicherheit.

Über einige Neuvorstellungen von der CeBIT werde ich am Donnerstag in About Security berichten, hier möchte ich meine persönlichen Eindrücke von der Messe schildern. Die CeBIT 2009 war ... außergewöhnlich? ... merkwürdig? ... armselig? So richtig trifft keine der Beschreibungen zu, obwohl sie alle irgendwo treffend sind. Ich reise immer mit dem Zug an, meine ersten Eindrücke sammle ich also in Halle 13. Und die war dieses Jahr nur zu ca. 2/3 gefüllt. Oder andersrum formuliert: Ca. 1/3 der Halle war abgesperrt, aus Richtung Eingang West 1 kommend war die gesamte rechte Fensterfront verdunkelt. Auch in Halle 12 waren Teile abgesperrt, ebenso in der "CeBIT Security World" in Halle 11. Dazu dann die üblichen Tricks, um leere Stände zu kaschieren: Bänke und/oder Grünpflanzen zwischen den Ständen, bei fehlenden Eckständen die übliche Trennwand schräg durch den Standplatz. Insgesamt macht das zumindest auf mich keinen besonders guten Eindruck. Dachte ich, das ließe sich nicht mehr steigern, wurde ich in Halle 8 und 7 eines besseren belehrt: Halle 8 glänzte durch riesige Freiflächen, und Halle 7 war wohl gleich zur Hälfte abgesperrt. Im Rest war u.a. noch Platz für einen LKW mit Sattelanhänger als Stand. Das vereinfacht natürlich den Aufbau: LKW reinfahren, Türen auf, Treppen davor, fertig. Ob das ein neuer Trend wird? Platz genug wäre da.

Normal gefüllt waren u.a. Halle 6, in der man sehen konnte, wie die Messe oder die Standplaner das Web 2.0 sehen: Den Bereich "Webciety" habe ich als dunkel und ungemütlich empfunden, nichts wie weg. Halle 5 war dann ausnahmsweise mal ziemlich normal gefüllt, und in Halle 4 gibt es ja sowieso kaum Platz für weitere Stände, seitdem die zum größten Teil von SAP und Microsoft belegt ist.

Besonders störend fand ich, dass die nicht belegten Teile der Hallen natürlich nicht beleuchtet waren, auch die Fenster waren verdeckt oder zu weit weg - und wenn ein mehr oder weniger großer Teil einer Halle im dunkeln liegt, wirkt sich das natürlich auch auf die belegten Teile aus. Ob es psychologisch geschickt ist, in den Hallen eine düstere Stimmung aufzubauen?

Beim Publikum sind mir zwei Gruppen aufgefallen, die ich in der Form bzw. Menge bisher nicht wahrgenommen habe: Senioren und am Samstag Jugendliche in "Konfirmationsanzügen". Während letztere einfach nur lächerlich wirken, zeigen die ersten, das die Computer im allgemeinen Leben angekommen sind.

Die Stimmung war trotz allem gut, wenn es auf vielen Ständen auch keine wirklichen Neuigkeiten, sondern nur Detailverbesserungen gab. Das war aber eigentlich schon immer so. Zum einen richten sich geniale Neuentwicklungen nur selten nach Messeterminen, zum anderen muss auch bewährtes ständig verbessert und diese Verbesserung bekannt gemacht werden. Und insgesamt gab es noch einiges Neues zu sehen.

Eugene Kaspersky und Big Brother

Eugene Kaspersky hatte ja schon anlässlich der CeBIT 2007 eine "Internet-Polizei" gefordert, und ich hatte das bereits damals im Standpunkt Sicherheit kommentiert: Am 19. und 26. März 2007. Auch 2009 hat Eugene Kaspersky neue Forderungen aufgestellt:

"Das Internet ist wie ein Land, das regiert werden muss." Einzelpersonen sollten sich künftig vor der Nutzung per Ausweis identifizieren, Unternehmen eine Zulassung besitzen und notwendige Abfragen zeitweise gespeichert werden.

Muss man das noch kommentieren? Hat Eugene Kaspersky aus einer Rede von Wolfgang Schäuble vorgelesen?

"Das Internet muss wie jedes andere öffentliche Netzwerk behandelt werden." Damit meinte er Strom-, Wasser- oder Transport-Netze. Jedes dieser Netzwerke, so Kaspersky, werde staatlich überwacht und für den Zugang dazu müssten sich die Teilnehmer registrieren.

Wie kann man auf die Idee kommen, Strom- und Wassernetze mit dem Internet zu vergleichen? Oder war das eine freie Interpretation des Autors des verlinkten Berichts? Transport-Netze in Form von Straßen lasse ich ja noch durchgehen, aber am ehesten ist das Internet doch wohl noch mit dem Telefonnetz vergleichbar, oder? Und was die staatliche Überwachung betrifft... nun ja, die ist zumindest hier bei weitem nicht so streng, wie Eugene Kaspersky es gerne hätte. Zumindest musste ich bisher weder auf der Toilette meinen Ausweis vorzeigen noch beim Einbiegen auf eine öffentliche Straße meinen Führerschein zeigen und das Fahrtziel angeben.

"Wir brauchen für iKriminelle ein spezielles Gefängnis, wo wir ihre Talente nutzen können, sprich ein iCatraz."

Wieso muss ich da gerade an Zwangsarbeit und Sibirien denken?

Noch bedenklicher finde ich eine Aussage, die ich leider nicht online gefunden habe. In einem Interview, das am 6. März in der Deister- und Weserzeitung veröffentlicht wurde, wurde er auf die Forderung nach Internetpässen gefragt "Aber das klingt nach Big Brother..." , und seine Antwort darauf war "(Seufzt) Genau genommen hat Big Brother gar nicht so viele Augen, um alles zu lesen, was Sie in ihren PC tippen."

Hat der Mann wirklich nicht begriffen, um was es geht? Innenpolitiker sehen das Internet voller Terroristen, Familienpolitiker voller Kinderpornos, Eugene Kaspersky voller Cyberkrimineller - ist das ansteckend? Geht irgend ein Internet-Kontrollwahn-Virus um?

Aber wenn er unbedingt sowjetische Verhältnisse im Internet will und es ihn glücklich macht - bitteschön, bauen wir einen eisernen Vorhang um den russischen Teil des Internets, dann sind wir vielleicht auch gleich das Problem mit dem Russian Business Network und dessen Nachfolgern los. Für die Bewohner Russlands, die lieber ein freies Internet wollen, lässt sich sicher die eine oder andere Lösung finden.

Carsten Eilers

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